• Home
  • Nachrichten
  • Business
  • LVMH und Kering: Wie steht es um Wachstum und Engagement?

LVMH und Kering: Wie steht es um Wachstum und Engagement?

Von Sharon Camara

21. Juli 2021

Business

Louis Vuitton
Louis Vuitton

Kering und LVMH sind die beiden wichtigsten französischen Luxuskonzerne. Nachdem sie jahrelang Erfolge vorweisen konnten, hat die Covid-19-Pandemie auch ihr Wachstum, zumindest kurzzeitig, gebremst. Schließungen von Geschäften und Produktionsstätten, Absagen von Modeveranstaltungen – die Zeit zwischen 2020 und 2021 war besonders hart und hat die Giganten der Branche gezwungen, sich neu zu erfinden, vor allem durch Digitalisierung.

Umsätze und Monatsergebnisse

In diesem Jahr, 2021, verzeichnet LVMH steigende Umsätze. Die Gruppe mit 75 Häusern gab bekannt, dass sie im ersten Quartal 2021 einen Umsatz von 14 Milliarden Euro verzeichnete, was einem Wachstum von 32 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2020 entspricht, der durch den Beginn der Pandemie geprägt war. In diesem Jahr hat der Konzern auch das erste Quartal 2019 übertroffen, in dem der Umsatz 12,5 Milliarden Euro erreichte. Im Laufe des für das Unternehmen guten Jahres 2019 wurden fast 54 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet, was insbesondere dem Erfolg der Flaggschiff-Marken Louis Vuitton und Christian Dior, aber auch der chinesischen Nachfrage zu verdanken ist. Während des Höhepunkts der Pandemie im Jahr 2020 konnte LVMH den Umsatz- und Rentabilitätsrückgang dank einer starken Erholung in Asien in allen Geschäftsbereichen, mit Ausnahme des einiger Einzelhandelsgeschäfte (Sephora, Le Bon Marché, der Duty Free Shoper), begrenzen. Gestern wurde außerdem bekannt, dass der Konzern die Mehrheitsanteile an dem Streetwear-Label Off-White übernehmen will.

Die Kering-Gruppe erzielte im ersten Quartal 2021 einen Umsatz von 3,89 Milliarden Euro und übertraf damit, wenig überraschend, den von der Pandemie geprägten Vergleichszeitraum 2020, aber auch den von 2019, ebenso wie LVMH. Die Umsätze im hauseigenen Shop-Netzwerk stiegen organisch um 31,8 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2020 und sogar um 6,3 Prozent im Vergleich zu 2019. Besonders stark sind die Umsätze in Asien-Pazifik (plus 83 Prozent) und Nordamerika (plus 46 Prozent) gewachsen. Auch der Online-Umsatz verdoppelte sich im Vergleich zu 2020.

Vom Einzelhandel zu Online

Nach den Schließungen während der Lockdowns haben die Geschäfte der LVMH-Gruppe wieder geöffnet und die meisten haben ein Terminsystem eingeführt, das es den Kunden ermöglicht, sich online zu einem Einkaufstermin zu registrieren, und so zu vermeiden, dass mehrere Kunden in einem Raum sind.

Um seine Logistikkapazitäten zu erweitern, hat Kering mit dem Bau einer Plattform in Trecate, in der norditalienischen Region Piemont, begonnen. Das neue Logistikzentrum umfasst mehr als 162.000 Quadratmeter. Es soll die internationale Nachfrage der Häuser der Gruppe aus regionalen Lagern, eigenen Geschäften, E-Commerce-Seiten und dem Großhandelsnetz bedienen. Es soll auch die Lieferkapazität der Gruppe (bis zu 80 Millionen Stück pro Jahr) und die Lagerkapazität (bis zu 20 Millionen Stück) verbessern. Schließlich soll es die Durchlaufzeiten um fünfzig Prozent reduzieren und schnellere Lieferungen ermöglichen.

Im Jahr 2020 eröffnete Kering ein neues Büro in Wayne, New Jersey. Es dient als das operative Zentrum von Kering in Nordamerika. Im selben Jahr eröffnete Kering ein Büro in Japan, in der Omotesando Avenue im Herzen von Tokio.

Foto: Bernard Arnault – Michael Klimentyev / Sputnik / AFP

Verbindlichkeit und Ethik

Im März 2021 startete LVMH die digitale Version des "Village des métiers d'Excellence", das 400 Ausbildungsverträge in Frankreich in den Häusern des Konzerns für den Beginn des Ausbildungsjahres 2021 anbietet. Die 2015 ins Leben gerufene Initiative will damit ein breiteres Publikum erreichen.

