Ausblick: Fußball-WM positv für Adidas – Prognose und Zölle im Blick
Der Sportartikelhersteller Adidas legt an diesem Donnerstag (30.7.) Zahlen für das zweite Quartal vor.
Das erwartet Adidas:
Der Sportartikelhersteller dürfte nach einem guten Jahresauftakt weiter auf einer Erfolgswelle surfen. Neben einer generell robusten Markendynamik ist dabei die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer in den USA, Kanada und Mexiko mitverantwortlich, die im Juni begann und die eine bislang nie dagewesene Größe in Bezug auf Mannschaften und Spiele erreicht hat. So stattete Adidas neben Deutschland unter anderem die Finalisten Argentinien und Spanien sowie den Gastgeber Mexiko aus. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete das Unternehmen, viermal so viele Trikots und doppelt so viele Bälle im Vergleich zur WM davor verkauft zu haben. Den erwarteten Umsatz bezifferte Konzernchef Björn Gulden auf 1,5 Milliarden Euro. Dies wäre das obere Ende der angepeilten Spanne von 1 bis 1,5 Milliarden.
Doch es gibt auch Gegenwind. Der Krieg im Nahen Osten hatte etwa im ersten Quartal noch wenig direkte Auswirkungen auf das Geschäft – die hohen Ölpreise und die wieder aufkommenden Inflationssorgen ließen die Verbraucher:innen speziell in Europa jedoch etwas zurückhaltender agieren. Zudem hatte Gulden vor womöglich stark steigende Transport- sowie Materialkosten gewarnt. Dazu belastet der starke Euro. Der Druck durch die Zollpolitik der USA dürfte anhalten, auch wenn ein Teil der Zölle vor Gericht für unrechtmäßig erklärt wurden. Hier erwarten Investor:innen Informationen über die Rückzahlung.
Sauer stieß Anleger:innen Ende vergangener Woche auf, dass sich Adidas bereits zum zweiten Mal hintereinander mit der Veröffentlichung vorläufiger Zahlen zurückhielt. Das könnte darauf hindeuten, dass größere positive Überraschungen ausgeblieben sind.
Adidas hatte im ersten Quartal trotz der guten Dynamik angesichts des unsicheren Umfelds an seiner Prognose für 2026 festgehalten. Im laufenden Jahr soll der Umsatz währungsbereinigt im hohen einstelligen Prozentbereich steigen. In absoluten Zahlen wäre dies ein Plus von rund 2 Milliarden Euro. 2025 waren die Erlöse der Marke Adidas währungsbereinigt um 13 Prozent auf 24,8 Milliarden Euro gestiegen. Das Betriebsergebnis soll sich von knapp 2,1 Milliarden auf rund 2,3 Milliarden Euro verbessern. Allerdings dürften Zölle und Währungseffekte den Gewinn mit 400 Millionen Euro belasten, hatte es Ende April geheißen.
Das erwarten Analyst:innen
Analyst:innen erwarten für das zweite Quartal weitere Zuwächse bei Umsatz und Gewinn. Sie rechnen mit einem Umsatz von im Schnitt knapp 6,6 Milliarden Euro, nach fast 6 Milliarden ein Jahr zuvor. Währungsbereinigt könnte Adidas ein Wachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich erreicht haben. Bei der viel beachteten Bruttomarge erwarten die Expert:innen in einem vom Bloomberg zusammengestellten Konsens einen Rückgang von 51,7 auf rund 51,2 Prozent. Das Betriebsergebnis dürfte hingegen deutlich von 546 auf 615,6 Millionen Euro steigen. Auch unter dem Strich erwarten die Analyst:innen mehr.
Für das Gesamtjahr liegen die Analyst:innen mit Bezug auf den Umsatz im Rahmen der Unternehmensprognose. Beim Betriebsergebnis erwarten sie jedoch mehr, als von Adidas bislang in Aussicht gestellt.
Wendy Liu von der US-Bank JPMorgan sieht die Stimmung im Sportartikel-Sektor derzeit insgesamt verhalten. Allerdings könnte Adidas weiter von der Schwäche des US-Konkurrenten Nike profitieren und neben anderen Unternehmen Marktanteile gewinnen. Sie verwies dabei auf eine solide Markendynamik und erwartet für die kommenden Jahre weiteres Wachstum.
Auch die schweizerische Bank UBS zeigte sich zuversichtlich: Adidas operiere aus einer Position der Stärke, und die Fußball-Weltmeisterschaft sei mehr als ein positiver Sondereffekt, so Analyst Robert Krankowski. Langfristige Wachstumschancen sieht er im Laufbereich.
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