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Hygiene Austria: Lenzing gibt nach Maskenaffäre Firmenanteile zurück

Von Regina Henkel

9. Apr. 2021

Der österreichische Faserkonzern Lenzing zieht sich aus dem Skandal-Unternehmen Hygiene Austria zurück. Hygiene Austria LP GmbH wurde vor rund einem Jahr in Wien als ein Joint Venture zwischen der Lenzing AG und dem österreichischen Wäschelabel Palmers gegründet, um die dringend benötigten Mund-Nase-Masken für den österreichischen Markt zu produzieren.

Made in China, statt made in Austria

Im März dieses Jahres erhärtete sich jedoch der Verdacht, dass Teile der als „Made in Austria“-deklarierten Hygiene Austria-Masken tatsächlich aus China stammten und in Wien einfach nur umetikettiert wurden. Zudem soll es auch bei der Beschäftigung der Arbeiter zahlreiche Unstimmigkeiten gegeben haben. Das Unternehmen Lenzing, das sich in der Affäre stets selbst als Opfer dubioser Machenschaften sieht, hat nun einen Schlussstrich gezogen und das Joint Venture verlassen. Die Anteile gehen an Palmers über. „Begleitet von einem entsprechenden Pflichtenheft für eine solide Geschäftsfortführung haben sich die beiden Gesellschafter auf die Übertragung der Lenzing-Anteile an Palmers geeinigt. Um den gründungskonformen Fortbestand zu gewährleisten, verzichtet Lenzing zunächst auf einen entsprechenden Kaufpreis“, heißt es in einer Presseerklärung.

Sicherstellung der Qualität

Gleichzeitig betont Lenzing, dass die Qualitätsanforderungen inzwischen sicher eingehalten würden. Ein entsprechendes Audit samt Zertifizierung sei inzwischen abgeschlossen. Auch die Geschäftsführung des Unternehmens wurde neu besetzt mit Claudia Witzemann und Michael Schleiss, die zum 2. April die Position übernommen haben. Damit wird das Unternehmen jetzt von externen Führungskräften geleitet, und nicht wie bisher, von Lenzing und Palmers. Zudem wurden die Zeitarbeitsfirmen, die bisher den Großteil des Personals gestellt hatten, ausgetauscht. Lenzing-Vorstand DI Stephan Sielaff, der vom Aufsichtsrat Anfang März mit der Aufarbeitung der Vorkommnisse betraut worden war: „Nach ausgesprochen intensiven Wochen kann ich berichten, dass wir die zentralen Mängel festgemacht und gemeinsam mit Palmers in Angriff genommen haben. Die Weichen für eine nachhaltig professionelle Geschäftsführung, hervorragende Qualitätssicherung und gute Arbeitsbedingungen wurden hiermit gestellt.“

Lehren wurden gezogen

Weiter heißt es in der Pressemitteilung von Lenzing: „Bei der Hygiene Austria wurden in der Umsetzung aber Fehler gemacht. Der Vorstand wird in Absprache mit dem Aufsichtsrat für die Zukunft entsprechende Lehren ziehen.“ So will Lenzing beispielsweise auch für Kleinprojekte künftig ein vollumfängliches Beteiligungsmanagement aufsetzen.

Foto: Lenzing