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Lateinamerika: Ein Labor für den Modehandel in Zeiten der Inflation

Inflationsdruck, eingeschränkte Konsumausgaben und globaler Wettbewerb zwingen den Modehandel in Lateinamerika zur schnellen Anpassung. Die Branche muss ihre Preisgestaltung, Lagerbestände und Vertriebskanäle überdenken. Diese Lehren gewinnen nun auch für Europa und andere entwickelte Märkte zunehmend an Bedeutung.
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Lateinamerika als Labor für den Modehandel in einem inflationären Kontext. Bild: Kindelmedia für Pexels.com
Von Cynthia Ijelman

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Anders als viele Industrienationen heute kämpfen die Länder Lateinamerikas seit Jahren mit wirtschaftlicher Volatilität. Hohe Inflation und Konsumschwäche prägen die Region. Insbesondere Märkte wie Argentinien, Brasilien und Mexiko sind zu einem Testfeld geworden. Hier hat die Mode- und Einzelhandelsbranche gelernt, unter ständigem Druck zu agieren. Dieser entsteht durch schwankende Kosten, zurückhaltende Konsument:innen und sich ständig ändernde Vorschriften.

Diese Situation ist nicht die Folge einer einzelnen Krise, sondern strukturell bedingt. Sie hat zu nachhaltigen Veränderungen in der Unternehmenssteuerung geführt. Flexible Preisstrategien, engmaschige Bestandskontrolle und der konsequente Ausbau von Omnichannel-Strukturen sind zentrale Anpassungsmaßnahmen von Händler:innen und Marken. Die daraus resultierenden Erfahrungen gewinnen inzwischen auch für Unternehmen in Europa und anderen großen Volkswirtschaften an Relevanz.

Anhaltende Inflation und selektive Konsument:innen

In Lateinamerika bleibt die Inflation eine der Hauptvariablen, die den Konsum beeinflussen. In Argentinien erreichte sie 2023 außergewöhnlich hohe Werte. Die Verlangsamung, die 2024 einsetzte, hat das Tempo der Preissteigerungen zwar reduziert, aber nicht den kumulierten Realeinkommensverlust von 2025 ausgeglichen. Im Modesektor führt diese Dynamik zu real hohen Preisen.

Als Reaktion darauf legen die Konsument:innen mehr Wert auf Funktionalität, Langlebigkeit und den wahrgenommenen Wert. Studien von Beratungsunternehmen wie NielsenIQ zeigen eine stärkere Neigung zu Eigenmarken und Basisprodukten. Kaufentscheidungen werden eher von Preis, Qualität und Langlebigkeit als von saisonalen Trends geleitet.

Zu diesem Szenario kommt ein zunehmend internationaler Wettbewerb hinzu. Der globale Preisvergleich, angetrieben durch das Wachstum des E-Commerce, hat die Expansion von Billigplattformen wie Shein oder Temu begünstigt. Für lokale Akteur:innen besteht die Herausforderung nicht mehr nur in der Preisanpassung. Sie müssen nun auch Sortimente, Skalierung und Reaktionszeiten überdenken, um hypervernetzte Konsument:innen zu bedienen.

Die Konsument:innen priorisieren Preis, Zahlungsoptionen und Komfort. Bild: Kish für Pexels.com

Preisliche Flexibilität als Wettbewerbsvorteil

In Volkswirtschaften mit stark schwankenden Kosten können feste, langfristig definierte Preise schnell zum Problem werden. Sie belasten Margen und schwächen die Wettbewerbsfähigkeit. Nach Analysen von Euromonitor ist ein großer Teil des Wachstums im lateinamerikanischen Modehandel in den vergangenen Jahren nicht durch höhere Absatzmengen entstanden, sondern durch Preiserhöhungen. Das spiegelt ein inflationäres Umfeld wider, in dem Unternehmen Preise anheben müssen, um Kostensteigerungen auszugleichen.

Viele Anbieter haben deshalb ihre Preisstrategie angepasst. Statt starrer Preissysteme setzen sie auf dynamische Modelle. Dabei fließen Daten zu Nachfrage, Lagerbestand, Vertriebskanal und Kaufverhalten in die Preisgestaltung ein.

Regelmäßige Preisanpassungen helfen, schneller auf Veränderungen bei Kosten, Nachfrage oder Beständen zu reagieren. Im Modehandel reduziert das das Risiko von Überhängen und verringert die Abhängigkeit von starken Rabattaktionen – ein wichtiger Faktor in instabilen Märkten.

Fernando Gamboa von KPMG Brasil betont in einer Branchenanalyse: „Kaufentscheidungen werden nicht mehr allein von der Markentreue bestimmt, sondern auch von Preis, Verfügbarkeit und Abwicklung“. Dieser Trend verstärkt sich in inflationären Kontexten. Hier priorisieren die Konsument:innen den Zugang und den Wert von Produkten gegenüber einer anspruchsvollen Positionierung.

Omnichannel: Vom Unterscheidungsmerkmal zur Notwendigkeit

Die Integration der Kanäle ist kein Wettbewerbsvorteil mehr, sondern ist zu einem operativen Standard geworden. In Lateinamerika dient Omnichannel als wichtiges Instrument, um die Nachfrage zu erfassen. Es bietet zudem ein stimmiges Einkaufserlebnis in einem Kontext rationaleren Konsums, neben anderen kommerziellen Vorteilen.

Laut dem Bericht ‚Omnichannel in Lateinamerika: Daten und fünf Trends für einen vernetzteren Einzelhandel‘ von Puntored.co ist die Integration von stationären Geschäften, E-Commerce und Social Commerce zu einer Säule des modernen Einzelhandels in der Region geworden. Die Präsenz auf mehreren Kanälen hilft, Rückgänge der Kund:innenfrequenz in physischen Geschäften abzufedern. Sie sichert auch Käufe, selbst wenn die Konsument:innen selektiver sind.

Vom anspruchsvollen zum praktischen Konsum

In einem inflationären Umfeld nimmt die Markentreue tendenziell ab. Die Konsument:innen priorisieren Preis, Zahlungsoptionen und Komfort. Sie verbringen mehr Zeit mit Vergleichen, bevor sie einen Kauf tätigen. In Lateinamerika spiegelt sich dies in einer größeren Akzeptanz von Zweitmarken, preisgünstigen Linien und funktionalen Alternativen gegenüber anspruchsvollen Angeboten wider.

Bestandskontrolle und Omnichannel gehören zu den Schlüsseln zur Bewältigung der wirtschaftlichen Volatilität. Bild: Rdne für Pexels.com

Eine Vorschau für andere Märkte

Lateinamerika ist keine Ausnahme, sondern dient als Vorschau darauf, wie sich der Modehandel in einem globalen Szenario entwickeln könnte. Dieses Szenario ist von Volatilität und zurückhaltendem Konsum geprägt.

Die in der Region entwickelten Strategien bieten klare Einblicke für jene Märkte, die nun mit ähnlichen Bedingungen konfrontiert sind. Die Einführung flexiblerer, nach Kanälen segmentierter Preismodelle wird mit einem integrierten Omnichannel-Ansatz als operativem Kern kombiniert. Hinzu kommt ein immer präziseres Verständnis für informiertere und rationalere Konsument:innen. Diese fordern bei jedem Kontaktpunkt Konsistenz, Wert und Komfort.

Dieser Artikel wurde mithilfe von digitalen Tools übersetzt.

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