Neue US-Zölle, WM-Euphorie und Galeria auf dem Prüfstand – was die Woche bewegte

Die Handelspolitik gab in dieser Woche den Takt vor. Donald Trump kündigte kurz vor Toresschluss neue Zölle gegen Dutzende Handelspartner an, während Brüssel überraschend gelassen reagierte. Im Luxussegment überzeugten Zegna und Moncler mit Zuwächsen, derweil sich das Ringen um Hugo Boss und die Zukunft von Galeria und Hirmer weiter zuspitzten. Nach dem WM-Finale feierte die halbe Modebranche Spaniens Titel, von Louis Vuitton bis Adidas. Die Debatte um verkaufsoffene Sonntage nahm wieder Fahrt auf, der Resale-Boom wirft Fragen zu den deutschen Secondhand-Läden auf, und dazu kommen Personalwechsel bei Chanel, LVMH und H&M sowie ein Blick nach Paris, Hamburg und in die Innenstädte.

Business

Kurz vor dem Auslaufen der gesetzlichen Grundlage für seine bisherigen Importgebühren kündigte die US-Regierung neue Zölle gegen 60 Handelspartner an, begründet mit angeblich unzureichenden Maßnahmen gegen Zwangsarbeit. Betroffen ist auch die Europäische Union, doch die EU-Kommission bewertete die konkrete Ausgestaltung als besser als erwartet und sah keine Verschlechterung gegenüber dem bestehenden Abkommen. Wie brüchig die Kontrolle von Arbeitsbedingungen tatsächlich ist, zeigt ein Bericht der Arbeitsrechtsorganisation Labour Behind the Label, wonach oberflächliche Sozialaudits die Beschwerden von Textilarbeiter:innen in Pakistan systematisch ins Leere laufen lassen. Gegen unsichere und gefälschte Ware ging Brüssel ebenfalls vor und verhängte gegen AliExpress eine Rekordstrafe von 550 Millionen Euro. Um seine Preis- und Markenkontrolle zu schärfen, beendet Nike in China die Zusammenarbeit mit tausenden Online-Vertriebspartner:innen.

Aus dem Luxussegment kamen solide Zahlen. Ermenegildo Zegna steigerte den Umsatz im zweiten Quartal zweistellig, getragen vom eigenen Einzelhandel und der starken Nachfrage in Amerika und Asien. Auch Moncler legte im ersten Halbjahr bei beiden Marken zu und verbesserte den Nettogewinn, verkündete zugleich aber den Rückzug von Alexandre Arnault und Geoffroy van Raemdonck aus dem Verwaltungsrat.

Bewegung gab es auch bei den Eigentümerfragen. Großaktionär Frasers stockte seinen Anteil an Hugo Boss auf gut 30 Prozent auf, während der Modekonzern das Angebot von 38,00 Euro je Aktie weiterhin für zu niedrig hält. Die Calida Group trennt sich von der US-Dessousmarke Cosabella und konzentriert sich künftig auf die Kernmarken Calida und Aubade. Bei Hirmer platzte der Verkauf des Münchner Stammhauses, nachdem der Käufer Insolvenz angemeldet hatte, und das Unternehmen prüft nun Alternativen.

Gleich mit zwei Meldungen stand Zalando im Blick. Die Bafin rügte den Konzern wegen fehlender Angaben zur Übernahme von About You, verhängte jedoch kein Bußgeld. Parallel dazu baut der Modehändler wohl weitere Stellen in Berlin ab und verlagert Aufgaben an einen neuen Standort in Bukarest.

Für Diskussionen sorgte erneut Galeria. Der Warenhauskonzern stellt 33 seiner 83 Standorte auf den Prüfstand und will mit Vermietern über Konditionen verhandeln. Der Deutsche Städtetag fordert daraufhin, die betroffenen Kommunen einzubinden, und warnt sonst vor einer Abwärtsspirale für die Innenstädte.

Rund um Sport und Fußball war die Branche ebenfalls aktiv. Adidas verkaufte im Zuge der Weltmeisterschaft viermal so viele Trikots wie beim vorangegangenen Turnier und rechnet mit WM-Erlösen am oberen Ende der eigenen Prognose. MCM und die FC Bayern Frauen schlossen eine zunächst auf zwei Jahre angelegte Partnerschaft, die im Herbst auch in einer gemeinsamen Taschenkollektion münden soll.

Auf die heimische Fertigung zielt der VDMD, der mit dem Projekt „ManuFashion“ ein bundesweites Netzwerk kleiner Fertigungs-Hubs aufbauen und Nachwuchskräfte in die Selbstständigkeit begleiten will. Digital rüstet unterdessen Digel auf und weitet seine Partnerschaft mit Fashion Cloud aus, um sein digitales Showroom-Konzept schrittweise in allen Märkten einzuführen.

