Chefwechsel, Übernahmepläne und Münchner Neueröffnungen – was die Woche bewegte
In den deutschen Chefetagen wurde diese Woche neu besetzt. Galeria ernannte einen Chief Transformation Officer, Primark bekommt einen neuen Verantwortlichen für Deutschland und Österreich, Raphael Heinold kehrt zur S.Oliver Group zurück und Adidas stellte seine künftige Finanzchefin vor. Zusätzlichen Schwung erhält auch der Machtkampf um Hugo Boss, weil die Frasers Group ihren eigenen Konzernchef für den Spitzenposten in Metzingen ins Gespräch bringt. Die Halbjahressaison sortierte gleichzeitig das Luxussegment neu, denn während LVMH Umsatz und Gewinn einbüßte, meldeten Prada und Brunello Cucinelli deutliche Zuwächse. Dazu kamen ein Eigentümerwechsel bei Mammut, ein Ausblick auf die Trends für Herbst/Winter 2027/28 und eine Reihe von Neueröffnungen, die vor allem München zum Schauplatz hatten.
Business
Die Bilanzen der großen Luxuskonzerne fielen im ersten Halbjahr unterschiedlich aus. Bei LVMH gaben Umsatz und bereinigter operativer Gewinn nach, vor allem weil die umsatzstärkste Mode- und Ledersparte deutlich schwächer lief als ein Jahr zuvor. Hermès steigerte den Halbjahresumsatz dank eines Aufwärtstrends im zweiten Quartal leicht und übertraf damit die Markterwartungen, der Nettogewinn blieb nahezu unverändert. Kering senkte die Nettofinanzverschuldung binnen sechs Monaten um mehrere Milliarden Euro und kehrte im zweiten Quartal auf vergleichbarer Basis zum Wachstum zurück. Die stärksten Zuwächse lieferten dabei die kleineren Sparten Schmuck und Eyewear, während Gucci den Rückgang verringerte.
Kräftiger wuchs Prada, wobei der größte Teil des Zuwachses auf die erstmals konsolidierte Marke Versace zurückgeht. Organisch legte die Gruppe im zweiten Quartal stärker zu als in den ersten drei Monaten. Brunello Cucinelli wuchs währungsbereinigt um 13,3 Prozent, getragen vom eigenen Einzelhandel sowie von Amerika und Asien, und hob die Prognose für das Gesamtjahr auf zehn bis elf Prozent an.
Bei den Sportartikelherstellern verlief das zweite Quartal gegensätzlich. Adidas wuchs vor allem in den eigenen Verkaufskanälen deutlich, erhöhte die Umsatzprognose für das laufende Jahr und verkündete gleichzeitig einen Wechsel im Finanzressort. Birgit Kretschmer übernimmt das Amt zum Jahresende von Harm Ohlmeyer. Bei Puma drückten der Konzernumbau und eine schwächere Nachfrage im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt die Erlöse um knapp zehn Prozent, das Unternehmen schreibt weiter rote Zahlen. Die Prognose für das von Konzernchef Arthur Hoeld ausgerufene Übergangsjahr bekräftigte der Hersteller.
Vor dem geplanten Börsengang in Hongkong legte Shein erstmals detaillierte Zahlen vor und wies für das erste Quartal einen Nettoverlust aus. Das Wachstumstempo verlangsamte sich merklich, was das Unternehmen unter anderem auf die abgeschafften Zollbefreiungen für Kleinsendungen in den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union zurückführt.
Ein Rekordquartal meldete Crocs, dessen Kernmarke den Quartalsumsatz erstmals über die Grenze von einer Milliarde US-Dollar hob. Der Konzern hob daraufhin seine Jahresprognosen an, während das Label Heydude weiter Umsatz verlor.
Der Münchner Einzelhändler Ludwig Beck verzeichnete im ersten Halbjahr einen Rückgang des Bruttoumsatzes. Das Unternehmen verwies auf ein herausforderndes Marktumfeld in der Innenstadt, wo Streiks und Baumaßnahmen im Nahverkehr die Erreichbarkeit des Standorts am Marienplatz beeinträchtigten. Den Verlust vor Zinsen und Steuern konnte der Händler dennoch verringern und erwartet zusätzliche Impulse vom Oktoberfest. Der Handels- und Technologiekonzern Amazon übertraf im zweiten Quartal die Erwartungen der Wall Street, getragen von der Cloud-Sparte AWS.
In Pforzheim baut das Unternehmen seinen Standort für mehr als 300 Millionen Euro um und will die Zahl der Mitarbeitenden dort bis Ende 2029 mehr als verdoppeln. Der Bau des europäischen Vertriebszentrums von Skechers in der Nähe des Flughafens Lüttich soll im August abgeschlossen werden. Die Anlage ist auf weitgehend automatisierte Abläufe ausgelegt, die erste Phase soll bis Ende 2028 umgesetzt sein.
