Hermès wächst, Nike stürzt ab: Interbrand-Ranking zeigt Gewinner und Verlierer der Modebranche

Das neue „Best Global Brands“-Ranking der New Yorker Markenberatung Interbrand offenbart eine zunehmende Polarisierung im internationalen Fashion-Markt. Während Hermès, Chanel, Zara und Uniqlo an Markenwert gewinnen, müssen Nike, Gucci und Prada deutliche Verluste hinnehmen. Besonders auffällig: Die traditionelle Markenstärke allein schützt nicht mehr vor einem Abstieg.

Die französische Luxusmarke Hermès gehört zu den großen Gewinnern des diesjährigen „Best Global Brands“-Rankings von Interbrand. Mit einem Markenwert von 45,2 Milliarden US-Dollar und einem Plus von 10,6 Prozent belegt das Modehaus Platz 15 im weltweiten Gesamtranking (das von den Marken Apple, Microsoft und Google angeführt wird). Damit ist Hermès die wertvollste Fashion-Brand unter den untersuchten Mode- und Sportmarken. Knapp dahinter folgt Louis Vuitton auf Platz 16. Allerdings muss die Marke einen Rückgang von 6,9 Prozent auf 45,1 Milliarden US-Dollar verkraften.

Auch Chanel entwickelt sich positiv: Der Markenwert steigt um 8,1 Prozent auf 32,9 Milliarden US-Dollar. Die Ergebnisse verdeutlichen eine zunehmende Polarisierung im Luxussegment. Während einige Häuser Begehrlichkeit und wirtschaftliche Stärke ausbauen, geraten andere unter Druck.

Nike verzeichnet den stärksten Einbruch

Besonders deutlich fällt die Entwicklung bei den Sportmarken aus. Nike verliert 35,5 Prozent seines Markenwerts und landet mit 21,7 Milliarden US-Dollar auf Platz 32. Damit gehört der US-amerikanische Sportartikelhersteller zu den größten Verlierern des gesamten Rankings. Die Gründe: Die Schwerpunktsetzung ab 2020 auf den Direktvertrieb und die Vernachlässigung des Sports zugunsten wirtschaftlicher Ziele. Auch Adidas verzeichnet einen Rückgang: Der Markenwert sinkt um 7,9 Prozent auf 16,1 Milliarden US-Dollar. Die deutsche Marke belegt damit Platz 56.

Die Entwicklung zeigt, dass eine etablierte globale Markenposition nicht automatisch wirtschaftliche Stabilität garantiert. Gerade im Sport- und Lifestyle-Segment wird es zunehmend wichtig, die eigene Markenidentität kontinuierlich weiterzuentwickeln und für Konsument:innen relevant zu bleiben.

Zara und Uniqlo setzen positive Akzente

Deutlich besser entwickelt sich das Segment der internationalen Fashion-Retailer. Zara steigert seinen Markenwert um 11,2 Prozent auf 21,6 Milliarden US-Dollar und erreicht Platz 33. Damit liegt die spanische Inditex-Marke im Ranking sogar direkt hinter Nike.

Noch stärker wächst Uniqlo: Die japanische Marke legt um 16,2 Prozent auf 20,5 Milliarden US-Dollar zu und erreicht Platz 38. Das klare Markenversprechen rund um funktionale, zeitlose Kleidung und textile Qualität scheint sich auszuzahlen. H&M hingegen verliert 12,1 Prozent und kommt mit einem Markenwert von 10,4 Milliarden US-Dollar auf Platz 80.

Die unterschiedlichen Entwicklungen machen deutlich, dass es im internationalen Fashion-Retail nicht allein um Preis und Sortiment geht. Eine eigenständige Positionierung und ein nachvollziehbares Markenversprechen gewinnen an Bedeutung.

Gucci und Prada verlieren deutlich an Markenwert

Auch innerhalb der Luxusmode zeigen sich erhebliche Unterschiede. Während Hermès und Chanel wachsen, müssen Gucci und Prada deutliche Einbußen hinnehmen. Gucci verliert 30,7 Prozent seines Markenwerts und fällt auf 8,1 Milliarden US-Dollar. Die Marke belegt Platz 93. Prada verzeichnet ein Minus von 15,1 Prozent und landet mit 7,6 Milliarden US-Dollar auf Platz 96. Dior liegt mit einem Rückgang von 5 Prozent und einem Markenwert von 8,9 Milliarden US-Dollar auf Platz 85.

Die Ergebnisse unterstreichen, dass Heritage, Bekanntheit und eine lange Designgeschichte allein nicht ausreichen, um langfristig erfolgreich zu bleiben. Entscheidend ist offenbar auch, wie überzeugend eine Marke ihre Identität in die Gegenwart übersetzt und neue Nachfrage erzeugt.

Markenstärke allein reicht nicht mehr aus

Interbrand hebt in seiner diesjährigen Analyse insbesondere die Bedeutung von kultureller Relevanz, Markenbegehrlichkeit und überzeugenden Kund:innenerlebnissen hervor.

Die Beratungsfirma sieht im Ranking 2026 eine wachsende Kluft zwischen Marken, die ihre Stärke in wirtschaftliches Wachstum umwandeln, und solchen, die sich stärker auf ihren bisherigen Ruf verlassen. Der Gesamtwert aller 100 gelisteten Marken steigt um 8,1 Prozent auf rund 3,87 Billionen US-Dollar.

Für die Modebranche ergibt sich daraus ein differenziertes Bild: Hermès zeigt, dass Exklusivität und Begehrlichkeit weiterhin ein starkes wirtschaftliches Fundament bilden können. Zara und Uniqlo beweisen, dass auch klar positionierte Fashion-Retail-Konzepte international wachsen. Gleichzeitig machen die Rückgänge bei Nike, Gucci und Prada deutlich, wie schnell selbst etablierte Marken an Wert verlieren können.


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