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Detox-Bericht: Greenpeace nimmt Massenproduktion in der Modeindustrie ins Visier

Von Simone Preuss

25. Nov. 2021

Business

Bild: Greenpeace

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat wieder ihren Detox-Report veröffentlicht, mit dem sie seit zehn Jahren die Bekleidungsindustrie auf Trab hält. Sie fordert die Branche auf, ihren Beitrag zum Umweltschutz zu leisten, indem sie keine gefährlichen Chemikalien mehr zur Herstellung von Kleidung benutzt und die Umwelt nicht verschmutzt. Der Weg scheint noch weit, denn während die Branche in Bezug auf die giftfreie Produktion einen Schritt nach vorn macht, macht sie mit ungebremster Massenproduktion zwei Schritte zurück, und zwar unterstützt von den Konsumierenden.

„Ein Problembewusstsein bei den Verursachenden gibt es bislang – anders als bei Umweltgiften – aber nicht. Besonders kurz vor dem erfundenem Konsumfest Black Friday locken die Konzerne mit massiven Werbekampagnen zu Impulskäufen. Unverkaufte Ware landet dann trotz Gesetz immer häufiger im Schredder oder wird als Müll in den globalen Süden transportiert, landet dort auf illegalen Abfallkippen und vermüllt beispielsweise bereits ganze Wüsten in Südamerika”, erklärt Viola Wohlgemuth, Expertin für Konsum bei Greenpeace.

Chemikalienreduktion klappt…

Positiv weist der Detox-Bericht 2021 auf Fortschritte der Firmen bei der Eliminierung gefährlicher Chemikalien, der Entschleunigung der Warenströme und der Entwicklung kreislauffähiger Geschäftsmodelle hin. Die 29 untersuchten Modekonzerne verzichten inzwischen in über 90 Prozent ihrer Produktionsstätten auf besonders krebsfördernde, fortpflanzungsschädigende und hormonell wirksame Chemikalien, darunter Weichmacher, PFCs und Azofarbstoffe.

Demgegenüber steht jedoch die Überproduktion und damit der Überkonsum. Große Bekleidungsunternehmen wie H&M, Primark, Nike oder Adidas setzen weiter auf Wegwerfmode, die den Wert von Bekleidung weiter beschneidet: „In Deutschland wird beispielsweise ein Party- Top durchschnittlich 1,7 Mal angezogen und dann ausrangiert. Im Durchschnitt kauft eine Person 60 Prozent mehr Kleidungsstücke pro Jahr und behält sie etwa halb so lange wie noch vor 15 Jahren”, so der Detox-Bericht.

… die Einstellung der Überproduktion jedoch nicht

Mit der freiwilligen Selbstverpflichtung klappt es dabei noch nicht so ganz - die nennt Greenpeace schlicht ein „Mode-Märchen über grüne Fast Fashion“. Denn: Greenpeace führte „verdeckte Tests“ durch bei 29 selbstverpflichtenden Unternehmen durch und war im Schnitt wenig begeistert.

„Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen haben wir uns nicht mit den Detox-verpflichteten Markenfirmen in Verbindung gesetzt, um sie nach dem Stand ihrer Fortschritte zu fragen, sondern einfach alle öffentlich zugänglichen Informationen auf den Websites und in den Berichten der Unternehmen recherchiert und analysiert. Auf diese Weise konnten wir herausfinden, was die Hersteller tun, wenn sie nicht den Kontrolldruck einer internationalen Umweltorganisation spüren”, so Greenpeace.

Daher fordert die Umweltschutzorganisation die gesetzliche Regulierung der Branche. „Aus Textilhändlern müssen Textildienstleister werden“, fordert Wohlgemuth. „Ohne das Entschleunigen der Warenströme, also weniger Kollektionen, wird Kreislaufwirtschaft eine schöne Werbelüge bleiben, Wir brauchen dazu eine gesetzliche Regulierung. Der Ball liegt jetzt bei der künftigen Bundesregierung.”

„Befeuert wird dieser Trend durch das enorme Wachstum des Online-Shoppings und obendrein durch die Corona-Pandemie: Im November 2020 wurde prognostiziert, dass der E-Commerce im Modesegment bis Ende 2025 jährlich um 11,4 Prozent weiterwachsen und ein Gesamtmarkt- Volumen von mehr als 1 Billion Dollar erreichen wird”, fasst der Bericht Prognosen zusammen.

Weniger als ein Drittel der Unternehmen nimmt Umweltschutz ernst

Fazit ist, dass mit 9 von 29 weniger als ein Drittel der untersuchten Unternehmen ernsthaft daran interessiert sind, ihren Umwelteinfluss zu dämmen. Greenpeace nennt Benetton und Esprit als die ersten Fast Fashion-Unternehmen, die mutig genug sind, die Anzahl ihrer Kollektionen zu reduzieren, während Einzelhändler Coop seine saisonalen Kollektionen auf zwei heruntergefahren hat. Denimmarke Levi’s bietet inzwischen die Reparatur beschädigter Jeans an, während Burberry auch einen Repartur- und Ersatzservice gestartet hat. Unbestrittene Vorreiter bleiben die drei Outdoor-Marken Vaude, Paramo und Rotauf, die dem Fast Fashion-Trend trotzen und auf die Langlebigkeit ihrer Produkte setzen.