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Gesprächsthema auf der London Fashion Week: Die Angst vor der Textilinflation

Von AFP

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Yuhan Wang FW22

Die Preise für Textilien steigen, wie bei vielen anderen Rohstoffen auch, aufgrund der wiederauflebenden Nachfrage nach dem Ende der Pandemie-Maßnahmen und aufgrund der rasant steigenden Energie- und Transportkosten, so Industriexpert:innen.

Baumwolle, Leinen, Seide und Wolle sowie synthetische Materialien, die aus Erdöl gewonnen werden, verzeichneten in den letzten Monaten einen Preisanstieg, der auch durch die weltweite Krise in der Lieferkette begünstigt wurde. Die Inflation ist daher ein wichtiges Gesprächsthema auf der Londoner Modewoche, die noch bis Donnerstag läuft.

Preiserhöhungen stellen eine neue Herausforderung für die Branche dar, die bereits durch den Brexit und die Pandemie stark belastet wurde.

„Beeindruckender Preisanstieg bei Baumwolle“

„Die Textil- und Bekleidungsindustrie hat einen beeindruckenden Anstieg der Baumwollpreise verzeichnet“, erklärte der europäische Verband der Textilproduzent:innen, Euratex, in einer Erklärung, die AFP zugesandt wurde. „Die Wiederaufnahme der weltweiten Aktivitäten 2021 und die gestiegene Nachfrage der Textilindustrie haben den Mechanismus der (Markt-)Spannungen bei den Rohstoffen beschleunigt."

„Dies hat zu einer Verknappung und steigenden Materialkosten geführt", hieß es weiter

Baumwolle, die bereits im letzten Jahr um fast 50 Prozent im Preis gestiegen war, erreichte Anfang des Monats mit 1,29 US-Dollar pro Pfund einen Höchststand, den es zuletzt 2011 gegeben hatte.

Bio-Baumwolle aus dem Haupterzeugerland Indien verzeichnete aufgrund geringer Lagerbestände eine rege Nachfrage.

Die Kosten für Wolle und Leinen stiegen unterdessen zwischen September 2020 und Juni 2021 wieder an, nachdem sie fast drei Jahre lang gesunken waren.

Auswirkungen des „Öl-Aufschwungs“

Die Branche wurde auch von den frappierend hohen Ölpreisen aufgerüttelt. „Der Anstieg der Ölpreise hat sich auf die Preise von Kunstfasern ausgewirkt... da diese aus erdölbasierten Chemikalien oder Petrochemikalien hergestellt werden“, stellte Euratex fest.

Der Ölpreis drohte in der vergangenen Woche, aufgrund der schwelenden Spannungen zwischen der Ukraine und dem wichtigsten Rohölproduzenten, Russland, die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel zu überschreiten.

„Der anhaltende Aufschwung der Ölpreise verleiht dem Ganzen weiter Auftrieb, weil er den Preis von Kunstfasern erhöht, die mit Baumwolle konkurrieren“, fügte Carsten Fritsch, Analyst der Commerzbank, hinzu.

Die Preise für Kunstfasern – wie Acryl, Nylon und Polyester – sind in die Höhe geschossen.

Auch bei Textilien gibt es die gleichen Probleme mit den Lieferketten, die die Volkswirtschaften auf der ganzen Welt plagen.

Der Einzelhandel und herstellende Betriebe dürften daher Schwierigkeiten haben, die wieder ansteigende Nachfrage zu befriedigen, vor allem der nach Baumwolle, so die Analyse.

Logistisches Kopfzerbrechen

Die Nachfrage ist hoch, da Inflationssorgen und logistische Probleme es den Unternehmen weltweit erschweren, Baumwolle zu beschaffen“, sagte Jack Scoville, Analyst der Price Group, gegenüber AFP.

Importierende und exportierende Unternehmen sehen sich mit einem enormen Anstieg der Transportkosten konfrontiert, da die sich wieder öffnenden Volkswirtschaften eine fieberhafte Nachfrage nach Containern erzeugen.

Rogie Sussman Faber, Inhaberin des Unternehmens Vogue Fabrics in der Region Chicago, sagte gegenüber AFP, dass der Transport ihr größtes Problem sei.

„Hier in den USA sind wir von dem starken Anstieg der Transportkosten stärker betroffen als von den Materialpreisen“, sagte Faber.

Der Weitertransport vom Hafen Chicago aus verschärft diese schwere Last und spiegelt die Probleme im Transitverkehr wider, die auch anderswo zu beobachten sind.

„Seit dem Beginn der Covid-Pandemie haben wir einen Mangel an LKW-Fahrer:innen erlebt, und die Transportunternehmen haben ihre Preise erhöht, um Treibstoffkosten, Überstunden (und) Bonuszahlungen zu decken“, stellte Faber fest.(AFP)

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ.

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