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Deutsche Lederwaren-Industrie warnt vor erheblichen Belastungen durch Ukraine-Krieg

Von Jan Schroder

7. März 2022

Business

Foto: Engin Akyurt/Pexels

Nachdem die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie den deutschen Lederwaren- und Kofferherstellern in den vergangenen beiden Jahren besonders zu schaffen gemacht hatten, steht die Branche nun vor zusätzlichen schweren Herausforderungen: Durch die russische Invasion in die Ukraine hätten „die Risiken und Unsicherheiten dramatisch zugenommen“, erklärte der Bundesverband der Schuh- und Lederwarenindustrie e. V. (HDS/L) am Samstag in einer Mitteilung. Trotz der absehbaren wirtschaftlichen Auswirkungen sei die deutsche Lederwarenindustrie aber „bereit, die getroffenen Maßnahmen mitzutragen, auch weitere Sanktionen“, betonte die Branchenorganisation.

Der Branchenverband HDS/L rechnet mit höheren Rohstoffpreisen, Lieferschwierigkeiten und dem Ausfall von Absatzmärkten in Osteuropa

Der Verband erwartet vielfältige negative Folgen des russischen Angriffs auf die Ukraine für die hiesigen Lederwaren- und Kofferhersteller. Neben den nochmals „sprunghaft angestiegenen“ Rohstoffpreisen belastet der Krieg demnach auch die Zulieferung. „Bis vor der russischen Invasion deutete sich eine Stabilisierung bei den Logistikkosten an, da teilweise die Transportkosten aus Fernost stagnierten. Die Invasion verursacht zahlreiche neue zusätzliche Probleme in den Lieferketten“, erklärte der HDS/L. So sei nun der Landweg aus Asien „keine Alternative mehr“, es gebe vielmehr „Umwege und Einschränkungen im Luft- und Seefrachtverkehr“.

Zudem sind nach Angaben des Verbands viele Branchenunternehmen bereits konkret betroffen: „Manche haben Produktionen in der Ukraine und sorgen sich primär um ihre Mitarbeiter, aber auch um Fertigstellung und Lieferfähigkeit der Ware“, erklärte die Organisation. „Durch die Einschränkungen im Zahlungsverkehr kann es zu Zahlungsausfällen kommen. Die Märkte in Russland und den Anrainerstaaten werden als Absatzmarkt der deutschen Industrie erst einmal auf absehbare Zeit ausfallen.“

Die Lederwarenindustrie und der Schuhhandel in Deutschland leiden noch unter den Folgen der Coronakrise

Diese neuen Probleme treffen eine Branche, die sich noch lange nicht von den Folgen der Coronakrise erholt hat: 2021 seien die Verkaufserlöse der deutschen Lederwaren- und Kofferindustrie gegenüber dem Vorjahr um 12,7 Prozent auf 406,2 Millionen Euro zurückgegangen, erklärte der HDS/L. Der Inlandsumsatz schrumpfte demnach um 14,7 Prozent auf 275,3 Millionen Euro und lag um ein Drittel unter dem Niveau des Vorkrisenjahres 2019. Die Erlöse im Ausland sanken gegenüber dem Vorjahr um 8,2 Prozent auf 130,9 Millionen Euro.

Ein weiteres „schwieriges Jahr“ erlebte auch der deutschen Schuhfachhandel. Dieser habe 2021 im stationären Geschäft einen Umsatzrückgang um etwa drei Prozent hinnehmen müssen, erklärte der Bundesverband des Deutschen Textil-, Schuh- und Lederwareneinzelhandels (BTE) am Montag in einer Pressemitteilung anlässlich der Fachmesse Shoes, die derzeit in Düsseldorf stattfindet. „Damit liegen nun die Schuhgeschäfte im Durchschnitt rund 25 Prozent unter den Umsätzen, die sie in Vor-Corona-Zeiten erzielt hatten“, betonte die Branchenorganisation. Zuwächse wurden im Onlinegeschäft erzielt, das aber für den Fachhandel nach wie vor nur eine untergeordnete Rolle spielt: „Zwei Drittel der Schuhhändler verzeichnen einen Online-Umsatzanteil von unter 10 Prozent vom Gesamtumsatz“, erläuterte der BTE.

Der Gesamtumsatz einschließlich der E-Commerce-Erlöse lag 2021 nach Einschätzung des Verbands „in etwa auf dem Niveau“ des Vorjahres. „Damals betrug das Marktvolumen nach den Berechnungen des BTE 10,2 Milliarden Euro und lag um 1,6 Milliarden Euro bzw. 13 Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau des Jahres 2019“, teilte die Organisation mit.

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