Digitaler Produktpass: US-Verband veröffentlicht Glossar zur Rückverfolgbarkeit von Bekleidung

Die US-amerikanische Handelsverband American Apparel & Footwear Association (AAFA) veröffentlichte vergangene Woche sein erstes ‚Global Apparel, Footwear & Accessories Glossary of Traceability Terms‘. Dieses freiwillige Open-Source-Nachschlagewerk definiert das Vokabular der Rückverfolgbarkeit in der Lieferkette, von der „Lieferkette“ bis zur „forensischen Rückverfolgung“.

Für Markeninhaber:innen, die sich mit dem Digitalen Produktpass (DPP) der EU auseinandersetzen, ist der Zeitpunkt kein Zufall. Der DPP ist im Rahmen der Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR) vorgeschrieben. Er wird von Marken verlangen, strukturierte und überprüfbare Daten zum Lebenszyklus an ihre Produkte anzuhängen. Doch bevor Daten fließen können, müssen alle Beteiligten in der Kette – Marken, Herstellende, Softwareanbieter:innen und Regulierungsbehörden – mit denselben Worten dasselbe meinen. Das Glossar zielt genau auf diese Lücke ab.

Es ist jedoch kein Handbuch für den DPP. Das AAFA-Dokument definiert die physische Lieferkette und die dazugehörigen Unterlagen wie Stufen, Rollen, Materialien und Handelsdokumente. Dabei wird ein deutlich US-amerikanischer Schwerpunkt gelegt. Der Fokus liegt auf der Herkunftsüberprüfung und forensischen Methoden, die mit der US-amerikanischen Gesetzgebung gegen Zwangsarbeit verbunden sind. Im Gegensatz dazu ist der EU-Rahmen ein verbindliches Gesetz, das sich auf Nachhaltigkeits- und Kreislaufwirtschaftsdaten konzentriert. Beide überschneiden sich bei gemeinsamen Konzepten, haben aber unterschiedliche Ausrichtungen.

Die Auswirkungen zeigen sich in beide Richtungen. Für US-Marken, die nach Europa verkaufen, bietet das Glossar einen Einstieg in die DPP-Bereitschaft in vertrauter Sprache. Für europäische Marken signalisiert es, dass die US-Industrie bei der Gestaltung globaler Rückverfolgbarkeitsstandards mit am Tisch sitzen möchte. Es ist auch eine Chance, die Terminologie anzugleichen, bevor die ISO ab 2028 ihren globalen Rahmen entwickelt.

Das Risiko ist real: Wenn die Begriffe der AAFA und der EU auseinanderdriften, erhält die Branche einen dritten Dialekt anstelle eines gemeinsamen.

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