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Euratex: europäische Bekleidungs- und Textilindustrie erholt sich, aber neue Herausforderungen erwarten

Von Simone Preuss

11. Okt. 2021

Business

Mentatdgt, Pexels
Die Textil- und Bekleidungsindustrie der EU besteht aus rund 160.000 Unternehmen, die 1,5 Millionen Arbeitnehmende beschäftigen und Exporte im Wert von über 61 Milliarden Euro erwirtschaften. Damit ist sie in vielen EU-Regionen ein wesentlicher Pfeiler der heimischen Wirtschaft. Der Europäische Verband der Bekleidungs- und Textilindustrie (Euratex), der diese Unternehmen vertritt, hat die jüngsten Wirtschaftsdaten analysiert und bestätigt, dass sich die Textil- und Bekleidungsindustrie weiter von der Corona-Pandemie erholt, allerdings unter Vorbehalt. Während die Textilindustrie das Niveau vor der Pandemie im vierten Quartal 2019 um 3,6 Prozent übertroffen hat, liegt der Bekleidungssektor immer noch 11,5 Prozent unter diesem Niveau, verbessert sich aber weiter. Diese Erholung könnte jedoch durch die aktuellen Lieferketten- und Energieprobleme unterbrochen werden, so die Organisation.
Image: Euratex
„Diese schwache Erholung wird durch höhere Transportkosten und einen Preisanstieg bei Rohstoffen und Energie behindert. Energiekosten, insbesondere für Gas, haben sich seit Anfang des Jahres mehr als verdreifacht. Seit der Ankündigung des „Fit for 55“-Pakets der EU sind die CO2-Preise auf über 60 Euro gestiegen. Dies wirkt sich unweigerlich auf die Wettbewerbsfähigkeit der Branche aus, insbesondere im globalen Kontext. Der künftige Aufschwung wird auch durch einige produktionshemmende Faktoren wie den Mangel an Arbeitskräften und Ausrüstung gefährdet, die die Textil- und Bekleidungsindustrie zusätzlich unter Druck setzen“, warnt Euratex. Im Quartalsvergleich zeigte der EU-Umsatz Anzeichen einer Verbesserung im gesamten Sektor. Der Umsatz im Textilsektor stieg im zweiten Quartal 2021 um 3,3 Prozent, nachdem er im ersten Quartal 2021 leicht zurückgegangen war. In ähnlicher Weise expandierte die Geschäftstätigkeit im Bekleidungssektor im ersten Quartal 2021 um 7 Prozent nach einem Anstieg von 1 Prozent im vorangegangenen Quartal.
Image: Euratex
„Unsere Unternehmen haben sich während der Pandemie als sehr widerstandsfähig erwiesen, und ihre jüngste Exportleistung ist ein ermutigendes Zeichen der Erholung. Diese Erholung könnte jedoch durch die aktuellen Probleme in der Lieferkette und im Energiebereich gestört werden. Die jüngsten Entwicklungen zeigen einmal mehr, dass der Übergang zu einer nachhaltigeren Produktion nur dann funktionieren kann, wenn er in einem globalen Kontext organisiert wird, in dem die Verlagerung von CO2-Emissionen vermieden wird und gleiche Wettbewerbsbedingungen herrschen. Dies muss in der kommenden EU-Textilstrategie berücksichtigt werden“, kommentiert Euratex-Generaldirektor Dirk Vantyghem in einer Pressemitteilung. Die Organisation stellte außerdem fest, dass sich die Handelsbilanz der EU-27 für Textilien und Bekleidung im zweiten Quartal 2021 verbessert hat, was hauptsächlich auf einen Anstieg der Exportverkäufe auf Drittmärkten und einen Rückgang der Textilimporte zurückzuführen ist. „Die Extra-Exporte von Textilien und Bekleidung der EU stiegen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 49 Prozent. Die Extra-Importe von Textilien und Bekleidung gingen im Vergleich zum Vorjahresquartal um 26 Prozent zurück, was auf einen Rückgang der Importe aus einigen Hauptlieferländern zurückzuführen ist. Die EU-Importe aus China und Großbritannien brachen aufgrund des Brexit und der schwächeren Nachfrage in Europa ein“, fasst Euratex zusammen.
Image: Euratex
Die Schaffung von Arbeitsplätzen in der Textilindustrie stabilisierte sich langsam gegenüber dem vorherigen Quartal (-0,2 Prozent), während die Beschäftigung in der Bekleidungsindustrie weiterhin durch die geringere Produktionstätigkeit im ersten Teil des Jahres beeinträchtigt wurde (-1,2 Prozent). Im Vergleich zum Niveau vor der Pandemie im vierten Quartal 2019 war die Beschäftigung in der EU im zweiten Quartal dieses Jahres in der Textilindustrie um 4,4 Prozent und in der Bekleidungsindustrie um 11,8 Prozent niedriger.