Deutscher Außenhandel bleibt auf Erholungskurs nach Corona-Einbruch

Die Exportnation Deutschland müht sich aus dem Corona-Tief. Doch die Stimmung in vielen Branchen bleibt angespannt. Die Chemie- und Pharmahersteller rechnen frühestens Ende 2021 mit einer Rückkehr zum Vorkrisenniveau, die Maschinenbauer stellen sich nach einem voraussichtlich zweistelligen Produktionsrückgang in diesem Jahr auf allenfalls magere Zuwächse im kommenden Jahr ein. Voraussetzung für eine weitere Aufwärtsentwicklung ist, dass die weltweite Erholung der Konjunktur sich fortsetzt und die Pandemie nicht erneut erzwingt, dass Wirtschaft und Gesellschaft in weiten Teilen lahmgelegt werden.

"Die Unternehmen kämpfen sich derzeit mühsam aus dieser Krise heraus. Ein zweiter Lockdown im Falle weiter steigender Infektionszahlen wäre verheerend für die deutsche Wirtschaft", warnte die Vizepräsidentin des Außenhandelsverbandes BGA, Ines Kitzing, am Dienstag.

Erholung der deutschen Exportwirtschaft setzt sich fort

Zu Beginn des zweiten Halbjahres setzte sich die Erholung der deutschen Exportwirtschaft fort. Der Juli brachte im Vergleich zum Vormonat im dritten Monat in Folge steigende Ausfuhrzahlen für die heimischen Exporteure - auch wenn die Zuwächse nicht mehr so kräftig waren wie im Mai und Juni 2020.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden im Juli 4,7 Prozent mehr Waren "Made in Germany" ins Ausland verkauft als im Juni. Mit einem Ausfuhrwert von 102,3 Milliarden Euro lag dies aber nach Berechnungen der Wiesbadener Behörde immer noch um 11,0 Prozent unter dem Juli 2019. In den sieben Monaten bis einschließlich Juli 2020 betrug der Gesamtwert der Exporte 679 Milliarden Euro - 13,1 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

"Nach einem krassen Einbruch vor allem im zweiten Quartal sind jetzt die ersten Zeichen einer Erholung im Außenhandel sichtbar. Die Talsohle scheint damit überwunden zu sein", konstatierte BGA-Vize Kitzing. "Noch ist es allerdings zu früh, Entwarnung zu geben." Das Vorkrisenniveau sei "noch lange nicht" erreicht.

Vorkrisenniveau noch länger außer Reichweite

Nach Einschätzung der Ökonomen des Kieler IfW dürfte das Vorkrisenniveau im Außenhandel "noch längere Zeit - wohl deutlich mehr als ein Jahr - außer Reichweite liegen". Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) mahnte die zügige Umsetzung nationaler Konjunkturmaßnahmen und der Hilfsprogramme der Europäischen Union an. Die erneute Belebung des Exportgeschäfts im Juli sei zwar "ein gutes Zeichen für die beginnende Erholung der deutschen Industrie", befand BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Aber: "Diese Krise ist noch nicht vorbei. Die Rückkehr zum Vorkrisenniveau wird bestenfalls anderthalb bis zweieinhalb Jahre benötigen."

Zeitweise Grenzschließungen, Störungen in der Logistik und Unterbrechungen der Lieferketten hatten den deutschen Außenhandel in der Corona-Krise ausgebremst. Die allmähliche Erholung der Wirtschaft in vielen Ländern kommt den Exporteuren nun zugute. Allerdings liegen die Ausfuhren immer noch um 12,1 Prozent unter dem Niveau von Februar 2020 - dem Monat vor Beginn der coronabedingten Einschränkungen.

"Die Exporte kriechen nur mühsam aus dem Pandemie-Tal", stellte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, fest. "Die leichte Belebung im Juli ist vor allem krisenbedingten Nachholeffekten zu verdanken." Wegen der Einschränkung von Geschäftsreisen könnten viele Geschäfte oder Investitionen vor Ort nicht abgeschlossen werden. "Die Aussichten für das kommende Jahr bleiben aufgrund der weltweit abgesackten Nachfrage nach Konsum- und Investitionsgütern trübe", prognostizierte Treier.(dpa)

Bild: Kua Chee Siong / Singapore Press Holdings via AFP

 

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