Für 220 Millionen Euro: Adidas kauft Fitness-App Runtastic

Sportartikelhersteller kümmern sich längst nicht nur um Schuhe und Kleidung. In der Branche hat die Digitalisierung zuletzt ganz neue Geschäftsfelder geschaffen. So sind im Moment Fitness-Apps, mit denen sich die individuellen Leistungsdaten speichern und analysieren lassen, nicht nur bei Hobbysportlern, sondern auch bei Sportartikelkonzernen äußerst beliebt.

Adidas hat nun viel Geld in die Hand genommen, um sein Portfolio in diesem Bereich zu erweitern: Am Mittwoch meldete das Unternehmen den Kauf aller Anteile an der im österreichischen Pasching beheimateten Runtastic GmbH. Deren Wert wird auf 220 Millionen Euro beziffert. Die 2009 gegründete Firma bietet neben mehreren Apps auch passende Hardware an. In den vergangenen Jahren war sie geradezu explosionsartig gewachsen: „Mit mehr als 140 Millionen Downloads und circa 70 Millionen registrierten Benutzern genießt Runtastic eine einzigartige und starke Position in der Branche“, erklärte Adidas.

Die Herzogenauracher, die in den vergangenen Jahren mit Micoach bereits eine eigene Plattform entwickelt haben, konnten mit dem Zukauf auf einen Schlag mächtig Boden auf die weit enteilte Konkurrenz gutmachen: So verfügt der dynamische Newcomer Under Armour, der Adidas auf dem US-Markt beim Umsatz bereits überholt hat, nach diversen Akquisitionen eigenen Angaben zufolge über eine digitale Fitness-Community mit mehr als 140 Millionen registrierten Nutzern.

70 Millionen Nutzer: Der Wert des österreichischen Unternehmens hat sich innerhalb von knapp zwei Jahren verzehnfacht

Dass App-Entwickler so attraktive Übernahmeziele für Sportartikelhersteller geworden sind, liegt natürlich nicht zuletzt an den riesigen Nutzerzahlen: Mit dem Kauf übernehmen die Konzerne auch die Community - und verfügen damit auf einen Schlag über Millionen neue potenzielle Kunden, die sie gezielt ansprechen können. „Diese Investition bedeutet einen beträchtlichen Mehrwert für unser Bestreben, neue Weltklasse-Sporterfahrungen zu schaffen“, erklärte Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer. „Darüber hinaus bietet sie uns die Chance, unsere Benutzergruppe hoch engagierter Athleten weiter auszubauen und das Potenzial unseres umfassenden Produktportfolios bestmöglich zu nutzen.“

So könnte die 220-Millionen-Investition Adidas noch große Freude bereiten. Als Gewinner stehen aber bereits die Vorbesitzer fest. Neben den Unternehmensgründern und einem Investor ist das der Medienkonzern Axel Springer, der sich über eine Tochterfirma im Oktober 2013 eine 50,1-Prozent-Mehrheit gesichert hatte – und nun von der rasanten Wertsteigerung des Unternehmens profitieren kann. Der Konzern habe mit dem Verkauf „einen sehr guten Deal gemacht“, sagte Jens Müffelmann, der CEO von Axel Springer Digital Ventures. Das ist noch recht bescheiden formuliert: Als Springer einstieg, wurde der Wert von Runtastic noch auf 22 Millionen Euro taxiert. Mit dem Verkauf seiner Anteile konnte der Medienkonzern seinen Einsatz also in nicht einmal zwei Jahren verzehnfachen.

 

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