Einen neuen Eigentümer bekommt der Schweizer Bergsportspezialist Mammut. Das chinesische Investmenthaus CPE übernimmt das Unternehmen von Jacobs Capital und will das Wachstum vor allem in Asien und Nordamerika beschleunigen. Firmensitz in Seon und Geschäftsführung bleiben bestehen. Ihre Beteiligung an Burberry stockte die Frasers Group über Put-Optionen von 3,05 auf 4,16 Prozent auf und wurde damit zur drittgrößten Anteilseignerin des britischen Modeunternehmens.
Weitreichende Einschnitte verkündete der österreichische Faserproduzent Lenzing. Im Rahmen der strategischen Transformation gibt der Konzern die Standorte Heiligenkreuz und Grimsby auf, um den Fokus auf Vliesstoffe zu verstärken, und kündigte zugleich eine Kapitalerhöhung sowie neue Finanzierungsvereinbarungen an. Mehr Platz braucht dagegen Modepark Röther. Der Bekleidungsanbieter plant am Hauptsitz in Michelfeld ein neues Bürogebäude und begründet das mit der Größenordnung, die das Unternehmen durch die Übernahme von Adler Modemärkte erreicht hat.
Mode
Autonomie ist das Leitmotiv, mit dem Trendforscher Jan Agelink die Saison Herbst/Winter 2027/28 beschreibt. Er erwartet interaktive Showformate wie die Watch-Party, eine bewusst unaufgeräumte Ästhetik, verzerrte digitale Muster in Kombination mit organischen Materialien und eine stärkere Rolle sinnlicher Reize wie Klang und Geruch. Der digitale Produktpass, der in der Europäischen Union ab 2027 verpflichtend wird, entwickelt sich nach seiner Einschätzung zu einer neuen Form des Storytellings.
Eine Saison früher zeigen die Herrenkollektionen für Frühjahr/Sommer 2027 eine farbenfrohe Neuinterpretation des Preppy-Stils. Thom Browne setzte in Mailand auf leuchtendes Madras und karierte Wollstoffe, Polo Ralph Lauren auf kräftige Töne und verspielte Drucke. Von Louis Vuitton bis Sacai kombinierten die Marken farbige Oberteile mit neutralen Hosen und setzten damit die Abkehr von luxuriöser Activewear fort.
Vom Sportplatz in den Alltag geschafft haben es Fußballtrikots. Fanforscher Harald Lange ordnet das Phänomen einer Versportlichung von Alltag und Mode zu, Trendforscher Eike Wenzel sieht in der Retrowelle den Wunsch nach Orientierung in unsicheren Zeiten. Unter dem Begriff Blokecore werden die Jerseys inzwischen als Modestatement getragen, was auch die Hersteller mit Neuauflagen, nostalgischen Details und Kollaborationen bedienen.
Sein Sortiment erweitert der Textildiscounter KiK um Artikel mit dem Global Organic Textile Standard. Den Anfang machen zehn Teile für Neugeborene und Babys, die in den Filialen in 14 europäischen Ländern erhältlich sind. Das Unternehmen will das Siegel langfristig im Sortiment verankern und den Anteil zertifizierter Produkte ausbauen.
Personalien
Den meistbeachteten Vorgang der Woche trieb die Frasers Group voran. Nach einem Bericht der britischen Zeitung The Times prüft der Handelskonzern Möglichkeiten, seinen eigenen Chef Michael Murray an die Spitze von Hugo Boss zu setzen. Frasers hatte seinen Anteil an dem Metzinger Bekleidungsanbieter zuvor auf über 30 Prozent erhöht und damit die Schwelle für ein Pflichtübernahmeangebot überschritten. Das freiwillige Angebot vom Juni hatten Vorstand und Aufsichtsrat von Hugo Boss den Aktionär:innen einstimmig zur Ablehnung empfohlen.
Bei Galeria übernimmt Manuel Farrokh mit sofortiger Wirkung die Rolle des Chief Transformation Officer. Er gehört nicht der Geschäftsführung an, sondern soll die laufende Restrukturierung gemeinsam mit einem neu formierten Transformation Office der Beratung Horn & Company vorantreiben, bei der er als Partner tätig ist.
Einen neuen Verantwortlichen für Deutschland und Österreich hat Primark. Daniel Schwarz rückt zum 1. August aus den eigenen Reihen auf die Position des Head of Sales und folgt auf Sandra Luxem-Bremen, die das Unternehmen im gegenseitigen Einvernehmen verlässt. Ebenfalls zum 1. August kehrt Raphael Heinold nach acht Jahren zur S.Oliver Group zurück. Als Senior Brand Director verantwortet er dort das Produktportfolio von S.Oliver Menswear, Baldessarini, QS und S.Oliver Kids.
Einzelhandel
München war in dieser Woche der wichtigste Schauplatz für Neueröffnungen. Zum 75-jährigen Jubiläum eröffnete Max Mara in der Theatinerstraße den weltweit zweitgrößten Store der Marke, der auf 960 Quadratmetern zugleich ein neues Retail-Konzept einführt. Der Seidenspezialist Lilysilk ist seit dem 17. Juli mit seiner ersten europäischen Verkaufsfläche im Oberpollinger vertreten. Die Trachtenmanufaktur Heinzelstück zeigt ihre neue Kollektion vom 27. August bis zum 12. September in einem Pop-up-Store beim Traditionshändler Radspieler und lädt an jedem Wochenende ein weiteres nachhaltig arbeitendes Label ein.
Auf mehrere Städte verteilt sich das Shop-in-Shop-Konzept „Pop In. Vibe Out.“, mit dem Crocs bis zum 16. August im Berliner KaDeWe und anschließend im Hamburger Alsterhaus sowie im Münchner Oberpollinger gastiert. Im Mittelpunkt steht die Personalisierung des Classic Clog mit Jibbitz-Charms.
International setzte Birkenstock zwei Zeichen. In Madrid eröffnete die Marke ihr zweites Geschäft in der Stadt und kommt damit auf 51 eigene Läden in Europa, in Shanghai folgte der erste Community Experience Store in China mit Workshops, Wellness-Behandlungen für Füße und Personalisierungsservices. Seinen ersten eigenen Store in den Vereinigten Arabischen Emiraten eröffnete On in der Mall of the Emirates in Dubai, neun weitere Standorte in der Golfregion sollen in den kommenden zwei Jahren folgen. Das Accessoire-Label Kapten & Son verlegte seinen Amsterdamer Store in die Kalverstraat und setzte dort sein Experience-Store-Konzept um.
Weiter geht auch der Wettbewerb um Fläche in Deutschland. Fielmann sieht in den nächsten fünf Jahren Potenzial für bis zu 100 weitere Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz und beschreibt den heimischen Augenoptikmarkt als den wettbewerbsintensivsten der Welt. Größere Zukäufe plant das Unternehmen hierzulande derzeit nicht.
Wie weit Stores über den Verkauf hinausgehen können, zeigt ein Beispiel aus Seoul. Im Viertel Seongsu hat die Künstlerin MLMA den Store von H&M mit einem überdimensionalen Kopf, tätowierten Händen und einem Stoffhasen bespielt. Jede Etage sei als eigene emotionale Welt gestaltet, erklärte die Künstlerin, die Besucher:innen zum Mitmachen statt zum Betrachten einlädt.
Messen
Zwischen Gegenwind und Aufbruch bewegten sich die Düsseldorf Fashion Days. Sinkende Frequenzen, vorsichtigere Orders und knappe Budgets stellte niemand in Frage, die Gespräche drehten sich aber weniger um die Diagnose als um die Umsetzung. Closed-Chef Dieter Holzer bewertete die Ordertage als wertvollen Austausch, bei Marken wie Mac und Brax war vor allem das Besondere gefragt, das auf der Fläche einen Unterschied macht.
Ein ähnliches Bild zeichnet Jackson Szabo, Retail Portfolio Director der britischen Fachmesse Spring and Autumn Fair, für den Handel im Vereinigten Königreich. Der Markt sei nicht schwächer, sondern klüger geworden, weil Einzelhändler:innen auf Differenzierung, kuratierte Sortimente und Erlebnis setzen. Studien von PwC und Deloitte stützen den Befund, dass Konsument:innen weniger, aber überlegter kaufen.
Vorsicht prägt derweil den Einkauf von Kindermode. Auf der Messe Playtime in New York begrenzten Einkäufer:innen ihre Lagerbestände und pochten auf pünktliche Lieferungen, während Marken auf über das Jahr verteilte Drops umstellen. Messedirektorin Chantal Danguillaume berichtet, dass einige internationale Labels den Eintritt in den US-Markt wegen der Zölle verschieben.
Ihr Textilportfolio erweitert die Messe Frankfurt um ein kuratiertes Sourcing-Format. Mit Prefab startet am 19. und 20. Januar 2027 in New York eine Boutique-Veranstaltung, auf der rund 40 Mitgliedsunternehmen des US-Baumwollverbands Supima Stoffe aus extra langstapeliger Pima-Baumwolle zeigen. Zwei Wochen später folgt mit der Value Milan ein weiteres kuratiertes Format in Europa.
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