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Finanzbericht Modebranche März 2026: Margendisziplin trotzt geopolitischen Schocks und Lieferkettenkrise

Die deutsche Modebranche stand im März 2026 unter doppeltem Druck. Im Inland stiegen die Unternehmensinsolvenzen auf den höchsten Stand seit 2014, der Einzelhandelsumsatz ging erneut zurück und das Ifo-Institut warnte vor weiteren Preiserhöhungen infolge des Iran-Kriegs. Zugleich lieferten internationale Modekonzerne überraschend starke Quartalszahlen, getragen von Kostendisziplin und Margenverbesserung. Das Gesamtbild blieb gespalten: Gewinnsteigerungen bei sinkenden Umsätzen.

Deutsche Konjunktur unter Zugzwang

Der deutsche Einzelhandel verzeichnete laut dem Statistischen Bundesamt im Februar einen realen Umsatzrückgang von 0,6 Prozent im Monatsvergleich – eine Überraschung für Analyst:innen. Laut einer YouGov-Umfrage planten 40 Prozent der Verbrauchenden, zu Ostern weniger Geld auszugeben als im Vorjahr. Das Ifo-Institut meldete einen Anstieg der Preiserhöhungsabsichten um fünf Punkte, und die DIHK warnte, die wirtschaftlichen Verwerfungen des Iran-Kriegs seien nicht schnell überwunden. Konjunkturforschende hielten eine Inflation von bis zu sechs Prozent für möglich, sollte der Konflikt länger als vier Wochen andauern. Die Inflationsrate lag im Februar bei 1,9 Prozent.

Die Zahl der beantragten Firmeninsolvenzen erreichte 2025 mit 24.064 den höchsten Wert seit über zehn Jahren. Die Texaid-Gruppe erhielt die Genehmigung für Sanierungspläne ihrer deutschen Töchter. Der Schnäppchenhändler Groschen-Markt konnte 30 von 41 Standorten retten. Eterna Mode GmbH stellte den Geschäftsbetrieb ein, nachdem die Investorensuche gescheitert war. Die Markenrechte des Hemden-Spezialisten gingen derweil an Olymp. Zalando sorgte mit der geplanten Schließung des Logistikzentrums in Erfurt für Schlagzeilen; ein Arbeitsgericht ordnete die Einrichtung einer Einigungsstelle an.

Gewinnsteigerung trotz Umsatzdruck

Die Berichtssaison offenbarte einen dominierenden Trend: Margenverbesserung bei schwächelnden Umsätzen. Hennes & Mauritz AB erzielte eine operative Gewinnsteigerung von 26 Prozent trotz Umsatzrückgang. Hugo Boss steigerte den Gewinn dank Einsparungen, erwartet aber eine Umsatzdämpfung im laufenden Jahr. Adidas will den Umsatz bis 2028 um zwei Milliarden Euro steigern und verlängerte den Vertrag von CEO Bjorn Gulden, enttäuschte aber mit der Jahresprognose – der Kurs fiel auf ein Dreijahrestief.

Unter den deutschen Unternehmen stachen mehrere Ergebnisse hervor. Brax-Mutter Leineweber meldete einen neuen Umsatzrekord von 388 Millionen Euro. Bergzeit steigerte den Umsatz um 17 Prozent auf 207 Millionen Euro. Bijou Brigitte konnte den Jahresgewinn steigern. Otto formulierte das Ziel, bis 2028 auf zehn Milliarden Euro Umsatz zu wachsen. Bonita verzeichnete ein einstelliges Umsatzwachstum. Ludwig Beck schloss 2025 mit einem Bruttoumsatz von 88 Millionen Euro ab. Mister Spex verringerte seinen Jahresverlust um 67 Prozent.

Auch international berichteten zahlreiche Konzerne: Inditex erzielte 6,22 Milliarden Euro Gewinn. Mango meldete ein Rekordjahr mit 3,77 Milliarden Euro Umsatz. On Holding steigerte den Jahresumsatz um 30 Prozent. Golden Goose wuchs um 15 Prozent. Swarovski erreichte 1,97 Milliarden Euro Umsatz.

