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Nachhaltigkeit beginnt mit gesundem Menschenverstand – Designerin Anya Hindmarch verfolgt einen regenerativen Ansatz

Von Lara Grobosch

14. Juni 2022

Business

Image by FashionUnited, Shoptalk Europe

„Für mich fängt es mit zwei Worten an: gesunder Menschenverstand“, sagte die britische Designerin Anya Hindmarch während eines Vortrags auf der Shoptalk Europe Messe über das Erreichen dauerhafter Nachhaltigkeit. Im Rahmen der Einzelhandelsmesse, die vom 6. bis 8. Juni in London stattfand, kamen mehr als 3.000 Experten aus der Branche zusammen, um ihre Erkenntnisse auszutauschen.

„Bei meinem Ansatz geht es eigentlich weniger um Erfindungen“, so Hindmarch im Gespräch mit Lucy Maguire, Redakteurin für Trends bei Vogue Business. „Es geht mehr darum, ein wenig zu der Zeit zurückzugehen, als wir Dinge kauften und sie nachfüllten, als wir Dinge reinigten und wiederverwendeten, als wir Dinge flickten und sie länger trugen.“ Nach Ansicht der Londoner Taschen- und Accessoire-Designerin ist es wichtiger, sich wieder darauf zu besinnen, woher die Mode herkommt, und dort anzusetzen.

„Alles, was wir kaufen, essen und tragen, stammt aus der Landwirtschaft. Es kommt alles aus dem Boden“, erklärte sie. Hindmarch glaubt, dass es in den nächsten zehn Jahren vor allem um Regionalisierung gehen wird und dass wir alle dazu verpflichtet sind, uns mit regenerativem Design zu beschäftigen.

„Wenn man zum Beispiel das Wort veganes Leder hört, denkt man, dass das eine gute Sache ist – das ist es aber nicht. Es ist nur Plastik“, sagte sie. Modemarken sollten darauf achten, nicht einfach auf den Zug der trendigen Alternativen aufzuspringen. Stattdessen müssen sie sich informieren und eine fundierte Strategie entwickeln – Hindmarchs Kernaussage. „Wenn [Leder] lokal bezogen wird, ist es ein Nebenprodukt der Fleischindustrie. Gegerbt, veredelt und verantwortungsvoll hergestellt, stellt es eine unglaublich intelligente Art dar, eine natürliche Ressource zu nutzen. Tiere aus regenerativer Landwirtschaft sind sehr, sehr gut für die Umwelt“.

„In der Natur gibt es keinen Müll...“

Seit der Gründung ihres gleichnamigen Labels 1987, als sie gerade einmal 18 Jahre alt war, hat sich Hindmarch als nachhaltige Vorreiterin in der Modeindustrie etabliert. Im Dezember letzten Jahres brachte die Luxusmarke in Zusammenarbeit mit globalen Supermärkten, allen voran Sainsbury's und Waitrose in Großbritannien, eine wiederverwendbare, zirkuläre Einkaufstasche aus 100 Prozent recyceltem Material auf den Markt. Im Oktober 2021 stellte da Label eine Kollektion biologisch abbaubarer Lederhandtaschen vor. Aufbauend auf ihren langjährigen Bemühungen zur Bekämpfung von Einwegplastik und zur Vermeidung von Deponieabfällen durch Projekte wie „I Am Not A Plastic Bag“ und „I Am A Plastic Bag“ entwickelte Hindmarch eine Tasche, die niemals auf einer Mülldeponie landen wird.

„In der Natur gibt es keinen Müll“, erklärte sie. „Wenn ein Apfel von einem Baum fällt, wird er biologisch abgebaut, er zerfällt, wird von Fliegen gefressen, sinkt ins Gras und belebt den Boden, kompostiert und nährt das nächste Wachstum in der Erde.“ Mit ihrer „Return to Nature“-Kollektion wollte sie erreichen, dass die Mode auf die gleiche Weise funktioniert. „Wie man das Ende des Lebens in das Design der Produkte einbinden kann, ist wirklich etwas, worüber wir jetzt alle nachdenken müssen“, sagte sie.

Wie lautet also ihr Rat, um ein nachhaltiges Unternehmen aufzubauen? „Es ist unmöglich, perfekt zu sein. Wir müssen realistisch sein, in dem was wir tun können“, sagte Hindmarch. Ihrer Meinung nach ist es wichtig, einfach loszulegen. „Fangen Sie mit einer Sache an, von der Sie das Gefühl haben, dass Sie sie ganz einfach abhaken können. Und Sie werden erstaunt sein, wie befriedigend das ist, nicht nur für Sie selbst, sondern auch für Ihr Unternehmen und Ihre Gewinnspanne.“

Dieser übersetzte Beitrag wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht.

Shoptalk Europe 2022 hat vom 6. bis 8. Juni in London stattgefunden und mehr als 3.000 Teilnehmer aus mehr als 70 Ländern zusammengebracht. Verfolgen Sie die weitere Berichterstattung über die Veranstaltung von FashionUnited hier.

ANYA HINDMARCH
Kreislaufwirtschaft. Shoptalk Europe
Nachhaltigkeit