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Internationale Baumwollkonferenz rückt Innovation, Transparenz und Nachhaltigkeit in den Vordergrund

Von Simone Preuss

3. Okt. 2022

Business

Bild: Baumwolle aus aller Welt / International Cotton Conference

Am Donnerstag und Freitag, dem 29. und 30. September 2022, fand die 36. Internationale Baumwollkonferenz in Bremen statt. Mehr als 400 Brancheninsider aus Ländern von Argentinien bis Vietnam nahmen daran teil und diskutierten in den beiden Tagen online oder vor Ort in Bremen unter dem Motto „Cotton Decoded“ über die Lage der Branche, Innovationen, Transparenz und Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit aus technischer Sicht

Im Vortrag „Sustainability from a technical point of view“ stellten drei Forscher:innen die Ergebnisse ihrer verschiedenen Projekte vor. So untersuchte Mary Ankeny, VP Produktentwicklung & Implementation bei Cotton Incorporated, zusammen mit ihrem Team die biologische Zersetzung von gefärbter und behandelter Baumwolle in natürlichen Umgebungen wie verschiedenen Gewässern, Böden und auf der Müllhalde.

„Die Verschmutzung durch Mikrofasern an Land und in den Gewässern ist ein bedeutendes Problem mit vielen unbeabsichtigten Folgen. Fasern aus Textilien sind einer der Faktoren, die zu diesem Problem beitragen, aber es gibt auch andere, ebenso bedeutende, aber weniger bekannte Quellen“, teilte Ankeny mit, ebenso dass Verbraucher:innen bereits pro Woche das Äquivalent einer Kreditkarte an Plastik konsumieren.

Ihre Studien kamen zu den Ergebnissen, dass sich alle Baumwollstoffe im simulierten Müllhaldenumfeld zersetzten, jedoch Baumwolle mit DMDHEU wesentlich langsamer und dass Polyester sich nicht zersetzt. Auch in Gewässern spielt die Verarbeitung der Stoffe eine Rolle.

Claudia Heller, Entwicklungsingenieurin von der BSH Hausgeräte GmbH untersuchte mit ihrem Team das Verhalten von Kleidungsstücken aus Baumwoll- beziehungsweise Kunstfasermischungen im Waschprozess. Sie fasste die Ergebnisse für weitere MP-Textiluntersuchungen zusammen: „Die getesteten Kleidungsstücke verhalten sich aufgrund der Materialzusammensetzung und des Gewebeaufbaus unterschiedlich. Zudem müssen Baumwollmischgewebe bei der Untersuchung von haushaltsnahen Prozessen berücksichtigt werden und nur eine ganzheitliche Betrachtung unter Einbeziehung aller Parameter des Wäschepflegeprozesses führt zu relevanten Aussagen“, so Heller.

Andreas Schneider, Geschäftsführer der Global Textile Scheme GmbH, stellte den GTS Standard und digitalen Produktpass Cirpass vor, der mehr Transparenz in die Wertschöpfungskette bringen und deren kreislaufwirtschaftliches Potenzial fördern will. Schneider betonte, dass es sich weder um eine Plattform noch einen Marktplatz handelt, sondern um eine Sprache, die die Kommunikation zwischen verschiedenen Schnittstellen erleichtern soll.

Baumwolle und Nachhaltigkeit aus Markensicht

Bild: William Brenninkmeyer, Juliane Nowakowski, Angela Langer und Mark Messura (von links nach rechts) / International Cotton Conference

Eine Podiumsdiskussion betrachtete Baumwolle aus Markensicht und verdeutlichte, wie wichtig das Material für Marken und Einzelhändler:innen ist. Juliane Nowakoswki, Nachhaltigkeitschefin bei Tom Tailor, bestätigte, dass Baumwolle das beliebteste Material aller Linien ist und sich in 60 bis 70 Prozent aller Produkte befindet. Seit sich das Unternehmen im Jahr 2020 zum ersten Mal Nachhaltigkeitsziele in Bezug auf die verwendeten Materialien setzte, stieg der Anteil von nachhaltiger beschaffter Baumwolle bereits auf 99 Prozent, wobei Tom Tailor BCI-Baumwolle verwendet, ebenso recycelte und Biobaumwolle. Sie betonte, dass dies ein Schritt auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit sei.