Negativ fielen Lanvin Group mit einem Umsatzrückgang von 17,6 Prozent auf. Geox verlor 8,3 Prozent. Salvatore Ferragamo verringerte den Jahresverlust trotz Umsatzrückgang.

Nahost-Krise dominiert die Logistik

Die Schließung der Straße von Hormus prägte die Berichterstattung. Frachtraten explodierten um mehr als 400 Prozent. Maersk und CMA CGM leiteten Schiffe über das Kap der Guten Hoffnung um. Europäische Modeaktien erlebten einen scharfen Kurseinbruch. Die DIHK und das BDI bewerteten die wirtschaftlichen Risiken, wobei das BDI zunächst keine unmittelbare Konjunkturgefahr sah.

Megadeals und Umstrukturierungen

Die Fusionsverhandlungen zwischen Puig und The Estee Lauder Companies dominierten die Nachrichtenlage. Kering lancierte eine eigene Sieradendivision. Frasers Group sicherte sich knapp sechs Prozent an Puma. Katjes stieg nach der Bogner-Übernahme auch bei Missoni ein. Im KI-Bereich offenbarte Zalando, dass 90 Prozent seiner Inhalte mittlerweile maschinell erstellt werden. Bonprix führte ein KI-Tool zur Größenempfehlung ein.

Ausblick

Adidas strebt bis 2028 weitere Umsatz- und Gewinnsteigerungen an. On prognostizierte weiteres Wachstum nach einem Umsatzplus von 30 Prozent. Zalando rechnet für 2026 mit steigenden Umsätzen. Die Kantar-Studie zeigte, dass deutsche Markenwerte trotz der schwierigen Zeiten gewachsen sind. Allerdings bleibt der Ausblick durch Inflationsrisiken, steigende Energiekosten und die geopolitische Unsicherheit getrübt.


Anhang: Alle im März 2026 gemeldeten Finanzergebnisse

Abercrombie & Fitch — Erzielte einen neuen Rekordumsatz im Geschäftsjahr 2025/26, der Gewinn blieb jedoch hinter dem Vorjahr zurück.

Adidas — Kündigte an, den Umsatz bis 2028 um zwei Milliarden Euro steigern zu wollen, und verlängerte den Vertrag von CEO Bjorn Gulden; Aktienkurs fiel nach enttäuschender Prognose auf ein Dreijahrestief.

Alpargatas (Havaianas) — Meldete Rekordergebnis in Brasilien mit einem Nettogewinn von 567,9 Millionen Real und eine Rückkehr zur Profitabilität im internationalen Geschäft.

Ba&sh — Überschritt 300 Millionen Euro Umsatz mit einer Like-for-like-Steigerung von neun Prozent in 2025.

Bergzeit — Steigerte den Umsatz im Geschäftsjahr 2025/26 um 17 Prozent auf 207 Millionen Euro und erzielte damit ein weiteres Rekordjahr.

Bijou Brigitte — Konnte den Nettogewinn im Geschäftsjahr 2025 trotz widriger Rahmenbedingungen leicht verbessern.

Bimba y Lola — Steigerte den Jahresumsatz um sieben Prozent auf rund 250 Millionen Euro.

Bonita — Erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 ein einstelliges Umsatzwachstum und ein positives Ergebnis.

Brax (Leineweber) — Muttergesellschaft meldete einen neuen Umsatzrekord von 388 Millionen Euro, ein Plus von 7,5 Prozent.

Debenhams Group — Lieferte eine bereinigte EBITDA von 53 Millionen Pfund, ein Anstieg von 36 Prozent.

Dick's Sporting Goods — Meldete Rekordumsätze und prognostizierte weiteres Wachstum nach der Foot Locker-Übernahme.

Farfetch (via Coupang) — Leistung verbesserte sich, doch Mutterkonzern Coupang rutschte im vierten Quartal in die Verlustzone.

Fossil Group — Verzeichnete einen geringeren Verlust inmitten von Turnaround-Bemühungen.

G-III Apparel Group — Meldete Umsatz- und Gewinnrückgang im Geschäftsjahr 2026 während des geplanten Ausstiegs aus Lizenzvereinbarungen.

