EU-Kommission gibt Frasers-Angebot für Hugo Boss frei

Die Europäische Kommission hat das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot der britischen Frasers Group für den Metzinger Modekonzern Hugo Boss fusionskontrollrechtlich freigegeben. Damit ist die letzte im Angebotsdokument festgelegte Bedingung erfüllt.

Die Freigabe wurde am Montag erteilt, wie Frasers mitteilte. Das Angebot ist damit nicht länger an Bedingungen geknüpft. Es liegt weiterhin bei 38 Euro je Aktie. Die erste Annahmefrist endete am selben Tag, die weitere Annahmefrist läuft bis zum 13. August.

Frasers hatte das Angebot am 10. Juni angekündigt. Es richtet sich auf jene Aktien, die der Konzern nicht selbst hält. Zum Zeitpunkt der Ankündigung waren das 73,94 Prozent des Kapitals mit einem Wert von rund 1,98 Milliarden Euro. Inzwischen hält Frasers direkt rund 30,3 Prozent an Hugo Boss, nachdem infolge der Ausübung von Put-Optionen weitere 2.549.900 Aktien beziehungsweise 3,69 Prozent des Kapitals hinzugekommen sind. Mit dem Überschreiten der Kontrollschwelle von 30 Prozent ist Frasers nach dem deutschen Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz zu einem Pflichtangebot verpflichtet. Das laufende Angebot erfüllt diese Pflicht zum unveränderten Preis.

Hugo Boss bleibt bei der Ablehnung

Vorstand und Aufsichtsrat von Hugo Boss hatten am 9. Juli einstimmig empfohlen, das Angebot nicht anzunehmen. In ihrer begründeten Stellungnahme bezeichneten sie den Preis als „aus finanzieller Sicht unangemessen" und stützten sich dabei auf zwei unabhängige Gutachten von Bank of America und Goldman Sachs. Der Angebotspreis spiegele den inneren Wert und das langfristige Potenzial des Unternehmens nicht angemessen wider, erklärte Vorstandschef Daniel Grieder. Frasers hat die 38 Euro je Aktie zuvor als endgültigen Preis bezeichnet und erhöht das Angebot bislang nicht.

Frasers bringt den eigenen Konzernchef ins Gespräch

Nach dem Überschreiten der Kontrollschwelle wurde bekannt, dass Frasers seinen Konzernchef Michael Murray an die Spitze von Hugo Boss setzen will. Laut einem Bericht der britischen Tageszeitung The Times vom Sonntag bereite der von Mike Ashley kontrollierte Einzelhändler die Positionierung Murrays als Vorstandschef des Metzinger Unternehmens vor. Ziel sei es, größeren operativen Einfluss zu sichern. Die Nachrichtenagentur Reuters konnte den Bericht nicht unabhängig bestätigen, Frasers und Hugo Boss äußerten sich zunächst nicht.

Frasers hatte Murray 2022 zum Konzernchef ernannt. Er trat damit die Nachfolge seines Schwiegervaters Ashley an. Murray war 2015 in den Konzern eingetreten und hatte zunächst in den Bereichen Immobilien und Einzelhandel gearbeitet. Ab 2019 verantwortete er als Head of Elevation, also als Leiter der konzernweiten Aufwertungsstrategie, die Umfirmierung von Sports Direct International zur Frasers Group. Im Mai 2025 wurde er für fünf Jahre in den Aufsichtsrat von Hugo Boss gewählt. Von dem Ausschuss, der das Frasers-Angebot prüfte, war er wegen des Interessenkonflikts ausgeschlossen. An den Gesprächen war er nicht beteiligt.

Frasers verzichtet auf eine Prognose für das Geschäftsjahr 2027

Für die 52 Wochen bis zum 26. April meldete Frasers einen Konzernumsatz von 5,33 Milliarden Britischen Pfund und damit ein Plus von 8,7 Prozent. Das internationale Geschäft legte um 59,2 Prozent zu, was vor allem auf die Zukäufe von Holdsport und XXL zurückgeht. Eine Prognose für das Geschäftsjahr 2027 legte der Konzern mit Verweis auf die beiden laufenden Übernahmeangebote nicht vor. Je nach Ausgang seien sehr unterschiedliche Konzernstrukturen möglich, hieß es. Die Konzernführung will die Prognose zum Halbjahr erneut prüfen.

Parallel zum Verfahren in Deutschland legte Frasers ein Übernahmeangebot über die Börse für den australischen Schuhhändler Accent Group zu 0,65 Australischen Dollar je Aktie vor. Der Konzern hält dort 22,9 Prozent. Auch der Verwaltungsrat von Accent Group hat das Angebot einstimmig als deutlich unzureichend abgelehnt.

Hugo Boss erzielte 2025 einen Umsatz von rund 4,27 Milliarden Euro. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern mit einem Rückgang im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich, während er Marken, Sortimente und Vertriebswege neu ausrichtet.


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