Auch bei C&A spielt Baumwolle eine große Rolle und ist das wichtigste Material, das von der Kundschaft aufgrund von Eigenschaften wie Weichheit, Atmungsaktivität, Leistungsfähigkeit und Natürlichkeit der Faser besonders geschätzt wird. „Biobaumwolle ist wichtig für Kinder- und Babykleidung“, sagte William Brenninkmeyer, Produktmanager Sourcing bei C&A. Er fügte hinzu, dass der hohe Wasserverbrauch und Einsatz von Pestiziden einen verantwortungsvollen Ansatz bei der Beschaffung von Baumwolle erfordert.

Auf die Frage, ob Verbraucher:innen bereit seien, mehr für nachhaltige Produkte auszugeben, merkte Angela Langer, Leiterin für Produktentwicklung bei Falke an, dass Unternehmen zusammen mit ihren Zulieferbetrieben Lösungen finden, aber auch die Qualität konsistent beibehalten müssen. Ihren Erfahrungen gemäß fragen Kund:innen zunehmend nach nachhaltigen Produkten.

In Bezug auf die Anforderungen, die Baumwolle erfüllen muss, um rückverfolgbar zu sein, gab Brenninkmeyer zu bedenken, dass es nicht ausreiche, nur die Produktionsländer zu kennen; man müsse auch die Betrieb kennen und mit den Partner:innen zusammenarbeiten, um Daten auf Betriebsebene zu erhalten. Tom Tailor prüft inzwischen die Transparenz seiner Tier 1- und Tier-2-Betriebe und kann derzeit nicht sagen, von welchen Anbaubetrieben die verwendete Baumwolle kommt. Die vollständige Rückverfolgbarkeit ist jedoch ein Ziel. Bei Falke werden Lieferbetriebe und Farmen eher aufgrund der Anforderungen ausgewählt, etwa in Bezug auf einen geringeren Wasserverbrauch.

Transparenz in der Lieferkette

In einem Vortrag am Freitag ging es um Transparenz, wobei sich drei Unternehmen diesbezüglich vorstellten: der Cotton Science Innovation Center in Usbekistan, Bayer Crop Science in den USA und die ITA Academy in Aachen. Projektmanagerin Gesine Köppke stellte die Vorteile von Distributed Ledger Technologies (DLTs) für die textile Wertschöpfungskette vor, während Miriam Paris verschiedene in den USA angebaute Baumwollarten als Teil der „Field to Closet“-Initiative vorstellte. Rinat Gulyaev erklärte die Entwicklung eines elektronischen Rückverfolgbarkeitssystem für Baumwollprodukte.

„Das Projekt zielt darauf ab, ein integriertes digitales System für die Identifizierung, Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit von Baumwollprodukten für alle Akteur:innen entlang der Lieferkette von Baumwollprodukten vom Feld bis zur Textilfabrik zu entwickeln, das die Möglichkeit bietet, moderne internationale Standards und bewährte Verfahren zu nutzen, die darauf abzielen, die Interoperabilität entwickelter und digitaler Plattformen im Kontext der laufenden digitalen Transformation zu gewährleisten“, so Gulyaev.

Paris stellte ein kürzlich durchgeführtes Projekt zur Entwicklung medizinischer Kleidung aus 100 Prozent Baumwolle vor, die im Bundesstaat Georgia angebaut wurde. Es ermöglicht damit den Wiedereintritt von Baumwolle als Material in einen Markt, der in letzter Zeit von synthetischen Produkten dominiert wurde. „Ein weiterer einzigartiger Aspekt dieses Projekts ist, dass die medizinischen Kleidung aus Stoffen hergestellt wurden, die mit Protx2 AV behandelt wurden, einer antimikrobiellen Technologie, die das Wachstum von Bakterien hemmt“, so Paris.

„Die Textil- und Bekleidungsindustrie ist seit einigen Jahren mit einem enormen Paradigmenwechsel im Lieferkettenmanagement konfrontiert: kürzere Zykluszeiten, Fast Fashion und der zunehmende Druck in Richtung Nachhaltigkeit und Transparenz. Hinzu kommt der Beschluss des Supply Chain Act. Unternehmen müssen die Anforderungen der Gesetze und europäischen Regulierungsinitiativen erfüllen. Die Textil- und Bekleidungsindustrie muss nun Transparenz in den Lieferketten zeigen und Vertrauen bei Lieferbetrieben und Einzelhandelsunternehmen aufbauen“, fasste Köppke zusammen.

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