Nachfrage übersteigt Angebot: Woll- und Baumwollpreise auf historisch hohem Niveau

ANALYSISProfitabel wirtschaftende Farmen, höhere Nachfrage von lokalen Bekleidungsherstellern und –händlern, ein erhöhtes Verbrauchervertrauen sowie eine erhöhte Profitabilität dank wachsender Margen sind die Hauptgründe für die gestiegenen Preise.

Der Preis für Wolle liegt auf dem höchsten Stand seit April 2013 und kostet derzeit etwa 13 Dollar pro Kilo. Die gestiegene Nachfrage nach feiner Wolle im High Fashion Bereich macht sich insbesondere für Länder wie Australien bezahlt. Baumwolle liegt derzeit bei 82 Dollar-Cents pro Kilo, ebenfalls ein Preis, der seit 2014 nicht mehr erreicht wurde.

Wollpreise steigen dramatisch

Die globale Wollindustrie hat sich stark verändert. Immer mehr Wolle wird angebaut; dadurch wird auch mehr Wolle auf dem Markt angeboten. Stuart McCullough, Managing Director bei The Woolmark Company erklärte in einem Interview mit ‘Fibre2Fashion’, dass in der vergangenen Dekade der Wollpreis gestiegen sei und dass dies den Wandel verursache.

„Bauern arbeiten jetzt profitabel. Das ist eine wichtige Veränderung – sie verdienen jetzt Geld, das taten sie vor zehn Jahren nicht. So bleibt die Industrie am Leben“, konstatierte McCullough.

Ein weiterer Trend, den Analysten feststellen konnten, ist, dass Abnehmer zunehmend von China Abstand nähmen und sich wieder auf westliche Nationen, wie beispielsweise Italien, konzentrierten. „Zuvor zahlten die Brands weniger und vernachlässigten dafür eher die Qualität“, so Giovanni Germanetti, General Director des italienischen Garn- und Textilherstellers Tollegno 1900 gegenüber Reuters. Für Germanetti signalisiert die Rückkehr der Abnehmer nach Italien einen Mentalitätswandel in Sachen Qualität.

Auch Alessandro Brun, Professor an der Universität MIP Milan Politecnico, bestätigte, dass Brands sich verstärkt auf heimische Lieferanten stützen, um Nachverfolgbarkeit zu garantieren und sich so gegen mögliche Imageschäden abzusichern.

Gestiegenes Interesse von Bekleidungsherstellern an Qualitätswolle aus Australien—trotz deren Preis

Der Wollmarkt in Australien erfreut sich einem starken Aufwärtstrend. Seit sieben Wochen steigen die Preise für Fasern auf dem Eastern Market Indicator (EMI)

Durchschnittlich liegt der aktuelle Preis mehr als 25 Prozent über dem Vorjahresniveau. Chris Wilcox, the CEO des National Council of Wool Selling Brokers of Australia, geht nicht weiter ins Detail: Der EMI ist seit dem Weihnachtsrückgang um 181 US-Dollar Cents gestiegen und seit dem Beginn der 2016/17 Saison um 219 US-Dollar Cents. Wilcox betonte auch, dass ultrafeine und superfeine Wolle die größten Gewinne verzeichnen konnten.

Darüber hinaus, so der Senior-Marktanalyst der Australian Wool Exchange, Lionel Plunkett, habe der gestiegene Preis weitere Anbieter auf den Plan gerufen, die zuvor nicht bereit waren, zu verkaufen. So sei der Vorrat an Wolle, die gelagert werde, ebenfalls auf einem historisch niedrigen Stand.

„Der Mangel an Lagerwolle führte dazu, dass wöchentliche Liefermengen nicht erhöht werden konnten, sodass die Nachfrage kontinuierlich weiter anwuchs. Plunkett sagte auch, dass sich die 90-prozentige Auslastung der Wollvorräte daher bis auf weiteres nicht verändern werde.

Der FashionUnited Wool Price Indexzeigt die Fluktuation der Rohstoffpreise über einen beliebigen Zeitraum

Baumwollpreise schnellen dank hoher Nachfrage nach oben

Wolle ist jedoch nicht die einzige Faser, die derzeit eine Preissteigerung erlebt. Die Baumwollpreise hatten sich in den vergangenen Jahren nach unten entwickelt und erleben seit 2016 ebenfalls eine Steigerung, als der Verbrauch erstmals die Nachfrage überstieg.

Nach den Daten, die dem FashionUnited Business Intelligence-Team vorliegen, erlebt Baumwolle derzeit ein Preislevel, dass es seit Juli 2014 nicht mehr erreicht hatte: 0,82 Dollar pro Pfund.

Wi auf demFashionUnited Cotton Price Index , dargestellt, sind die Preise in Indien um 2,8 Prozent, in Pakistan um 3,9 Prozent und in China um 1,1 Prozent gestiegen.

Außerdem steigt von Seiten der Konsumenten die Nachfrage nach nachhaltigen Fasern weiter an. Der globale Organic Cotton-Markt wurde 2014/15 von Textile Exchange mit 15,76 Milliarden US-Dollar bewertet. Da mehr und mehr Kunden bei ihrer Kleidung auf nachhaltige Produkte setzen, kann organische Baumwolle dem einen oder anderen Hersteller künftig einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Mit der Frage, wie diese Veränderungen die Konsumenten betreffen werden, beschäftigt sich Craig Woolford, Senior Analyst bei Citi. Ihm zufolge sollen die Anfang des Jahres gesunkenen Preise für Kleidung nicht anhalten. Wie zu erwarten werde sich das gestiegene Preisniveau bei den Rohstoffen letztlich auch auf Kleiderpreise auswirken.

Der FashionUnited Cotton Price Index zeigt die Preisentwicklung der Faser nach Monat.

Photo: via Wikimedia author: Kimberly Vardeman

 

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