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DIW: Zweite Corona-Welle erfasst deutsche Wirtschaft

Von DPA

10. Dez. 2020

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Die deutsche Konjunktur wird nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) durch die zweite Infektionswelle in der Corona-Pandemie erneut ausgebremst. "Die Hoffnung auf eine moderate zweite Corona-Welle hat sich längst zerschlagen", sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher am Donnerstag bei der Veröffentlichung des Konjunkturausblicks für 2021 auf einer Online-Veranstaltung in Berlin. Sollten sich die Corona-Einschränkungen noch bis in den Frühling hinziehen, sei eine noch tiefere Wirtschaftskrise möglich, warnte das Forschungsinstitut.

Die DIW-Experten gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaftsleistung zum Jahresende erneut schrumpfen wird. Für die Monate Oktober bis Dezember rechnet das DIW mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Quartalsvergleich um 0,5 Prozent. Für das Gesamtjahr 2020 gehen die Forscher von einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um 5,1 Prozent aus. Im kommenden Jahr sei dann mit einer kräftigen Erholung und einem Wachstum von 5,3 Prozent zu rechnen.

Risiken für weitere konjunkturelle Entwicklung "enorm"

Allerdings seien die Risiken für die weitere konjunkturelle Entwicklung "enorm", warnte DIW-Konjunkturchef Claus Michelsen. In ihrer Prognose gehen die Forscher davon aus, dass das Infektionsgeschehen im Verlauf des Winters unter Kontrolle gebracht werden kann. Außerdem sollten die Einschränkungen des öffentlichen Lebens nach dem Jahreswechsel allmählich zurückgenommen werden. Sollte sich die Corona-Krise aber weiter verschärfen, würden möglicherweise viele Unternehmen "in eine erhebliche Schieflage geraten".

"Ein vorübergehender harter Lockdown ist wohl unausweichlich und wäre die bessere Option sowohl für die Gesundheit der Menschen als auch für die Wirtschaft", empfahl Präsident Fratzscher. Beides gehe Hand in Hand. Eine Dauerschleife milderer Einschränkungen schade der Wirtschaft noch stärker. Wichtig seien nun Investitionen der öffentlichen Hand. Daneben spiele es eine Rolle, ob die wichtigen Handelspartner im Ausland Corona erfolgreich bekämpfen können.

Wenn die Wirtschaftshilfen zurückgefahren werden ist es sehr wahrscheinlich, dass die Insolvenzen zunehmen, sagte DIW-Chef Fratzscher. Allerdings sei es schwierig, das Ausmaß der Firmenpleiten zu prognostizieren. Darüber hinaus wies Michelsen darauf hin, dass das Eigenkapital der Unternehmen in der Krise schmelze, was die Investitionstätigkeit belaste.

Für Unterstützung in der Krise sorge aber weiterhin die Europäische Zentralbank (EZB). Nach Einschätzung von Fratzscher dürfte die EZB die Phase der extrem lockeren Geldpolitik weiter verlängern.

Aufgrund der zweiten Corona-Welle wird die konjunkturelle Erholung wohl erst im Frühjahr in Schwung kommen. Dann sei auch mit einem Aufbau der Beschäftigung zu rechnen, sagte Michelsen. Seiner Einschätzung nach dürfte die Beschäftigung aber erst nach 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreichen.(dpa)

Foto: Vincenzo Pinto/AFP