Halbjahresverlust verdreifacht: Charles Vögele erleidet Frankenschock

Die im Januar getroffene Entscheidung der Schweizer Zentralbank, die Kursbindung des Frankens an den Euro aufzuheben, hat dem Bekleidungshändler Charles Vögele im ersten Halbjahr 2015 mächtig zugesetzt. Die daraus resultierende Abwertung des Euro sorgte maßgeblich dafür, dass die Zahlen für die ersten sechs Monate, die das Unternehmen aus Pfäffikon am Dienstag präsentierte, wenig erfreulich ausfielen: Der Umsatz sank deutlich, der Nettoverlust stieg auf das Dreifache des Vorjahresniveaus. Trotzdem sieht sich das Unternehmen bei seinen Transformationsbemühungen „auf Kurs“.

„Die Aufgabe des Euromindestkurses durch die Schweizerische Nationalbank Mitte Januar bewirkte einen signifikant ansteigenden Preisdruck im Heimmarkt Schweiz und führte zu massiven, negativen Umrechnungseffekten auf dem Umsatz der übrigen Verkaufsregionen", sagte CEO Markus Voegeli. Der Nettoumsatz fiel nicht zuletzt deswegen um 13,3 Prozent auf 392 Millionen Schweizer Franken (361 Millionen Euro). Währungs- und flächenbereinigt schrumpfte er lediglich um 4,1 Prozent. Die Aufwertung des Franken „verschärfte den Preisdruck in der Schweiz markant und führte darüber hinaus zu einer deutlichen Zunahme des Einkaufstourismus“, erklärte das Unternehmen. Der Schweizer Einzelhandel habe auf die Entscheidung der Zentralbank umgehend „mit teilweise drastischen Rabatten von zwanzig und mehr Prozent“ reagiert.

Die Folgen der Euro-Abwertung ließen den Umsatz um 13,3 Prozent schrumpfen

Der Nettoumsatz von Charles Vögele auf dem Heimatmarkt sank infolgedessen um 8,6 Prozent (flächenbereinigt -7,5 Prozent) auf 144 Millionen Schweizer Franken. Die Erlöse in Deutschland, dem wichtigsten Auslandsmarkt des Modehändlers, fielen allerdings ebenfalls. Dort schrumpfte der Nettoumsatz um 16,0 Prozent (flächen- und währungsbereinigt -4,0 Prozent) auf 121 Millionen Schweizer Franken. Das Unternehmen begründete den Rückgang mit der „Krise im deutschen stationären Modeeinzelhandel“. Die schwachen Rahmenbedingungen hätten auch dort hohe Preisnachlässe nötig gemacht. Vergleichsweise stabil entwickelten sich die Erlöse in den Regionen Benelux (flächen- und währungsbereinigt +0,7 Prozent) und Central Eastern Europe mit den Ländern Österreich, Slowenien und Ungarn (flächen- und währungsbereinigt -0,8 Prozent).

Zwar wirkten sich die Wechselkursveränderungen positiv auf die Betriebskosten aus, der hohe Umsatzrückgang und die Folgen der Rabattaktionen ließen das Ergebnis aber massiv abrutschen. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) belief sich auf -11 Millionen Schweizer Franken, nachdem es im Vorjahreszeitraum noch deutlich positiv (14 Millionen Schweizer Franken) gewesen war. Der Fehlbetrag vor Zinsen und Steuern (EBIT) wuchs von fünf auf 29 Millionen Schweizer Franken, der Nettoverlust fiel mit 36 Millionen Schweizer Franken (33 Millionen Euro) dreimal so hoch aus wie in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres (-12 Millionen Schweizer Franken).

Trotz der widrigen Rahmenbedingungen setzt Charles Vögele sein Transformationsprogramm fort

Trotz der schwierigeren Rahmenbedingungen setzt Charles Vögele sein Transformationsprogramm fort. „Mit den eingeleiteten Maßnahmen sind wir auf dem richtigen Weg, und wir werden diese auch im zweiten Halbjahr mit Hochdruck vorantreiben“, sagte Markus Voegeli. So wurde das Sortiment bereits umgestellt, unter anderem, um flexibel und schnell auf aktuelle Trends reagieren zu können. Auch der Roll-Out des neuen Filialkonzepts wird wie geplant umgesetzt. „In den letzten acht Monaten wurden rund 160 Filialen nach der neuen Formatstrategie umgestaltet. In der Schweiz sind aktuell rund die Hälfte der insgesamt 167 Filialen, in den übrigen Verkaufsorganisationen knapp 100 Filialen umgestellt“, erklärte das Unternehmen. In der Schweiz soll die Umstellung bis zum Jahresende abgeschlossen werden, in den übrigen Märkten bis Ende 2017. Der Online-Shop wurde bereits im August einer Neukonzeption unterzogen. „Mit dem Redesign stärkt die Gruppe ihre Omni-Channel-Strategie, um das Potenzial des E-Commerce-Geschäfts deutlich besser zu nutzen“, teilte Charles Vögele mit.

Obwohl die Rahmenbedingungen im zweiten Halbjahr voraussichtlich „anspruchsvoll“ bleiben werden, hält das Management an seinen Zielen fest. Angestrebt werde weiterhin, „den Umsatzrückgang (like-for-like) gegenüber dem Vorjahr zu stoppen und für das Gesamtjahr 2015 ein positives Betriebsergebnis (EBITDA) zu erwirtschaften“, erklärte das Unternehmen. Nach dem „Währungsschock im Januar“ habe es bereits wieder einen deutlichen Aufwärtstrend bei der Umsatzentwicklung gegeben. „Mit einer modernisierten Kollektion, dem neuen Einkaufserlebnis dank der Filial-Formatstrategie, unserem neuen Online-Shop und einer neuen Kommunikationskampagne sind wir gut aufgestellt, um die Herausforderungen im zweiten Halbjahr anzugehen“, erklärte CEO Voegeli.

 

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