• Startseite
  • Nachrichten
  • Business
  • Falke-Gesellschafter: „Wir haben Herausforderungen mit Zöllen, die uns wirtschaftlich schaden.“

Falke-Gesellschafter: „Wir haben Herausforderungen mit Zöllen, die uns wirtschaftlich schaden.“

Der Strumpf- und Bekleidungsanbieter Falke KGaA mit Sitz in Schmallenberg im Sauerland feierte im letzten Jahr sein 130-jähriges Bestehen. Der Familienbetrieb beschäftigt inzwischen die fünfte Generation und verbindet traditionelle Handwerkswerte mit kontinuierlicher Produktentwicklung. Das Sortiment umfasst neben Feinstrumpfhosen auch Sneakersocken und Funktionstextilien sowie Kompressions- und Shaping-Artikel.

FashionUnited sprach mit Franz-Peter Falke, Urenkel des Gründers Franz Falke-Rohen, über aktuelle Herausforderungen, was eine Marke ausmacht, Logistik, Umsatzentwicklung und mehr. Als geschäftsführende Gesellschafter leitet er zusammen mit Cousin Paul Falke Jr. und CEO Martin Winkler das Unternehmen.

Franz-Peter Falke. Bild: Falke KGaA

Sie führen ein Unternehmen mit 131-jähriger Geschichte durch eine Zeit multipler Krisen (Lieferketten, Energiepreise, Kaufkraft). Welche spezifischen Tugenden eines Familienunternehmens erweisen sich dabei als Ihr wichtigster Anker?

Unser Unternehmen wurde 1895 gegründet. Über die Jahrzehnte haben wir immer wieder Höhen und Tiefen erlebt. Wir haben diese gemeistert, einerseits durch ein traditionelles, aber zukunftsgewandtes Arbeiten, andererseits aufgrund unserer Neugierde und Offenheit für weltweite Entwicklungen, deren Kenntnisse uns erlaubten, die Zukunft mitzugestalten. Unser Familienbetrieb bedeutet nicht nur Tradition, sondern auch vor allem eine Verpflichtung, auf moderne Gestaltung gegenüber unseren Mitarbeiter:innen und der Gesellschaft, in der wir leben.

Als Familienunternehmen denken und handeln wir nicht in kurzfristigen Erfolgen, sondern in Generationen. Vor diesem Hintergrund betrachten wir Krisen nicht nur negativ, sondern auch als Chance, uns immer wieder proaktiv auf neue Situationen einzustellen.

Die Lieferkettenproblematik ist derzeit ein großes Thema. Nur dadurch, dass wir langjährige, gute Verbindungen mit unseren Stakeholdern aufgebaut haben, gemeinsames Know-how und Vertrauen entwickelt haben, ermöglicht es uns, eine gewisse Beständigkeit und damit auch eine gewisse Unabhängigkeit sicherzustellen.

Sie produzieren sehr nah an oder in Europa beziehungsweise in Deutschland.

Unsere Überzeugung ist, möglichst nah an unseren Absatzmärkten zu produzieren. Durch die Komplexität unseres Angebotes bei unserem hohen Qualitätsanspruch ist ein Outsourcing einzelner Prozesse in der Erhaltung unseres Leistungsversprechens nur schwer möglich.

Man sagt, Perfektion liege im Detail. Welches scheinbar unbedeutende Detail an einem Falke-Produkt ist für Sie persönlich der Beweis für höchste Qualität?

Man muss den ganzen Prozess betrachten und die Vernetzung innerhalb der Kette: von der Garnentwicklung mit den Spinnern über die Entwicklung mit den Maschinenherstellern und vor allem unserem internen Know-how. Gemeinsam entwickeln wir für die Zukunft. Die vielfältigen Impulse sind wichtig für unsere Innovationsleistung.

Ein einzelnes Element herauszugreifen funktioniert nicht, da nur die Kombination, die Summe aller Dinge, letztendlich sowohl die Einzigartigkeit ausmacht. Jede einzelne Person, jedes einzelne Glied der Kette muss perfekt aufeinander abgestimmt sein, um das Vertrauen und die Wertschätzung in die Marke langfristig sichern zu können. Das ist eine große Herausforderung.

Konkurrenz aus Fernost überschwemmt den Markt mit Produkten, die kaum noch ein Markenversprechen erfüllen oder sehr wenig. Wie sehen Sie das Problem?

Die Marke ist unabhängig vom reinen Produkt und spielt sich auf einer anderen Ebene ab. Viele Unternehmen können gute Produkte machen, haben aber nicht das, was eigentlich ‘Marke' ausmacht. Die spielt sich auf der Ebene der Sympathie ab. Die ausschließliche Konzentration auf das Produktversprechen und das Produkt ist nicht mehr der einzige entscheidende Wettbewerbsfaktor. Es ist nach wie vor ein sehr wichtiger Faktor, die Basis des Versprechens, aber die Markenbegehrlichkeit, das Vertrauen der Konsumenten in die Marke, das spielt sich zunehmend auf der Emotions- und Sympathieebene ab.

