Jüngste Entscheidung von Adidas könnte gesamte Mode-Industrie beeinflussen

Der deutsche Sportartikelhersteller Adidas AG gab vor kurzem bekannt, bis zum Jahr 2024 bei seiner Produktion nur noch recyceltes Plastik in Schuhen und Kleidung zu verwenden. Diese Initiative könnte für die gesamte Mode-Industrie der erste Schritt zum gemeinsamen Handeln bei der Lösung ökologischer Probleme sein, sagt Alexandra Kaloschina, die Gründerin des russischen Textilunternehmens Solstudio Textile Group.

Adidas plant, die Verwendung des sogenannten primären Plastiks einzustellen, zu dem unter anderem auch die synthetischen Polyesterfasern, auch bekannt als Polyester, gehören. Dieses Material wird praktisch bei allen Produkten des Herstellers verwendet – von T-Shirts bis zu Sport-Tops. Die Adidas-Modelle aus der Frühling/Sommer 2019 Kollektion werden 41 Prozent Recycling-Polyester enthalten. Auf diese Weise beteiligt sich das Unternehmen zum einen an dem internationalen Kampf gegen Plastik, zum anderen am Wettlauf um die wettbewerbsfähigsten Produkte.

Jüngste Entscheidung von Adidas könnte gesamte Mode-Industrie beeinflussen

Foto: Adidas x Wanderlust

Die Absichtserklärung von Adidas könnte der Anfang einer weitreichenden Bewegung für den Umweltschutz sein

Zu unterschiedlichen Zeiten gaben bereits auch Nike, G-Star, Starbucks und McDonald's, Patagonia und H&M, Timberland und Reebok, bekannt, dass sie Polyester aus recycelten Fasern verwenden werden. Allerdings nannten die Modekonzerne kein konkretes Datum. Konkreter wurde Stella McCartney, die erklärte, ab 2020 kein primäres Nylon mehr zu verwenden. „Die jüngste Erklärung von Adidas bedeutet daher wohl den Anfang einer wirklich großen Bewegung, da die Firma 920 Millionen Schuh- und Kleidungsartikel produziert, und der Großteil aller verwendeten Materialien aus Polyester besteht. Diese Neuigkeit zwingt viele Firmen, bei der Verwendung von Recycling-Materialien mitzumachen, was in der Zeit, in der wir leben, eine der Hauptforderungen der Kreislaufwirtschaft ist“, sagte Alexandra Kaloschina, die Gründerin der Solstudio Textile Group, gegenüber FashionUnited.

Im Falle von Adidas gehe es nicht darum, auf Polyester ganz zu verzichten, sondern darum, sogenanntes primäres Polyester nicht mehr zu verwenden und durch Materialien mit denselben Eigenschaften zu ersetzen, die aus recycelten Plastik- oder Textilmaterialien bestünden, erklärte die Expertin.

„Das Problem bei der Herstellung von Stoff aus wiederverwendeten Materialien ist, dass dieser bis zu 20 Prozent teurer ist als der aus primären Polyesterfasern. Je mehr Firmen aber bei diesem Prozess mitmachen, desto schneller findet man billige Methoden, die Materialien zu sammeln, zu reinigen und recyceln“, hob Kaloschina hervor. „Ein anderes Problem des Recycling-Materialien-Sektors besteht darin, dass er im Vergleich zur Industrie des primären Polyesters noch klein ist und von vielen Faktoren abhängt, zum Beispiel vom Sinken des Ölpreises, was die primären Materialien noch billiger macht“.

Der jüngste Schritt ist allerdings nicht der erste von Adidas hin zur Verwendung von Recycling-Materialien. Bereits 2012 lieferte die Firma für die freiwilligen Helfer bei den Olympischen Spielen in London Sportswear aus recyceltem Flaschenplastik, und 2016 präsentierte Adidas Schuhe, die jetzt zusammen mit Kleidung verkauft werden, die aus 100 Prozent recyceltem Polyester bestehen.

Jüngste Entscheidung von Adidas könnte gesamte Mode-Industrie beeinflussen

Foto: Adidas x Parley

Adidas erwartet einen Anstieg beim Verkauf seiner Sneaker-Kollaboration mit Parley, die aus recycelten Plastikabfällen aus dem Ozean genäht wurde. Ungeachtet dessen, dass diese Modelle nach wie vor nur einen kleinen Prozentsatz am Umsatz des Unternehmens ausmachen, erwarten Experten, dass bereits in diesem Jahr bis zu 5 Millionen Paar verkauft werden. Im vergangenen Jahr waren es noch 1 Million.

„Nicht alle Länder entwickeln Unternehmen zur Verarbeitung sekundärer Materialien, und die gesamte Fast Fashion Industrie verwendet zudem äußerst langsam abbaubare Materialien, was unter dem Gesichtspunkt von Ökologie und Nachhaltigkeit eines der Hauptprobleme der Mode-Industrie ist”, fasst sie zusammen. Dieses Problem vermögen selbst die größten Firmen nicht im Alleingang zu lösen. Wir hoffen, dass diese Erklärung der Schritt hin zu einem gemeinsamen Handeln sein wird.”

Solstudio Textile Group ist eine russische Unternehmensgruppe, die aus vier Geschäftseinheiten besteht: ein Studio für Textil-Design, für Stoffdruck, eine eigene Marke für Accessoires und für den Verkauf von Stoffen. Die Firma besteht seit fast 20 Jahren.

Fotos: Adidas
 

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