Gerry Weber Insolvenz - wie geht es weiter?

Am Freitag erst stellte der Bekleidungskonzern Gerry Weber International AG beim Amtsgericht Bielefeld Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung, um die Muttergesellschaft zu sanieren; bereits am gestrigen Sonntagnachmittag lud das Unternehmen zu einer Präsentationsveranstaltung für rund 100 Großhandelspartner im Düsseldorfer Inside-Hotel ein, bei dem sich Geschäftsführer Johannes Ehling überraschen zuversichtlich gab.

„Wir sind nicht pleite. Im Gegenteil: Wir haben alle Chancen“, sagte Ehling laut der Textilwirtschaft und verwies auf erste Avancen von Investoren und den Beginn „konkreter M&A-Prozesse“ ab dem heutigen Montag. Er betonte die Refinanzierungsfähigkeit des Unternehmens, die von im Herbst durchgeführten unabhängigen Gutachten bestätigt wurde. Zudem ist die Finanzierung bis ins Jahr 2020 gesichert und die Löhne und Gehälter der rund 580 Mitarbeiter über das Insolvenzgeld abgesichert.

Gerry Weber bleibt optimistisch

Der Geschäftsbetrieb soll weitergehen wie bisher. „Wir sind absolut lieferfähig für die Herbst/Winter-Saison und werden selbstverständlich die Kollektion für Frühjahr-/Sommer 2020 weiterentwickeln“, bestätigte der zum Generalbevollmächtigten des Unternehmens bestellte Rechtsanwalt Christian Gerloff im Gespräch mit Textilwirtschaft. „Ich hoffe, dass unsere Kunden das Vertrauen in uns behalten“, fügte er hinzu.

Konkret soll die Distribution „auf ein vernünftiges Maß“ zurückgebracht und konsequenter auf Ready-to-wear umgestellt und in Kollektionen und Produkte investiert werden. Dementsprechend sollen „beträchtliche Mittel“ in die Kommunikation gesteckt werden, um die Marke bei Kunden und Kundinnen wieder in den Vordergrund zu rücken und attraktiv zu machen.

Besonders die Konkurrenz durch Fast Fashion-Marken wie H&M und Inditex macht Gerry Weber derzeit zu schaffen, aber auch die Konkurrenz durch den Onlinehandel; ein Bereich, den der Konzern bislang nur wenig ausgebaut hat. Der heiße Sommer im letzten Jahr, der Kunden branchenweit von Geschäften fern hielt, bereitete dem Unternehmen, das über 100 Gläubigern rund 218 Millionen Euro schuldet, zusätzlich Probleme.

Das Insolvenzverfahren wurde zunächst nur für den Mutterkonzern beantragt; für Tochtergesellschaften wie Hallhuber, Taifun, Samoon und Talkabout wurden keine Anträge gestellt.

Gerry Weber steht in der deutschen Bekleidungsbranche nicht allein da, auch traditionelle Unternehmen wie Adler, Esprit und Tom Tailor haben Probleme; sogar Onlinehändler Zalando musste zusehen, wie sich sein Börsenwert halbierte. Schuld sind die sinkenden Ausgaben deutscher Konsumer; statt für Bekleidung geben sie ihr Geld lieber für Elektronik, gutes Essen oder Kurzreisen aus. Da ist die Innovationskraft der Branche gefragt.

Foto: Gerry Weber Website
 

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