LVMH engagiert sich für die Förderung junger Talente. Mit ihrem berühmten gleichnamigen Award, der 2013 ins Leben gerufen wurde, hat die Gruppe im Laufe der Jahre renommierte Designer ausgezeichnet, wie zum Beispiel die Französin Marine Serre im Jahr 2017 und den Südafrikaner Thebe Magugu im Jahr 2019. Ziel dieser Initiative ist es, aufstrebende Talente zu identifizieren und zu fördern. Für die Ausgabe 2021 passt sich LVMH der Zeit an und lädt Internetnutzer ein, sich an der Wahl der Finalisten zu beteiligen. Neben der Jury aus 70 Mode-Persönlichkeiten kann auch das Publikum für seinen Lieblingskandidaten abstimmen. Aufgrund der Gesundheitskrise präsentierten die jungen Designer ihre Arbeiten vom 6. bis 11. April 2021 in einem digitalen Showroom auf der Website LVMHprize.com.

Bei der Hauptversammlung 2021 stellte der Konzern eine neue Umwelt-Roadmap mit Zielen vor, die in den Jahren 2023, 2026 und 2030 erreicht werden sollen. So kündigte die weltweite Nummer eins der Luxusgüterhersteller an, bis 2026 keinen neuen Kunststoff (recycelt oder biobasiert) mehr in seinen Verpackungen zu verwenden. Im Hinblick auf die biologische Vielfalt hat sich LVMH verpflichtet, bis zum Jahr 2026 hundert Prozent seiner strategischen Rohstoffe so zu zertifizieren, dass Ökosysteme und Wasserressourcen berücksichtigt werden. Zum Thema Klima hat sich die Gruppe mit ihren 75 Marken verpflichtet, ihre Kohlenstoffemissionen aus dem Energieverbrauch bis 2026 im Vergleich zu 2019 um 50 Prozent zu reduzieren und ihre Geschäfte und Standorte zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie zu versorgen. Außerdem will das Unternehmen seine Auswirkungen auf die Biodiversität bis 2030 neutralisieren: „Wir streben ‘Null Wüstenbildung und Abholzung’ bis 2030 für alle unsere Lieferketten an (...). Technologische Fortschritte und die Tatsache, dass alle großen Unternehmen der Welt gleichzeitig an diesen Themen arbeiten, werden uns in zehn bis fünfzehn Jahren in die Lage versetzen, ohne Umweltverschmutzung zu wachsen“, kündigte Antoine Arnault, der Direktor für Image und Umwelt des Konzerns, in einem Interview mit der Zeitung La Croix an.

Foto: Kering Logistikplattform in Italien

In Zusammenarbeit mit Conservation International hat Kering den Regenerative Fund for Nature ins Leben gerufen. Das ehrgeizige Projekt zielt darauf ab, in den nächsten fünf Jahren eine Million Hektar an Farmen und Landschaften, die mit der Produktion von Rohstoffen für die Lieferketten der Modeindustrie verbunden sind, in regenerative landwirtschaftliche Flächen umzuwandeln.

Im Rahmen des Kampfes gegen häusliche Gewalt engagiert sich die Kering-Gruppe an der Seite ihrer Mitarbeiter. Seit Januar 2021 bietet sie ihren Mitarbeitern auf der ganzen Welt Unterstützung und Beratung an. Das Unternehmen bietet ihnen die Möglichkeit, sich vertraulich beraten zu lassen, insbesondere durch Partnerschaften mit spezialisierten Verbänden. Die Gruppe bietet die Möglichkeit, die Arbeitsbedingungen anzupassen (Wechsel des Arbeitsplatzes, flexible Arbeitszeiten und so weiter), speziellen Urlaub zu nehmen oder Zugang zu finanzieller Unterstützung zu bekommen.

Das Unternehmen bietet auch die Möglichkeit, die von der Gruppe angebotenen spezialisierten Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen.

Im Corporate Equality Index 2021 der Human Rights Campaign Foundation für die Vereinigten Staaten erzielte die Kering America Group 100 Punkte und ist damit einer der besten Arbeitsplätze für die LGBTQ-Community und für Chancengleichheit. Kering gesellt sich damit zu 760 großen US-Unternehmen, die in diesem Jahr ebenfalls Bestnoten erzielten.

Fazit

Mitte des Jahres 2021 ziehen die Zahlen der Luxusmarken nach einer langen, schwierigen Phase aufgrund der Covid-19-Pandemie wieder an. Die Umsätze von LVMH und Kering erreichten im ersten Quartal wieder das Niveau von vor der Pandemie und übertrafen es sogar, vor allem dank der Erholung in Asien und den USA. LVMH meldete einen Umsatz von 14 Milliarden Euro und übertraf damit den Umsatz des Jahres 2019 auf vergleichbarer Basis um acht Prozent. Kering präsentierte einen Umsatz von 3,89 Milliarden Euro, ein Plus von 5,5 Prozent bei konstanten Wechselkursen.

Dieser Beitrag erschien zuvor auf FashionUnited.fr. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ.