Gucci enttäuscht: Kering wächst schwächer als erwartet

Ein überraschend schwaches organisches Wachstum der Luxusmarke Gucci hat der Konzernmutter Kering im zweiten Quartal ein etwas niedriger als erwartetes Umsatzplus eingebracht. Investoren reagierten verunsichert. Die Konzernerlöse aus eigener Kraft waren um lediglich 13,2 Prozent gestiegen, wie Kering am Donnerstagabend nach Börsenschluss mitgeteilt hatte. Analysten hatten dagegen mit einem Plus von 13,4 Prozent gerechnet.

Bei den Anlegern kamen die Nachrichten nicht gut an. Die im Eurozonen-Leitindex Eurostoxx 50 notierte Kering-Aktie stürzte am Freitag zwischenzeitlich um über 8,5 Prozent ab und war damit abgeschlagenes Index-Schlusslicht. Zuletzt kosteten die Papiere 469,70 Euro und lagen damit fast acht Prozent im Minus. Während für den Konzern in den zurückliegenden zwölf Monaten ein Kursverlust von gut sechs Prozent zu Buche steht, haben die Anteilsscheine seit Jahresbeginn immerhin fast 15 Prozent an Wert gewonnen.

Im ersten Halbjahr wuchsen die Erlöse in Jahresvergleich um knapp 19 Prozent auf 7,64 Milliarden Euro. Aus eigener Kraft legte das Unternehmen um gut 15 Prozent zu. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um rund ein Fünftel auf 2,81 Milliarden Euro.

Bisheriges Zugpferd Gucci wächst langsamer als erwartet

Das bisherige Zugpferd von Kering - die italienische Nobelmarke Gucci - wuchs in den ersten sechs Monaten organisch um 16,3 Prozent und absolut um knapp 20 Prozent auf 4,62 Milliarden Euro. Daraus ergibt sich für das zweite Quartal ein Wachstum aus eigener Kraft von lediglich 12,7 Prozent, während die Konsensschätzung bei 14,5 Prozent lag.

Obwohl die Umsätze der Marke Gucci im zweiten Quartal schwächer ausgefallen seien, liege Kering nach wie vor auf Kurs zu einem 13-prozentigen Wachstum in diesem Jahr bei konstanten Wechselkursen, befand Analystin Louise Singlehurst von der US-Investmentbank Goldman Sachs. Sie senkte zwar das Kursziel leicht, beließ die Aktie aber auf der "Conviction Buy List". Die Bewertung sei weiterhin attraktiv. Francesca di Pasquantonio stufte Kering dagegen von "Buy" auf "Hold" ab und geht davon aus, dass das Wachstum von nun an etwas langsamer sein dürfte. Die Deutsche Bank-Analystin zeigte sich zudem überrascht darüber, wie oft der Luxuskonzern von einer "Normalisierung" gesprochen habe.

Die Abhängigkeit von der italienischen Nobelkette Gucci ist bei Kering nicht von der Hand zu weisen. Sie trägt rund 60 Prozent zum Gesamtumsatz bei und war in den letzten Jahren deutlich stärker als der Luxussektor gewachsen. Bereits bei den Umsatzzahlen für das erste Quartal hatten sich Marktexperten jedoch nicht mehr ganz so begeistert von Gucci gezeigt, da sich die Wachstumsdynamik abschwäche.

Zum weltweit agierenden Mode- und Accessoires-Konzern Kering gehören neben Gucci weitere namhafte Töchter wie Brioni, Yves Saint Laurent und Bottega Veneta. Vor zehn Jahren war Kering auch beim deutschen Sportartikelhersteller Puma eingestiegen, hat seine Anteile aber mittlerweile auf 16 Prozent heruntergeschraubt. Hintergrund ist ein Strategieschwenk hin zu einer klaren Fokussierung auf den Luxus. (dpa)

Bild: Gucci

 

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