• Home
  • Nachrichten
  • Business
  • OEKO-TEX gibt Neuregelungen für 2021 bekannt

OEKO-TEX gibt Neuregelungen für 2021 bekannt

Von Simone Preuss

7. Jan. 2021

Business

OEKO-TEX, die internationale Gemeinschaft für Forschung und Prüfung auf dem Gebiet der Textilökologie, hat ihre Produktanforderungen überarbeitet und am Dienstag die bestehenden Richtlinien des OEKO-TEX Produktportfolios angepasst. Die wichtigsten Änderungen betreffen Recyclingmaterialien im Standard 100, den Leather Standard, Made in Green und STeP, Audits und die Grenzwertkataloge von OEKO-TEX, die nach einer dreimonatigen Übergangsfrist ab 1. April 2021 endgültig in Kraft treten. Hier die konkreten Neuregelungen im Überblick:

Recyclingmaterialien im Standard 100 by OEKO-TEX

Hier hat die Prüfungsgemeinschaft einen Ansatz entwickelt, um im Rahmen des Standard 100 künftig Recyclingmaterialien zu integrieren und so der steigenden Nachfrage aus der Branche entgegenzukommen. Hier sind eine Mindestmenge an Recyclingmaterial, verschiedene Testprogramme je nach Herkunft des Materials und die Definition der benötigten Hintergrundinformationen erforderlich. Ein Hangtag sollte Verbraucher informieren über Recycling im Sinne der Kreislaufwirtschaft aufklären.
„Recycelte Materialien sind jedoch schwer zu zertifizieren. Sie haben durch ihre vorherige Verwendung besondere Anforderungen und unterscheiden sich im Zertifizierungsprozess signifikant von dem des üblichen Neumaterials. Daher sind spezielle Kriterien für die Zertifizierung dieser Materialien nach STANDARD 100 by OEKO-TEX entwickelt worden und erhalten somit auch eine besondere Erwähnung im Zertifikatsumfang”, erklärt die Gemeinschaft.

Leather Standard by OEKO-TEX auch für chrom- und metallfrei gegerbtes Leder

Im Rahmen dieses Standards werden OEKO-TEX-Partnerinstitute künftig auch chrom- und metallfrei gegerbtes Leder zertifizieren. „Diese Naturprodukte werden auf Gerbmetalle mit unterschiedlichen Grenzwerten geprüft und erhalten eine besondere Erwähnung im Zertifikatsumfang”, erläutert OEKO-TEX.

Made in Green und STeP by OEKO-TEX Die Zielsetzung von OEKO-TEX für das nachhaltige Label für Textilien und Lederartikel, Made in Green, ist im Jahr 2021 die systemische Integration von CO2- und Wasser-Fußabdruck, die es Verbrauchern ermöglicht, sich bei jedem Textilprodukt direkt per Scan des Etiketts zu informieren und zu erfahren, welche Auswirkungen die Herstellung des jeweiligen Artikels auf die Ökosysteme hat. Um die Machbarkeit zu evaluieren und zu prüfen, wie CO2- und Wasser-Fußabdruck als integraler Bestandteil ins OEKO-TEX-Portfolio einfließen kann, hat die Gemeinschaft zusammen mit Tag- und Nachtwäsche-Anbieter Calida und dem Nachhaltigkeits-Beratungsunternehmen Quantis bereits Ende 2019 ein Pilotprojekt gestartet.
Made in Green ist weiterhin das wachstumsstärkste OEKO-TEX-Produkt. Die Anzahl gültiger Label stieg im Vergleich zum Vorjahr um 267 Prozent von 1093 auf 4010 an (Stand 31.12.2020), so OEKO-TEX. „Produktlabels wie Made in Green ermöglichen dem Verbraucher durch Transparenz und Rückverfolgbarkeit der Lieferkette, informierte Kaufentscheidungen zu treffen und somit die Nutzung klimafreundlicher und damit nachhaltiger Alternativen.”

Audits

Was seine Audits angeht, so bestätigte OEKO-TEX, dass es aufgrund von Reise- und Kontaktbeschränkungen durch Covid-19 virtuelle Begehungen von Betriebsstätten eingeführt habe. Dies betrifft sowohl die Begutachtungen für Standard 100 und den Leather Standard als auch virtuelle Vor-Ort-Besuche für STeP und Eco Passport-Zertifizierungen.

Neuerungen in den Grenzwertkatalogen

Aufgrund einer aktuellen Risikobewertung der EU hat auch OEKO-TEX seine Grenzwerte für PFOA (Perfluoroctansäure) und Salze sowie PFOA-verwandte Substanzen geändert. So wurde im Eco Passport Titandioxid (TiO2) zum CAS-Nummern-Screening für Partikel mit lungengängiger Größe hinzugefügt und auch die STeP by OEKO-TEX MRSL um TiO2 erweitert. Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) sind Industriechemikalien, die hauptsächlich in Beschichtungen von Textilien wie Outdoor-Kleidung eingesetzt werden.

OEKO-TEX hat zudem gemeinsam mit einem ZDHC Expertenteam ein erstes ZDHC White Paper über Luftemissionen veröffentlicht und im Zuge der Harmonisierung seine Grenzwerte von Schwefeldioxid (SO2) für Luftemissionen fester und flüssiger Brennstoffe im Rahmen von STeP by OEKO-TEX verschärft. Insgesamt sollen die strengen Anforderungen für Rückstände in textilen Materialien auch zu einer geringeren Belastung von Umwelt, Arbeitnehmern und Verbrauchern führen.

OEKO-TEX wird auch 2021 diverse Substanzen aufgrund von neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen beziehungsweise Konformität mit einschlägigen Vorgaben neu unter Beobachtung nehmen. Dies betrifft vor allem einige neue, als SVHC eingestufte Substanzen, die, nach der REACH-Verordnung zum Schutz der menschlichen Gesundheit und Umwelt, mit besonders gefährlichen Eigenschaften identifiziert worden sind. Dazu gehören Diisocyanate, die über Hautkontakt und Inhalation allergische Reaktionen auslösen können. Auch die chemischen Verbindungen Dibutyltin bis(acetylacetonate), 2-Methylimidazol sowie 1-Vinylimidazol werden künftig genau unter die Lupe genommen, verspricht OEKO-TEX.

Alle Neuregelungen für 2021 sind auch über die OEKO-TEX-Website abrufbar beziehungsweise Interessierten steht auch ein kostenloses Webinar am 14. Januar 2021 mit detaillierten Informationen zu allen Neuregelungen zur Verfügung.

Bild: Oeko-Tex Website