ANWR Group richtet sich auf den Strukturwandel im Handel aus

Die ANWR Group hat das Geschäftsjahr 2025 trotz eines anhaltend schwierigen Marktumfelds mit einem positiven Ergebnis abgeschlossen.

Der Konzern erzielte 2025 Umsatzerlöse von 626 Millionen Euro, teilte die in Mainhausen ansässige Verbundgruppe am Freitag mit. Das Zentralregulierungsgeschäft, wichtigste Ertragsquelle der Unternehmensgruppe, wuchs um zwei Prozent auf 226 Millionen Euro. Das gesamte Abrechnungsvolumen erhöhte sich um 1,5 Prozent auf 19,6 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Steuern lag mit 7,1 Millionen Euro über den eigenen Erwartungen. Mehr als 13 Millionen Euro investierte die ANWR Group nach eigenen Angaben in Digitalisierung, Immobilien und Infrastruktur. Auch die Genossenschaft selbst schloss das Geschäftsjahr mit einem Jahresüberschuss von 3,1 Millionen Euro ab.

Die Mitglieder der Verbundgruppe beschlossen auf der Generalversammlung in Mainhausen eine Dividende von 15 Prozent auf ihre Geschäftsguthaben. „Dieser Vorschlag unterstreicht unsere Einschätzung zur Solidität der ANWR GROUP und unsere Zuversicht, die anstehenden Herausforderungen gemeinsam mit unseren Mitgliedern zu lösen“, sagte CEO Frank Schuffelen zur beschlossenen Dividende. Gleichzeitig kündigte die Unternehmensgruppe an, ihren Investitionskurs in Digitalisierung, Datenkompetenz und Künstliche Intelligenz fortzusetzen.

Schuhhandel bleibt das Sorgenkind

Während die Finanzkennzahlen Stabilität signalisieren, bleibt die Lage im Handel angespannt. Besonders der Schuhfachhandel steht weiterhin unter Druck. Nach einem flächenbereinigten Umsatzrückgang von 4,6 Prozent im Jahr 2025 lagen die Umsätze im ersten Halbjahr 2026 nach Angaben der ANWR Group weitere 5,8 Prozent unter Vorjahr. Vor allem im Frühjahr habe eine ausgeprägte Kaufzurückhaltung den Markt belastet.

Ein anderes Bild zeigt sich im Sportfachhandel. Die ANWR-Tochter Sport 2000 entwickelte sich 2025 nach Unternehmensangaben überdurchschnittlich. Das Zentralregulierungsvolumen stieg in Deutschland um 15 Prozent, international um 9,1 Prozent. Als Gründe nannte CCO Tobias Eichmeier unter anderem höhere Margen, effizientere Prozesse und eine klare Positionierung der Händler:innen.

Wandel erfordert neue Unterstützung

Für Schuffelen sind die aktuellen Herausforderungen Ausdruck eines grundlegenden Strukturwandels im Handel. „Die Rahmenbedingungen haben sich nicht nur vorübergehend verändert – sie verändern sich strukturell, grundlegend und nachhaltig“, sagte er. Geopolitische Unsicherheiten, eine schwache Konsumstimmung, steigende Kosten sowie ein verändertes Kaufverhalten verlangten neue Antworten.

Diese sieht die Gruppe vor allem im Ausbau ihrer Service- und Technologieangebote. Händler:innen sollen verstärkt mit Datenanalysen, digitalen Plattformen, Finanzierungsleistungen und Beratung unterstützt werden. Ziel sei es, die Erfahrungen der rund 4.500 angeschlossenen Handelsunternehmen besser zu vernetzen und nutzbar zu machen.

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf digitalen Lösungen. Mit dem KI-Assistenten „Anni“ stellt die Verbundgruppe ihren Mitgliedern ein Werkzeug für Informationen und Analysen in Echtzeit zur Verfügung. Ergänzt wird das Angebot durch die digitale Lernplattform Retail Beats Academy.

Parallel wurde die Datenbasis für die betriebswirtschaftliche Beratung erweitert und die Organisation der ANWR Media neu ausgerichtet. „Wir denken Prozesse zunehmend vom Anfang bis zum Ende – ohne Silos und ohne Insellösungen. Das ist eine zentrale Voraussetzung dafür, künftig schneller, effizienter und einfacher arbeiten zu können“, sagte CDO Martona Novotny. Verhaltener Ausblick auf 2026

Für das laufende Jahr rechnet die Verbundgruppe weiterhin mit anspruchsvollen Rahmenbedingungen. Während sich die Geschäftsfelder Sport und Lederwaren positiv entwickeln, bleibt der Schuhmarkt nach Unternehmensangaben deutlich unter Vorjahresniveau. Den eingeschlagenen Investitionskurs will die Unternehmensgruppe dennoch fortsetzen. „Stillstand ist heute das größte Risiko. Deshalb investieren wir konsequent in die Zukunftsfähigkeit unserer Mitglieder und unserer Genossenschaft“, sagte Schuffelen.

Im Rahmen der Generalversammlung bestätigten die Mitglieder zudem Christian Bode, Britta Goertz, Franz Herrlein und Claude Steinmetz für eine weitere Amtszeit von drei Jahren im Aufsichtsrat.


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