Erneuter Umsatz- und Gewinnrückgang: Lage bei Ahlers spitzt sich zu

Eigentlich war das Modeunternehmen Ahlers recht optimistisch ins neue Geschäftsjahr gestartet. Man wollte in 2018 ordentlich durchstarten, zumal die Vorzeichen aus dem abgelaufenen Geschäftsjahr vielversprechend waren: Der Konzern hatte 2016/17 mit seinen Marken Baldessarini, Otto Kern, Pioneer, Pierre Cardin und Jupiter ein Umsatzplus von 1,4 Prozent, umgerechnet 3,3 Millionen Euro, eingefahren und konnte vor allem in Osteuropa mit guten Zahlen überzeugen.

In Westeuropa hatte Ahlers jedoch bereits erste Absatzprobleme, die in einem um 1,3 Prozent rückläufigen Umsatz endeten. Die Euphorie angesichts des boomenden Ost-Geschäfts übertünchte jedoch zunächst die bereits offensichtlichen Schwächen im Markenportfolio des Herforder Unternehmens.

Die Zahlen aus dem ersten Quartals des neuen Geschäftsjahres zeigten dann jedoch bereits eine eindeutige Tendenz, und die ging geradewegs nach unten. Vor allem auf eigener Fläche musste Ahlers herbe Verluste einräumen, und auch im Ausland zeichnete sich aufgrund erster Negativzahlen eine Trendwende ab. Was vom Management zunächst als kurzfristige Entwicklung, die Umsatzverschiebungen vom ersten in das zweite Quartal geschuldet sei, abgetan wurde, scheint sich mittlerweile jedoch als handfester Negativtrend zu verfestigen.

Knapp eine halbe Million Euro Verlust im ersten Halbjahr

Denn auch im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres kam Ahlers nicht wieder in die Erfolgsspur früherer Jahre zurück. Der Umsatz sei im Berichtszeitraum „überraschend“ weiter gesunken, so das Management der Herforder. Auftragsstornos osteuropäischer Kunden und ein schwaches Sofortgeschäft bei Anzügen und Sportswear hätten für einen weiteren Abschwung gesorgt.

Dabei spitzt sich die Lage des Konzerns langsam zu: Ganze 5,5 Prozent Umsatzrückgang verbuchte Ahlers im ersten Halbjahr, Tendenz weiter fallend. Vor allem wirkten sich die Umsatzverluste so stark auf die Ergebnisentwicklung aus, dass sich mancher Analyst bereits ernsthafte Sorgen um das Unternehmen macht. So sackte das EBITDA um ganze 36 Prozent auf gerade mal 2,7 Millionen Euro ab, und das, obwohl der Saldo der betrieblichen Aufwendungen durch diverse Sparmaßnahmen Maßnahmen reduziert werden konnte.

Unterm Strich steht für das erste Halbjahr 2017/18 ein negatives Konzernergebnis von minus 400.000 Euro. Im Vergleichszeitraum 2016/17 hatte der Konzern immerhin noch einen Gewinn in Höhe von 0,9 Millionen Euro erwirtschaften können.

Kein Wunder also, dass sich die positive Stimmung bei Ahlers mittlerweile in Krisenangst zu wandeln scheint. Angesichts der aktuellen Zahlen kassierte die Konzernführung nun ihre Prognosen vom Beginn des Geschäftsjahres und geht stattdessen eher ernüchtert in die zweite Halbzeit. Man rechne für das zweite Halbjahr zumindest mit einem schleppenden Anzug-Geschäft und aufgrund dessen mit einem rückläufigen aber leicht besseren Trend als im ersten Halbjahr, heißt es aus dem Herforder Firmensitz. Obwohl Sparen weiterhin die höchste Priorität habe werde man im besten Fall wohl nur ein Jahres-Konzernergebnis „nahe am Break Even Punkt“ erwirtschaften.

Auch die Mitarbeiter des Konzerns werden langsam hellhörig und bangen zum Teil bereits um ihre Jobs. Schließlich sind für die kommenden Monate „verschiedene Umstrukturierungen und Kostensenkungsmaßnahmen“ angekündigt, die erfahrungsgemäß meist Stellenstreichungen einschließen. Einziger Lichtblick: Das Jeansgeschäft von Pierre Cardin und Pioneer Authentic Jeans wächst durchaus respektabel und behauptet sich gegen den Gesamttrend. Vielleicht ist das die letzte Chance für Ahlers, sich noch einmal mit einem klareren Marken- und Produktportfolio am Mark zu behaupten.

Foto: Pierre Cardin

 

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