Zum Start der Ordersaison meldete sich Angelika Winkler von der Boutique Betty Friedel zu Wort. Im Gespräch wünscht sie sich von Marken mehr Flexibilität und kleinere, saisonnähere Ordertermine, um besser auf die tatsächliche Nachfrage reagieren zu können.

Mode

Nach dem WM-Sieg der spanischen Männer-Nationalmannschaft gratulierten zahlreiche Modemarken auf ihren Kanälen. Adidas als Ausstatter beider Finalisten und Louis Vuitton als Lieferant des Pokalkoffers meldeten sich ebenso wie Puma, Nike und spanische Labels wie Ecoalf und Silbon, das kurzerhand ein Gedenk-Polohemd auflegte.

Auf der Kollektionsseite stellten Breuninger und Sportalm eine gemeinsame Dirndl-Capsule vor und feierten den Launch in Kitzbühel. Adidas übertrug mit Originals Sport erstmals seine Heritage-Designsprache auf funktionale Trainingsmode für Frauen, und Mey startet mit „Bedtime Stories“ ein neues Nachtwäsche-Segment, das zur Herbst/Winter-Saison in den Handel geht.

Einen Blick nach Paris warf die Fotostrecke zu den Streetstyles der Haute-Couture-Woche, die zeigt, wie Besucher:innen der Schauen von Balenciaga, Schiaparelli und Chanel trotz Hitzewelle ihren eigenen Auftritt inszenierten.

Personalien

Im Luxussegment ordneten zwei Häuser ihre Führung neu. Hélène de Tissot wird zum Jahreswechsel neue Finanzchefin von Chanel. Bei der Duftsparte von LVMH übernimmt Yann Musquin Anfang August die Geschäftsführung und soll unter anderem die Marken Givenchy und Kenzo stärken.

Auch im Sport- und Modehandel wurden Posten neu besetzt. Puma holt mit Dusan Hamlin einen erfahrenen Digitalfachmann auf den neu geschaffenen Posten des Vice President E-Commerce. Bei H&M wurde Oldouz Mirzaie im Zuge einer gestrafften Vertriebsstruktur zur neuen Deutschland-Chefin ernannt. Bei Wöhrl verlässt Einkaufs- und Vertriebschef Tobias Triebel das Unternehmen auf eigenen Wunsch, seine Aufgaben übernimmt Eigentümer Christian Greiner.

Ein ausführliches Porträt widmete sich Stephan Künz, dem geschäftsführenden Gesellschafter von Blutsgeschwister, der die eigenwillige Marke seit 2010 prägt und sie zum 25-jährigen Bestehen bewusst neu erfinden will.

Einzelhandel

Mehrere Marken bauten ihre Präsenz in Deutschland aus. Giorgio Armani eröffnete an der Hamburger Luxusmeile Neuer Wall eine neue, größere Boutique samt Armani/Caffè, und Paul & Shark startet mit einer festen Fläche im Alsterhaus. In Dortmund zieht Snipes mit einem größeren Store an den Westenhellweg um und setzt dort auch auf exklusive BVB-Produkte.

Aufsehen erregte ein Bericht, wonach sich Inditex bei Flagship-Immobilien von Peek & Cloppenburg in Düsseldorf, Berlin und Frankfurt einmieten könnte.

Zwei Strukturthemen beschäftigten die Branche. Der Resale-Boom lässt in Großbritannien Secondhand-Läden schließen, während gemeinnützige Anbieter in Deutschland bislang keinen vergleichbaren Trend sehen und eher über die sinkende Qualität der Spenden klagen. Zugleich flammte die Diskussion um verkaufsoffene Sonntage neu auf, wobei Fachleute daran zweifeln, dass längere Öffnungszeiten allein die Innenstädte beleben.

Wie das gelingen kann, beschrieb Innenstadtexpertin Angelika Winkler im ersten Teil ihres Gesprächs, in dem sie erklärt, warum Leerstandsbelebung fast immer an den Eigentümer:innen hängt und der Einkauf heute oft nur noch der Nebeneffekt eines gelungenen Innenstadtbesuchs ist. Wie lebendig inhabergeführter Handel bleibt, zeigt die Kindermodeboutique Geschwisterherz in Kempen, deren Inhaberinnen im Interview über Trends, Beratung und ihren Standort sprechen.

Kultur

Die Victoria and Albert Museen stellten ihr Programm für 2027 vor, das eine immersive Punk-Schau in London und eine Ausstellung zum Schmuckdesign von Vivienne Westwood in Dundee umfasst. Der Fotografie widmet sich Pull&Bear, das beim Festival de Hyères einen neuen internationalen Fotopreis auslobt und sich damit dem Kreis der langjährigen Förderer junger Talente anschließt.


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