Existenzlöhne: Nur eine von 20 großen Modemarken kann sie nachweisen

Viele Modeunternehmen berichten, dass sie an der Zahlung eines existenzsichernden Lohns arbeiten. Aber die meisten von der Kampagne für Saubere Kleidung befragten 20 Modeunternehmen konnten nicht zur Zufriedenheit der NGO nachweisen, dass sie den Arbeitnehmern in ihrer Fertigungskette einen Lohn bieten, der ihre Grundbedürfnisse abdeckt.

Wie vor fünf Jahren wandte sich die Nichtregierungsorganisation an Marken wie Adidas, H&M, Nike, C&A, Uniqlo, Under Armour, Inditex, Primark, Zalando und Gucci. Viele Marken versicherten der Kampagne für Saubere Kleidung damals, dass sie sich für einen existenzsichernden Lohn einsetzen würden. Einige scheinen zwar engagierter als andere, aber 19 von den 20 befragten Unternehmen konnten auch 2019 nicht ausreichend dokumentieren, dass sie Arbeitnehmern weltweit einen existenzsichernden Lohn zahlen, zeigt eine am Mittwoch veröffentlichte Auswertung der NGO. Nur Gucci konnte für einen kleinen Teil seiner Fertigung in Italien zeigen, dass eine Familie von den gezahlten Löhnen leben kann.

"Freiwillige Initiativen haben es versäumt, Menschenrechte für die Arbeitnehmer zu gewährleisten", sagte Neva Nahtigal, Kampaignerin bei Clean Clothes Campaign International in der Mitteilung. "Das globale Wirtschaftsmodell, das die Preise nach unten treibt und Niedriglohnland gegen Niedriglohnland ausspielt, ist zu stark. Es ist eine Tatsache, dass die Arbeiter, die fast alle von uns gekauften Kleider herstellen, in Armut leben, während große Marken durch ihre Arbeit reich werden.”

Existenzlöhne: Nur eine von 20 großen Modemarken kann sie nachweisen

Freiwillige Initiativen reichen nicht aus

Die NGO nimmt eine strenge Definition von Existenzlohn als Maßstab bei ihrer Befragung der Modeunternehmen: Ein existenzsichernder Lohn muss ausreichend sein, um die Grundbedürfnisse eines Mitarbeiters und seiner Familie zu befriedigen und mit nicht mehr als 48 Stunden Arbeit verdient werden. Damit geht ein Existenzlohn oft über gesetzlich geforderte Mindestlöhne hinaus. Zum Nachweis eines Existenzlohns reicht es der Kampagne für Saubere Kleidung auch nicht aus, dass Modeunternehmen Teil einer freiwilligen Initiative, wie dem deutschen Textilbündnis oder des FLA Fair Compensation Programm in den USA, sind.

Fazit: Die NGO konnte bei keiner der befragten Marken feststellen, dass diese bereits Methoden testen, einen existenzsicherndenden Lohn in ihrem gesamten Liefernetz einzuführen. In einem kleineren Rahmen haben Unternehmen aber durchaus Erfolge zu verbuchen. Die Fast Fashion-Konzerne H&M und Inditex konnten nachweisen, dass die Vergütungen durch verschiedene Projekte für existenzsichernde Löhne gestiegen sind. H&M konnte zeigen, dass die Löhne in der Türkei um 25 Prozent, in Kambodscha um 18 Prozent und in China um 15 Prozent gestiegen sind. Inditex konnte die Löhne in der Türkei um 90 Prozent erhöhen. "Für beide Marken ist die Kluft zwischen den gezahlten Löhnen und dem Lebensunterhaltsniveau nach wie vor beträchtlich", sagt die Clean Clothes Campaign.

“Die H&M-Gruppe ist seit einigen Jahren im Gespräch mit der Kampagne für Saubere Kleidung. Wir respektieren ihre Meinung und arbeiten an der gleichen Vision, sind uns aber nicht einig, wie wir am besten vorankommen", sagte eine Sprecherin des schwedischen Konzerns per E-mail. FashionUnited hat verschiedene Parteien, darunter die Kampagne für saubere Kleidung und H&M, um zusätzliche Informationen und/oder Aussagen gebeten. Dieser Artikel wird weiter ergänzt.

Die Kampagne für Saubere Kleidung hat die folgenden Marken für ihre Studie befragt: Adidas, Amazon, C&A, Decathlon, Fruit of the Loom, Gap, G-Star Raw, H&M, Hugo Boss, Inditex, Levi’s, Nike, Primark, Puma, PVH, Tchibo, Under Armour, Uniqlo und Zalando.

Dieser Beitrag entstand mit Hilfe von Weixin Zha.

Bild & Tabelle: Clean Clothes Campaign

 

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