Bei Falke gibt es den Werte-Dreiklang: Neben dem Qualitätsversprechen ist das Thema Innovation entscheidend. Und diese Innovation bedingt Kreativität in allen Bereichen; Kreativität nicht nur von den Designern, sondern in jeder einzelnen Stufe und jedem einzelnen Bereich des Unternehmens. Wir können keine Marke machen, sondern wir werden von unseren Konsument:innen zur Marke gemacht. Dies geschieht über die Glaubwürdigkeit, das langjährig aufgebaute Vertrauen und die Sympathie unserer Kundschaft. Je konsequenter wir das machen, umso stabiler sind wir. Unsere Mission ist, moderne Bekleidung für moderne Menschen zu machen.

Lesen Sie auch:
Eine Strumpfhose von Falke. Bild: Falke KGaA

Sie sagten, dass ein Unternehmen von den Konsument:innen zur Marke gemacht wird. Könnten Sie ein bisschen näher darauf eingehen?

Als Familienunternehmen haben wir unsere eigene Mission, unsere eigenen Wertvorstellungen, die wir leben, und die von allen Mitarbeitern über Generationen getragen wird. Unsere Mission – „moderne Bekleidung für moderne Menschen zu machen“ – klingt sehr abstrakt und anspruchsvoll, aber wenn wir uns damit in der tiefen Bedeutung auseinandersetzen, bedeutet Modernität für jeden Zeitablauf quasi eine sich permanent selbstverändernde Zielsetzung, also das Ziel selbst verändert sich. Das Verständnis der Modernität war 1950 eine andere als 1980, und ist heute wieder eine andere. Aber die Kernwerte der Marke sind ein Fixum in einer sich permanent ändernden Welt.

Wenn wir neugierig sind und die Offenheit und Passion haben, nicht nur Follower sein zu wollen, sondern als Marktführer unabhängig gestalten zu wollen, dann ergibt sich aus unserer Mission, quasi als „perpetuum mobile“, eine Herausforderung und Verantwortung zur Gestaltung des Unternehmens. Das Leben unserer Werte und Haltungen ergibt ein Angebot, das sich dann bei den Menschen zu einem Synonym verdeutlicht, wofür die Falke-Marke steht.

In einem inflationären Umfeld geraten Konsumausgaben unter Druck. Wie vermitteln Sie der Kundschaft ‚Value for Money‘, wenn ein Paar Socken preislich deutlich über dem Marktdurchschnitt liegt?

Unser Anspruch als Unternehmen ist, einen „Fair Value“ für unsere Kund:innen anzubieten. Dieser besteht in der Produktleistung und der Wertschätzung unserer Marke gegenüber. Diese Wertschätzung führt letztendlich zur Wertschöpfung, die uns ermöglicht, die Lebensfähigkeit unseres Unternehmens zu sichern.

Falke-Socken. Credits: Falke KGaA

Innovation und Kreativität braucht gute Leute, die länger bei einem Unternehmen arbeiten. Haben Sie da in Schmallenberg Probleme, weil Schmallenberg eben nicht Mailand oder Hamburg oder München ist?

Ich sehe Kreativität multidimensional. Kreativität kommt aus den einzelnen Bereichen, wie aus dem Zusammenspiel aller Abteilungen und Mitarbeiter:innen. Wir haben Mitarbeitende, die seit Generationen bei uns sind und nicht nur das technische Know-how haben, sondern auch die Passion, immer besser zu werden. Diese von den Mitarbeitenden gelernte Identität macht uns als Firma, als Marke, einzigartig. Dabei kann man „Marke“ nicht ausschließlich rational verstehen, sondern „Marke“ muß gefühlt werden, unabhängig vom Standort.

Wir müssen tief in die Marke eintauchen und ihre Kultur verstehen. Darüber hinaus ist es wichtig, in weltweit unterschiedliche Kulturen einzutauchen, um unseren Anspruch auf Modernität erfüllen zu können. In Deutschland reden wir immer über die Stärke des Mittelstandes, über Handwerkskunst. Betrachtet man das soziologisch, sind wir seit jeher das Land der Tüftler:innen. Deren Hauptmotivation war zunächst nicht, Geld zu verdienen, sondern sich selbst zu beweisen, wie man etwas immer besser machen kann.

Stichwort Globalisierung. Falke agiert als Global Player in über 60 Ländern. Wie balancieren Sie die Notwendigkeit globaler Skalierung mit dem Versprechen ‚Made in Germany‘ beziehungsweise ‚Made in Europe‘, das den Kern Ihrer Markenidentität bildet?

Meines Erachtens ist unsere europäische Kultur einzigartig, ein großartiges Asset im globalen Wettbewerb.

Ich bin gegen dieses ‘Made in Germany’ und ‘Made in Europe’. Andere Länder und Nationen sind ebenso wettbewerbsfähig. Deshalb konzentrieren wir uns auf unseren Markenkern, auf unsere Markenwerte und unsere Vision. Über die Markenattraktivität gibt es eine ‘like-minded’ Kundschaft weltweit, auf die wir uns konzentrieren.