Gap — Verzeichnete im Geschäftsjahr 2025 ein Umsatzwachstum von zwei Prozent auf 15,4 Milliarden Dollar.

Golden Goose — Umsatz stieg um 15 Prozent auf 734 Millionen Euro, Direct-to-Consumer-Kanal wuchs um 21 Prozent.

Gymshark — Meldete Umsatzwachstum im 13. Jahr in Folge auf 646 Millionen Pfund.

Hennes & Mauritz AB (H&M) — Operativer Gewinn stieg im ersten Quartal um 26 Prozent trotz Umsatzrückgang in lokaler Währung.

Hugo Boss — Gewinn stieg dank Einsparungen; Umsatzrückgang wird für das laufende Jahr erwartet; Mindestdividende von vier Cent je Aktie geplant.

Inditex — Erzielte neue Rekorde bei Jahresumsatz und Gewinn, mit 6,22 Milliarden Euro Gewinn und 3,2 Prozent Umsatzwachstum.

Intersport Group — Schloss 2025 mit einem Umsatzplus von 0,4 Prozent ab, währungsbereinigt 1,2 Prozent.

JD.com — Verzeichnete 13 Prozent Umsatzwachstum in 2025 auf 1.310 Milliarden RMB.

Kontoor Brands — Übertraf die Erwartungen für das Geschäftsjahr 2025 dank der Helly Hansen-Übernahme.

Lands' End — Kehrte im vierten Quartal auf den Wachstumskurs zurück.

Lanvin Group — Jahresumsatz sank um 17,6 Prozent in 2025.

Lenzing — Leichter Umsatzrückgang in 2025, Betriebsergebnis verbesserte sich dank Sparmaßnahmen.

Ludwig Beck — Schloss 2025 mit einem Bruttoumsatz von 88 Millionen Euro ab, ein Plus von 0,9 Prozent.

Lululemon — Übertraf im vierten Quartal die eigenen Erwartungen; internationale Zuwächse glichen Rückgänge in Nordamerika aus.

Mango — Meldete ein weiteres Rekordjahr mit 3,77 Milliarden Euro Umsatz, ein Plus von 13 Prozent.

Mister Spex — Verringerte den Jahresverlust um 67 Prozent dank umfangreicher Reformen.

Misto Holdings (ehemals Fila Holdings) — Betriebsergebnis stieg um 31,6 Prozent bei einem Umsatz von 4,47 Billionen südkoreanischen Won.

On Holding — Steigerte den Jahresumsatz um 30 Prozent auf 3,01 Milliarden Schweizer Franken.

Otto — Erzielte rund 7,5 Milliarden Euro Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr und peilt bis 2028 zehn Milliarden Euro an.

Pepco Group — Blieb im ersten Halbjahr 2025/26 auf Wachstumskurs mit währungsbereinigtem Umsatzplus.

Prada Group — Steigerte Jahresumsatz und Gewinn, getrieben durch die Marke Miu Miu.

Salvatore Ferragamo — Umsatz ging 2025 um 5,7 Prozent zurück.

Sport 2000 International — Erzielte eine Brutto-Retailumsatz von 5,3 Milliarden Euro, ein Like-for-like-Plus von 8,2 Prozent.

Swarovski — Steigerte den Jahresumsatz auf 1,97 Milliarden Euro mit sechs Prozent organischem Wachstum.

Van de Velde — Schloss 2025 mit Umsatz- und Gewinneinbußen ab, trotz Erholung im zweiten Halbjahr.

Victoria's Secret — Übertraf die Erwartungen im Geschäftsjahr 2025/26 dank eines starken Schlussquartals.

Wolford — Jahresumsatz sank um 14 Prozent auf 76 Millionen Euro.

Zalando — Erfüllte die Erwartungen für 2025 mit kräftiger Umsatz- und Gewinnsteigerung und kündigte ein Aktienrückkaufprogramm an.

Zegna Group — Erzielte 1,9 Milliarden Euro Umsatz mit einem organischen Wachstum von 1,1 Prozent und steigerte den Nettogewinn um 20 Prozent.


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