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Arbeiten von überall: Otto lässt Mitarbeitende selbst entscheiden

Von Simone Preuss

30. Juni 2021

Business

Otto Group

Der gefürchtete Montagmorgen könnte bald viel freundlicher werden. Zumindest beim Hamburger Versandhändler Otto. Der stellt es seinen Mitarbeitenden deutschlandweit auch nach Ende der gesetzlichen Homeoffice-Pflicht am 30. Juni 2021 frei, auch weiterhin mobil zu arbeiten. 

Statt auf eine verpflichtende Rückkehr ins Büro setzt Otto ab morgen auf ein hybrides Arbeitsmodell und die sinnvolle Kombination aus Präsenz- und Remote-Arbeit. Die Beschäftigten entscheiden künftig gemeinsam im Team, welcher Arbeitsort wann für wen am besten passt, sogenanntes „Activity Based Working“. Viele wird freuen, dass es eine generelle, tägliche Präsenzpflicht dabei nicht gibt.  

Otto befragte seine Mitarbeitenden

Die Entscheidung des Unternehmens stützt sich auf eine mit Unterstützung des Fraunhofer Instituts durchgeführten Umfrage unter den rund 6.100 Beschäftigten, die seit März 2020 überwiegend von zu Hause arbeiten. Das Ergebnis war deutlich: Fast 90 Prozent der Mitarbeitenden äußerten den Wunsch, auch über die aktuelle Corona-Pandemie hinaus verstärkt mobil arbeiten zu wollen – mindestens einen Tag in der Woche, häufig auch mehr. Otto hörte zu und reagierte mit der neuen Regelung. 

„Eine reine Remote-Organisation wird Otto nicht werden. Dafür ist unsere Unternehmenskultur viel zu stark vom persönlichen Miteinander geprägt – und das möchten wir nicht aufgeben. Klar ist aber auch: Fünf Tage pro Woche werden künftig wohl nur noch wenige Menschen im Büro arbeiten. Wir ermöglichen daher unseren Mitarbeitenden mehr Flexibilität, Selbstbestimmung und Eigenverantwortung für ihre Arbeitsorganisation. Der Arbeitsort wird dabei sicherlich auch häufig der Otto-Campus sein. Mobiles Arbeiten bleibt aber weiterhin möglich, sofern die jeweilige Tätigkeit mobiles Arbeiten grundsätzlich ermöglicht“, sagt Katy Roewer, Bereichsvorstand HR und Service von Otto, in einer Mitteilung. 

Dienstag, Mittwoch und Donnerstag sind gewünschte Präsenztage

Wie erwartet, sind Montags und Freitags nicht die Tage, die die Befragten im Büro verbringen möchten - die Ergebnisse der Umfrage zeigten, dass Mitarbeitende die Tage Dienstag, Mittwoch und Donnerstag für kollaborative Tätigkeiten in Präsenz bevorzugen. Dazu bietet der Otto-Campus in Hamburg-Bramfeld moderne Multi-Space-Konzepte und “Desksharing”, also das Teilen von Arbeitsplätzen. 

Auch was den Arbeitsort angeht, gibt sich Otto flexibel: „Den einen Arbeitsort wie früher, den gibt es bei Otto für die meisten Jobs nicht mehr. Stattdessen entscheiden wir ausgehend von unserer jeweiligen Aufgabe immer wieder neu, wo wir arbeiten. Als Faustregel gilt: Je emotionaler ein Thema, desto synchroner und persönlicher sollte die Zusammenarbeit ablaufen und desto eher ist unser Campus der richtige Ort für diese Tätigkeit”, erklärt Irene Oksinoglu, Leiterin von Ottos FutureWork-Initiative, das Modell. 

Wo sinnvoll, ist auch der Arbeitsort flexibel

“Auch gewerbliche oder handwerkliche Tätigkeiten sind nicht oder nur schwer remote abbildbar. Individuelle Konzentrations-, Programmier- oder Konzeptionsarbeiten hingegen lassen sich oft besser an einem ruhigen Ort erledigen. Das kann das eigene Zuhause sein, aber eben auch die Ferienwohnung im Schwarzwald. Für uns gilt: Die Arbeitsleistung soll dort erbracht werden, wo sie am effektivsten möglich ist und der Teamspirit erhalten bleibt“, fügt Oksinoglu hinzu. 

Sogar die derzeit im Bau befindliche neue Otto-Zentrale, die 2023 eröffnet werden soll, wird dem hybriden Arbeitsmodell angepasst und die geplanten Team-Arbeitsflächen vergrößert. Hochmoderne Konferenztechnik ermöglicht hier künftig noch effizientere Hybridmeetings. “So soll die Otto-Unternehmenskultur, die von persönlichen Begegnungen geprägt ist, auch im virtuellen Raum gewahrt bleiben”, erklärt der Versandhändler. Die hierfür erforderliche Technik wie breitere Bildschirme und spezielle Kamerasysteme testet er vorab in einem eigenen neuen „FutureWork-Lab“.

Neue Otto-Zentrale passt sich hybridem Arbeitsmodell an

“Die Anzahl der Einzelarbeitsplätze wird verringert, stattdessen sind mehr Flächen für Workshops, Konferenzen und Teamarbeit vorgesehen. Eine modulare Bauweise und hochmoderne Konferenztechnik wie Deckenmikrofone und Rundum-Kameras sollen künftig eine optimale Zusammenarbeit zwischen mobil und vor Ort arbeitenden Kollegen und Kolleginnen gewährleisten. Gemütliche Social Spaces bieten Gelegenheit für spontanen Austausch, soziale Vernetzung und ein persönliches Miteinander”, so Otto.

Wie genau sich die größere Freiheit der Mitarbeitenden generell auf die Produktivität und Loyalität zu einem Unternehmen auswirkt und ob Dienstag der neue Montag wird, bleibt abzuwarten. Aber dass glückliche Mitarbeitende auch produktivere Mitarbeitende sind, haben Studien weltweit bewiesen. Und Mitarbeitende mit kleinen Kindern, pflegebedürftigen Familienmitgliedern oder eigenen physischen oder psychischen Problemen werden die neue Flexibilität und die aufgehobene Büropflicht sicher schätzen. Und das bindet.