Könnten Sie ein wenig auf den Ausbau der Logistik in Schmallenberg eingehen? Bedeutet dies die Einstellung neuer Arbeitnehmer:innen oder Investitionen in Technik und Automatisierung?

Schmallenberg ist weiterhin Entwicklungszentrum und Kreativstätte.

Das Verbraucher:innenverhalten und deren Einkaufsverhalten hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert. Wir erleben gravierende Strukturschwächen im Einzelhandel, der für uns nach wie vor von hoher Bedeutung ist. Der E-Commerce-Bereich gewinnt eine immer größere Bedeutung und stellt zwischenzeitlich einen signifikanten Anteil unseres Geschäftes.

Das bedeutet zunehmend höhere Komplexität durch kleinere Sendungen, Präzision und Schnelligkeit. Dies erfordert neue Lösungen in der Struktur der Logistik. Um das gewährleisten zu können, benötigt es große finanziellen Anstrengungen, nicht nur in Technik sondern auch in Menschen.

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann wird tatsächlich ein Großteil aus Schmallenberg verschickt.

Das ist richtig. Die Gesamtkontrolle vom Garn bis zum Fertigprodukt geschieht in Schmallenberg. Hier wird die Qualität der zu verarbeitenden Garne überprüft, bevor sie an die einzelnen Standorte verschickt wird. Die Fertigprodukte kommen zurück nach Schmallenberg und werden von dort aus weltweit an die Kund:innen versendet.

Das ist beeindruckend. Und werden Sie weiterhin in die Logistik in Schmallenberg investieren?

Die oben genannte zunehmende Komplexität kann nur noch bedingt von Menschen effizient gemanagt werden. Insbesondere große Investitionen in Datenerfassung und -steuerung ermöglichen es uns, diese Komplexität zu managen.

Aber der menschliche Faktor ist immer noch ganz entscheidend. Viele Dinge können wir nicht automatisieren. Die Qualifikation der Mitarbeiter:innern und deren Zusammenspiel ist nach wie vor ein entscheidender Faktor für unsere quantitative und qualitative Produktivität. Der „Mindset Craftsmanship“ aller Mitarbeiter:innen erlaubt uns die Differenzierbarkeit der Leistung unseres Angebotes und führt dazu, daß wir unser Markenversprechen immer wieder erneuern können.

Wie sehen Sie Umsatzentwicklung der nächsten Jahre, gerade nach dem Einbruch der vergangenen Jahre?

Wie die Unternehmensgeschichte gezeigt hat, gibt es immer Höhen und Tiefen. Aber je intensiver wir unsere Kernmission leben, vorsichtig sind, glaube ich, daß wir mit unserem obersten Ziel, die Lebensfähigkeit unseres Unternehmens immer wieder zu sichern, auf einem guten Weg sind.

Umsatz ist nicht alles. Entscheidend ist unsere nachhaltige Wertschöpfung, um immer wieder in unsere Zukunft investieren zu können, um unsere Lebensfähigkeit als Unternehmen zu sichern.

Wie wirken sich die US-Zölle beziehunsgweise das neue Freihandelsabkommen der EU mit Indien auf ein Unternehmen wie Falke aus?

Per se sind jegliche Zölle negativ. Sie helfen nicht in der globalen Vernetzung der Gesellschaften, und in der Globalisierung überhaupt nicht. Der zunehmende Protektionismus weltweit ist geschäfts- und wohlstandsverhindernd. Und ja, wir haben Herausforderungen mit Zöllen, die uns wirtschaftlich schaden.

Neue Freihandelsabkommen sehen wir als Chance an. Je freier wir als Unternehmen im Sinne der Gesellschaft arbeiten können, umso besser können wir unternehmerisch aktiv werden.

Über Falke

Zur Falke Gruppe gehören vier Unternehmen: Die Falke KGaA, die Strickstrumpfwaren für Damen, Herren und Kinder herstellt, ebenso Feinstrumpfwaren und Sportbekleidung (Falke Ergonomic Sport System); desweitern Falke Fashion für Herrenoberbekleidung mit Fokus auf Strickwaren, Franz Falke Textiles RSA in Südafrika für Strick- und Feinstrumpfwaren sowie Burlington für Herrenbekleidung und Strickstrumpfwaren.

Weltweit zählt Falke zu den Innovationsführenden im digitalen Service und E-Commerce, wichtige Wachstumstreiber neben klassischen Märkten wie Sportausrüstung und Funktionswäsche. Das Unternehmen richtet sich sowohl an private Endkund:innen als auch an eine Geschäftskundschaft im Einzelhandel und B2B-Bereich. Es beschäftigt fast 2.900 Mitarbeitende und erwirtschaftete 2024 einen Umsatz von 285 Millionen Euro, davon knapp die Hälfte (48 Prozent) im Ausland.


ODER ANMELDEN MIT
CEO Interview
FALKE
Familienunternehmen
Interview