Nach der Les Lunes-Übernahme: Die nächsten Schritte für Snocks
Snocks ist weiter auf Wachstumskurs. Nach einem erfolgreichen Geschäfsjahr in 2025, in dem der Socken- und Unterwäsche-Spezialist um 20 Prozent wachsen konnte, hat das Unternehmen sein Portfolio erneut erweitert und Les Lunes aus der Insolvenz gerettet. Nun soll die Womenwear-Marke umgekrempelt werden.
Wie das gelingen soll und wie es um die anderen Marken in Snocks “House of Brands” steht, verrät Rehan Choudhry, der Snocks als Co-CEO zusammen mit Gründer Johannes Kliesch leitet.
Gerade haben Sie die Übernahme von Les Lunes verkündet. Welche Pläne haben Sie für die Marke?
Wir wollen Les Lunes im Bereich Everyday Essentials weiter stärken und den Hauptfokus auf die Produkte legen. Hier geht es im Wesentlichen um Komfort, den wir mit hochwertigen und soften Materialien wie Bambus oder Modal sicherstellen.
Wie werden dabei Ihre nächsten Schritte aussehen?
Wir werden erstmal schnellstmöglich das Produktportfolio überarbeiten. Es gibt noch einen hohen Bestand an Produkten aus vergangenen Saisons. Sobald die Sortimentsbereinigung stattgefunden hat, werden wir das Wachstum im DACH-Markt [Anm.d.Red.: Deutschland, Österreich und Schweiz] stärken – die letzten Jahre hat sich der Umsatz mehr als halbiert. Gründe dafür waren der Rückgang im Marketing-Budget und keine konsequente Aussteuerung und Erweiterung des Marketing-Mixes.
Auch international ist Les Lunes bereits gestartet und hat erste Umsätze in Frankreich generiert – etwa eine Millionen Euro in 2025. Das wollen wir mit der Snocks-Internationalisierung aufgreifen und stärker in die Märkte gehen.
Um das Insolvenzverfahren meldeten sich auch einige Influencerinnen bezüglich ausstehender Zahlungen zu Wort. Planen Sie mit den Personen in den Austausch zu gehen?
Wir sprechen aktuell schon mit den Influencerinnen. Wir haben bereits angeboten, dass wir aus Kulanz 25 Prozent der ausstehenden Rechnungen übernehmen. Wir legen großen Wert auf die Zusammenarbeit mit unseren Partner:innen.
Content Creator bleiben also fester Bestandteil in der Vermarktung?
Absolut. Das ist weiterhin geplant und bleibt eine zentrale Säule für uns.
Gibt es für die bisherige Belegschaft eine Zukunft im Unternehmen?
Wir konnten acht Mitarbeitende übernehmen [Anm.d.Red.: Zum Verfahrensbeginn waren 36 Mitarbeitende für Les Lunes tätig] und werden sie in unsere Gruppe integrieren. Diese Leute werden überwiegend im Produktbereich eingesetzt.
Die Sportmarke Oceansapart sowie der Periodenunterwäsche-Spezialist Femtis sind ebenfalls Teil Ihres Portfolios. Bei deren Produktkategorien gibt es Überschneidungen mit Snocks. Ist das eine Voraussetzung für die Aufnahme?
Wir versuchen immer über eine Diversifikation neue Unternehmen zu übernehmen. In diesem Fall etwa 40 Prozent gleiche Produkte und 60 neue Produkte oder Kategorien. Bei Les Lunes gelingt uns die Diversifikation über die Materialzusammensetzung und Qualität. Die Produkte sind deutlich hochwertiger als die der anderen Marken und auch preislich im Premiumsegment angesiedelt.
Bei Les Lunes sind aktuell auch vereinzelt Kleider, Jumpsuits und schlichte Oberteile zu finden. Wird die bisherige Sortimentsausrichtung so beibehalten?
Wir sind in der Planung, einen Teil davon zu behalten, aber aktuell ist es noch zu früh, um genau zu bewerten, welche Kategorien langfristig bestehen bleiben.
Sind in Zukunft auch Marken aus anderen Kategorien denkbar?
Wir haben bereits einen starken Fokus im Damenbereich und sehen auch sehr viel Potenzial im Herrenbereich für Everyday-Basics.
Haben Sie vielleicht sogar schon etwas Neues im Auge?
Wir wollen uns in den nächsten Monaten voll auf die Integration von Les Lunes konzentrieren.
Oceansapart und Femtis gehören jetzt schon mehr beziehungsweise fast ein Jahr zu Ihrem ‘House of Brands’. Was machen die Umsätze?
Für uns lag der Fokus darauf, diese Marken wieder auf langfristige Profitabilität auszurichten. Oceansapart machte vor der Übernahme hohe Verluste im siebenstelligen Bereich. Dort konnten wir im ersten Jahr bereits profitabel werden und gehen diesen Weg auch in 2026 konsequent weiter. Für das aktuelle Jahr planen wir ein Wachstum von 15 Prozent. Femtis ist ebenfalls im ersten Jahr profitabel – hier planen wir ein Wachstum von 15 bis 20 Prozent.
Und wie verlief das vergangene Geschäftsjahr für Snocks?
2025 konnten wir mit einem Umsatz in Höhe von 100 Millionen Euro abschließen. Wir haben es geschafft, trotz viel Gegenwind über 20 Prozent zu wachsen. Gerade das veränderte Konsumverhalten hat uns vor große Herausforderungen gestellt.
Welche nächsten Schritte haben Sie für das Marken-Flagship geplant?
Wir werden einen starken Fokus auf Internationalisierung legen. Produktqualität und Erweiterung der Produktpalette werden außerdem eine große Rolle spielen. Und zu guter Letzt: Wir wollen unsere Präsenz im Offline-Handel stärken – hier planen wir weitere 50 Point-of-Sales.
Das Interview wurde schriftlich geführt.
ODER ANMELDEN MIT