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Clean Clothes Campaign: Modemarken versagen beim „Lohndiebstahl“ in Kambodscha

Von Regina Henkel

16. Juli 2021

Business

Cleanclothes.org

Kambodschanischen Bekleidungsarbeitern, die in ihren Fabriken für internationale Mode- und Sportbekleidungsmarken wie Adidas, VF, Target, Nike und Gap produzieren, wurden während des nationalen Lockdowns des Landes im April und Mai 2021 geschätzte 109 Millionen US-Dollar an Löhnen nicht ausgezahlt. Das haben kambodschanische Gewerkschaften und die NGO Clean Clothes Campaign hochgerechnet. Gewerkschaften und Aktivisten fordern daher die internationalen Marken auf, „den Arbeitern während der gesamten Dauer der Pandemie die vollen Löhne zu zahlen und eine Vereinbarung zu unterzeichnen, die zukünftigen Lohndiebstahl verhindern soll“, so die Organisation in einer Presseerklärung.

Etwa 784.000 Arbeiterinnen und Arbeiter aus der Bekleidungs-, Schuh- und Lederindustrie Kambodschas, seien von der Aussperrung aufgrund der Corona-Pandemie betroffen gewesen. Etwa 139 US-Dollar Lohn seien ihnen deshalb im Schnitt nicht ausgezahlt worden. Zusammen mit den ausstehenden Löhnen und Abfindungen aus den ersten 13 Monaten der Pandemie wird der Gesamtbetrag, der den Bekleidungsarbeitern in Kambodscha geschuldet wird, auf insgesamt 393 Millionen US-Dollar geschätzt.

Adidas betreibe den größten „Lohndiebstahl“

Die Clean Clothes Campaign benennt auch die Marken, die sich des „Lohndiebstahls“ schuldig gemacht haben. So wird Adidas mit dem größten Lohndiebstahl in der Fabrikstichprobe in Verbindung gebracht: Die Verluste, die 30.190 Arbeitern in acht Adidas-Zulieferfabriken seit Beginn der Pandemie erlitten haben, summieren sich auf 11,7 Millionen US-Dollar oder 387 US-Dollar pro Arbeiter. „Während dies eine verzweifelte Krise für die Arbeiter und ihre Familien darstellt, könnte es sich Adidas leicht leisten, dafür zu sorgen, dass alle Arbeiter in seiner Lieferkette während der Pandemie ihren regulären Lohn erhalten“, heißt es in der Presseerklärung mit Hinweis auf die Gewinne der Marke weiter. Allein im ersten Quartal 2021 hat Adidas 554 Millionen Euro Gewinn (650 Millionen US-Dollar) gemacht.

Andere Marken, die in der Stichprobe negativ auffallen, sind VF Corporation (7,7 Millionen US-Dollar), Target (7,6 Millionen US-Dollar), Nike (7,5 Millionen US-Dollar) und Gap (6,7 Millionen US-Dollar). Auch diese Unternehmen hatten im ersten Quartal 2021 Gewinne erwirtschaftet, zusammen mehr als 4,7 Milliarden US-Dollar.

Wenige Hersteller stellen Lohnzahlungen in der Lieferkette sicher

Die Fabrikbewertung zeigte, dass nur zwölf Hersteller (11 Prozent der Stichprobe) dafür sorgten, dass der Verdienst der Arbeiter nicht unter den Mindestlohn fiel, wenn die Fabriken geschlossen waren. Dies zeigt die ersten Erfolge der gewerkschaftlichen Kämpfe zur Sicherung der Löhne und demonstriert, dass einzelne Unternehmen Maßnahmen ergreifen können, um die finanziellen Auswirkungen der Krise auf die Arbeiter zu mildern. Um welche Marken es sich dabei handelt, meldet die Organisation nicht.

Die ausstehenden Löhne haben die Organisationen durch eine Hochrechnung ermittelt, die auf einer umfassenden Bewertung von 114 Fabriken durch Gewerkschaftsverbände basiert. Die Datenerhebung sei jedoch durch die anhaltenden Pandemie-Restriktionen in Kambodscha, den eingeschränkten Zugang zu den Lohnzahlungsdaten der Hersteller und die mangelnde Transparenz einiger Unternehmen behindert worden. Sie sei daher unvollständig, ergänzt die Organisation, und die Möglichkeit von Fehlern könne nicht ausgeschlossen werden.

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