Beim Modehändler Zalando sind Beschäftigte aus Gewerkschaftssicht «arbeitnehmerfeindlicher» und datenschutzrechtlich problematischer Überwachung ausgesetzt. Für rund 2000 Beschäftigte in Büros in Berlin setzte der Onlinehändler eine Software ein, mit der sich Mitarbeiter gegenseitig bewerteten, kritisierte die Gewerkschaft Verdi. Die Software Zonar belaste das Betriebsklima, führe dazu, dass Leistung permanent kontrolliert und Löhne willkürlich festgelegt würden.

Verdi berief sich auf eine Untersuchung für die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung. Zalando widersprach deren Ergebnissen. Die Studie sei nicht repräsentativ und enthalte Fehler. «Bei Zalando ist Transparenz und eine offene Feedbackkultur seit jeher gelebte Realität», betonte das Unternehmen. Nach Unternehmensangaben nutzen 5000 der 14 000 Beschäftigten Zonar. Datenschutzrechtliche Anforderungen würden dabei eingehalten.

Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger sagte, digital gestützte Leistungskontrolle in Unternehmen wie Zalando münde für die Beschäftigten in Überwachung, Druck und Arbeitshetze. «Sie sind intransparent, setzen die Beschäftigten in permanente Konkurrenz zueinander, missachten den Datenschutz und dienen dem Unternehmen als billige Ausrede, warum man keine Tarifverträge abschließen will.»

Für die Böckler-Stiftung hatten Wissenschaftler der Berliner Humboldt-Universität Zalando-Beschäftigte befragt, Schulungsmaterial ausgewertet und Experten hinzugezogen. Zalando beteiligte sich nicht an der Studie. Vor Beginn sei eine mangelnde Neutralität zu erkennen gewesen, hieß es zur Begründung.

Mehrere Politiker wandten sich gegen den Einsatz des Mitarbeiter-Bewertungsprogramms. «So macht Digitalisierung den Menschen Angst», sagte der Kandidat für den SPD-Parteivorsitz, Norbert Walter-Borjans, der «Süddeutschen Zeitung» (Donnerstag). «Wir empören uns darüber, dass in China das Wohlverhalten der Bürger erfasst und bewertet werden soll und merken nicht, dass das System von Beobachtung, Kontrolle und Bewertung Einzug in die heimische Arbeitswelt hält.» Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, stellte fest: «Derartige Methoden der Überwachung und gegenseitigen Kontrolle gehören verboten.» (dpa)

 

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