Neue KI-Plattform erstellt ‚maßgeschneiderte‘ Schnittmuster
Unter dem Namen ‚MPattern‘ haben die spanischen Unternehmer Iván Royo, José Luis Gonzálvez und Antonio Calero eine innovative Lösung auf den Markt gebracht. Sie wollen damit die gängigen Praktiken in der Modebranche mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) neu gestalten. Ihre Plattform automatisiert den Prozess der Erstellung und Anpassung von Schnittmustern.
Die Verantwortlichen hinter der Plattform ‚MPattern‘ erklären, dass die aktuellen Prozesse in der Bekleidungsindustrie mit einem Basisschnittmuster beginnen. Schnitttechniker:innen bearbeiten dieses dann, um die Einzigartigkeit jedes Kleidungsstücks durch Schnitte, Volumen, Raffungen und andere Stofftechniken zu gestalten. Diese kreativen Schritte führen zum endgültigen Schnittmuster des Kleidungsstücks. Die Plattform will diesen Prozess nicht ersetzen, sondern unterstützen. Der Fokus liegt auf dem unmittelbar vorangehenden Schritt: der Erstellung des Basisschnittmusters.
In kleinen Schneidereien muss dieses für jede:n neue:n Kund:in gezeichnet werden. Für kleine Modelabels erschwert dies die Erweiterung ihres Angebots. Jede Größenanpassung und Skalierung eines Schnittmusters erfordert Arbeitsstunden, um die perfekte Passform für jede Größe zu erreichen. Es gibt zwar Automatisierungssysteme, die diese Hürde überwinden. Diese Lösungen kosten jedoch Tausende von Euro und sind für Fabriken mit Hunderten von Arbeiter:innen konzipiert, warnen die Gründer:innen. Als Alternative zu diesen Werkzeugen haben sie nun ihre KI-gestützte Plattform zur Schnittmustererstellung entwickelt.
„Unser Ziel ist es nicht, die Arbeit von Schnitttechniker:innen und Designer:innen zu ersetzen, sondern den Zugang zu Werkzeugen zu demokratisieren, die bisher großen Unternehmen vorbehalten waren. So können Studierende, kleine Ateliers und aufstrebende Marken technisch auf internationaler Ebene konkurrieren“, erklären die Gründer:innen von MPattern.
In diesem Sinne soll „die künstliche Intelligenz“ der Plattform „die Schnitttechnikerin nicht ersetzen“, sondern ihr „Zeit zurückgeben“. So werden die Fachleute weiterhin die Phase der ‚Transformation‘ und die ‚kreative Entscheidung – das, was den Beruf wirklich ausmacht‘ – leiten. Die ‚repetitive Basis‘ wird hingegen von der Technologie übernommen. Mit dieser Plattform „träumen wir davon, dass eine Person zu Hause oder ein kleines Atelier in jedem Land technisch mit jedem Studio der Welt konkurrieren kann, ohne auf die Handwerkskunst zu verzichten, die hinter der Modebranche steckt“.
Die Plattform wurde unter dem Dach von Midnata Labs entwickelt. Das Technologieunternehmen wurde Anfang 2026 von den drei Mitgründer:innen gegründet, basiert aber auf jahrelanger Arbeit am Design und der Entwicklung von MPattern. Sie ist bereits für Nutzer:innen über die offizielle Website zugänglich. Derzeit ist dies die einzige Zugriffsmöglichkeit, obwohl eine kombinierte Nutzung von Web-Plattform und Mobilgerät bereits möglich ist. Eine App soll in Kürze folgen.
Die Funktionsweise fasst MPattern in nur fünf Schritten zusammen. Zuerst wird ein Maßprofil erstellt, für das 47 anthropometrische Punkte zur Verfügung stehen. Anschließend wählen Nutzer:innen ein Basisschnittmuster aus über 50 professionellen Vorlagen aus. Dazu gehören Modelle für Hemden, Hosen, Kleider, Schneiderwaren oder Kinderkleidung. Diese Modelle können dann durch eine Maßanpassung personalisiert werden. Nutzer:innen können Werte für Brust, Hals, Schultern, Handgelenk oder Taille in Millimetern oder Zoll eingeben.
Der Prozess endet mit der Visualisierung des Schnittmusters. Die Plattform generiert es parallel in Echtzeit basierend auf den eingegebenen Maßen und passt es bei jeder Änderung unter Beibehaltung der ursprünglichen Proportionen an. Schließlich kann das Schnittmuster entweder im Maßstab 1:1 für die manuelle Fertigstellung ausgedruckt oder in Adobe Illustrator, CLO3D oder eine andere Design-Software exportiert werden. Eine besondere Funktion ist der ‚Projektor-Modus‘. Damit kann das Schnittmuster im Maßstab 1:1 direkt auf den Stoff projiziert werden, was den Prozess beschleunigt und Ressourcen spart.
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