Globale Schuhbranche: Ein divergierender Markt auf dem Weg ins Jahr 2026
Der „Retail Flash“-Bericht von World Footwear zeichnet ein kontrastreiches Bild der globalen Schuhbranche. Während der E-Commerce weiterhin wächst, stehen viele Unternehmen unter Margendruck, und je nach Region fallen die operativen Auswirkungen völlig unterschiedlich aus. Für Entscheidungsträger:innen ist die Botschaft des Ende Dezembers erschienenen Berichts daher eindeutig: Geschäftsmodelle müssen in einem Umfeld funktionieren, in dem Wachstum weder gleichmäßig noch sicher ist.
Frankreich: Ein Markt im Abschwung unter operativem Druck
In Frankreich bestätigen die Daten eine deutliche Verlangsamung. Die Einzelhandelsumsätze stagnieren, wobei das Schuhsegment besonders schrumpft. Es verzeichnete einen wertmäßigen Rückgang von 1,4 Prozent und einen mengenmäßigen Rückgang von 2,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Ein leichter Anstieg der durchschnittlichen Verkaufspreise (ASPs) konnte die sinkenden Absatzzahlen nicht ausgleichen. Dies setzt die Margen automatisch unter Druck. Zudem ist die Kund:innenfrequenz im stationären Handel um mehr als fünf Prozent gesunken. Dieser Rückgang ist besonders in Einkaufszentren spürbar.
Laut World Footwear spiegelt dieser Abschwung die anhaltende Zurückhaltung der Haushalte wider. Logistisch gesehen verschiebt sich der Markt: Die Importmengen steigen, während die Stückpreise für Importe fallen. Dies ist ein klares Zeichen für aggressive Bemühungen, die Lagerkosten bei einer schleppenden Nachfrage einzudämmen. Branchenexpert:innen weisen auch auf den Aufstieg asiatischer digitaler „Ultra-Fast-Fashion“-Plattformen hin. Diese sättigen den Markt und schränken die Investitionsfähigkeit lokaler Akteur:innen ein.
Deutschland und Spanien: Digital als einzige Stütze
In Deutschland entwickeln sich Schuhe und Lederwaren schlechter als der gesamte Einzelhandel. Der erwartete saisonale Aufschwung blieb aus. Er wurde durch zögerliche Konsumausgaben und eine starke Abhängigkeit von Rabattaktionen gebremst. Der E-Commerce ist mit 12,9 Prozent der einzige Lichtblick, angetrieben durch Marktplätze und Direct-to-Consumer-Modelle (D2C). Trotz steigender Importe bleiben die Anzeichen für eine echte Erholung schwach.
Spanien folgt einem ähnlichen Kurs. Während der gesamte Einzelhandel ein moderates Wachstum aufweist, hinkt der Schuhbereich weiter hinterher. Der E-Commerce ist der rettende Anker. Er verzeichnete in den ersten acht Monaten des Jahres einen Anstieg von elf Prozent. Die Region steht vor einem monetären Paradoxon: Während die allgemeine Inflation steigt, fallen die Preise für Bekleidung und Schuhe weiter. Das macht die Rentabilität der Händler:innen zunichte. Das Bestandsmanagement ist „chirurgisch“ geworden, da Marken die Falle der Überbevorratung vermeiden wollen.
Niederlande und Großbritannien: Unbequeme Stabilisierung
In den Niederlanden versucht der Markt, Fuß zu fassen. Die Schuhverkäufe übertreffen trotz anhaltender Volatilität leicht den Durchschnitt des Einzelhandels. Digitale Kanäle machen mittlerweile 20 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Während die nachlassende Inflation die Nachfrage stützt, zwingen sinkende Importpreise die lokalen Einzelhändler:innen zu erhöhter Wachsamkeit bei ihrer Wettbewerbspositionierung.
In Großbritannien hat eine Erholung im Sommer die grundlegenden Unsicherheiten nicht beseitigt. Diese Erholung brachte einen Anstieg von sechs Prozent bei Textilien und Schuhen. Schuhe bleiben das am stärksten gefährdete Segment. Niedrige Preise stützen zwar das Volumen, schmälern aber den Gesamtwert. Mit einem E-Commerce-Marktanteil von 28,1 Prozent gehen die britischen Händler:innen mit „eiserner Disziplin“ bei den Lagerbeständen in das Jahr 2026. Sie erkennen an, dass die reine Aufrechterhaltung der Nachfrage nicht ausreichen wird, um gesunde Margen wiederherzustellen.
Japan und die USA: Die Wachstumsmotoren
Im starken Gegensatz zu Europa zeigt Japan eine außergewöhnliche Vitalität. Das Segment Accessoires und Schuhe verzeichnete ein jährliches Wachstum von 44 Prozent, gestützt durch erhebliche Ausgaben internationaler Tourist:innen. Trotz einer leichten Verlangsamung am Ende des Geschäftsjahres sorgen ein starker Anstieg im E-Commerce von 27,3 Prozent und ein widerstandsfähiger Binnenkonsum für eine Stabilität auf dem japanischen Markt. Diese Stabilität fehlt in Europa derzeit.
In den USA ist die Entwicklung langsamer, aber weiterhin robust. Schuhe sind die einzige Modekategorie, die wieder das Vorkrisenniveau erreicht hat. US-Marken bevorzugen derzeit gezielte Preiserhöhungen, um steigende Logistikkosten und Zölle abzufedern. Gleichzeitig achten sie darauf, für eine vorsichtige, aber aktive Kundschaft zugänglich zu bleiben.
Auf dem Weg in 2026: Vom Krisenmanagement zur Neuausrichtung des Modells
Die Analyse von World Footwear signalisiert das Ende der Ära des mühelosen organischen Wachstums. Die Herausforderung für die Branche besteht nicht mehr darin, auf eine Erholung in Europa zu warten, sondern auf ein Modell der selektiven Rentabilität umzuschwenken.
Drei strategische Prioritäten für 2026:
Geografische Neuausrichtung: Investitionen in stark frequentierte Touristenzentren wie Japan oder strukturell stabile Märkte wie die USA verlagern, um die Stagnation in Europa auszugleichen.
Wertdisziplin: Margen durch rigoroses Bestandsmanagement und eine Höherpositionierung schützen. Dies ist die einzig gangbare Alternative zur Preissättigung durch asiatische digitale Plattformen.
D2C-Priorität: Digital ist nicht länger nur ein ergänzender Kanal. Es ist die wichtigste Verteidigungslinie gegen Margenerosion in reifen Märkten.
Letztendlich wird 2026 nicht durch eine plötzliche Markterholung definiert, sondern durch die „operative Wahrheit“. Nur die Unternehmen, die ihre Lieferketten an die schwankende Nachfrage anpassen und gleichzeitig ihren Markenwert konsequent schützen können, werden als Gewinner:innen hervorgehen.
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