Otto will Marktplatzmodell massiv ausbauen

In den kommenden zwei Jahren will der Otto Konzern mithilfe der Marktplatztechnologie enorm wachsen. Das verrieten Markus Stürzekarn und Frank Gallus von otto.de während der gerade zu Ende gegangenen E-Commerce Messe Internet World in München.

Marktplatz ist Hauptwachstumsstrategie

„Der Marktplatz ist unsere Hauptwachstumsstrategie“, sagt Markus Stürzekarn, Leiter Partneranbindung bei Otto.de während seiner Präsentation auf der Münchner Messe. „Derzeit haben wir etwa 800.000 Partner-Produkte auf Otto.de. Im Jahr 2020 sollen es über vier Millionen sein.“ Gelingen soll dieser Kraftakt durch die Anbindung externer Handelspartner auf die Otto-Plattform. Mithilfe eines neu entwickelten B2B-Self-Service-Portals können sich Partner selbst andocken und den Marktplatz eigenständig bespielen. „Wir wollen zum Marktplatz werden“, sagt Stürzekarn mit Nachdruck, „und wir dürfen das Projekt auch so nennen.“

Otto.de: Offener oder geschlossener Marktplatz?

Wie offen der Marktplatz tatsächlich ist, darüber sei man aber noch in der Abstimmung, so Stürzekarn. „Im Moment ist es sicher so, dass wir uns die potenziellen Partner erstmal ansehen und dann entscheiden, ob wir eine Anbindung machen.“ Ob sich später jeder Partner, der bestimmte Bedingungen erfüllt, andocken kann – wie das bei Amazon der Fall ist – werde man sehen. Auch eine Konkurrenzsituation unter den einzelnen Produkten – wie bei Amazon – schließt der Experte nicht aus. Derzeit arbeitet otto.de über die Plattform bereits mit 500 Partnern zusammen, 300 davon seien schon angebunden, wie beispielsweise Mirapodo, Esprit, Mango, Jack Wolfskin, Only und Hilfiger Denim. Jetzt werbe man aktiv um weitere Unternehmen, die sich dem Marktplatz anschließen wollen. Gestartet wurde mit den Segmenten Fashion und Electronics, demnächst soll noch Living hinzukommen.

Je mehr Partner, desto besser für alle

Zur Idee des Marktplatz-Modells gehört, dass Otto nie Eigentümer der Ware wird, sondern sie im Auftrag der Partner über die Website verkauft. Dabei liegen Warenrisiko und Preishoheit beim Partner, Otto stellt den Shop und dessen Weiterentwicklung, das Marketing und bietet zudem diverse Dienstleistungen um Logistik und Fulfillment gegen Aufpreis an. Profitieren kann der Partner zudem von den Realtime Performance Daten seiner Produkte sowie von der Datenanalyse. Die Rechnung ist einfach: Je mehr Partner, desto größer das Sortiment und desto größer wird die Relevanz von Otto für den Kunden. Stürzekarn: „Je mehr Partner wir haben, desto interessanter wird es für alle.“

Bereits heute: 90 Prozent des Umsatzes wird online erzielt

31 Millionen Kunden kann Otto.de laut jüngstem Geschäftsbericht verbuchen. Bereits heute erwirtschaftet Otto mehr als 90 Prozent des Gesamtumsatzes über den vielfach prämierten Onlineshop otto.de und weitere Online-Spezialshops. Im Geschäftsjahr 2017/18, das am 28. Februar abgeschlossen wurde, erwirtschaftete die Unternehmensgruppe ein zweistelliges Umsatzplus im E-Commerce. „Dabei zeigt der Marktplatz mit einem hohen zweistelligen Wachstum die größte Dynamik“, verriet Stürzekarn weiter.

Ob die Strategie aufgeht wird maßgeblich davon abhängen, wie erfolgreich sich Otto gegenüber den Mitbewerbern Amazon, Zalando und Ebay aufstellt, die zu den großen Konkurrenten im Marktplatzgeschäft gehören. Der Konzern hat sich in den letzten Jahren radikal vom Handelskonzern zu einem IT-Handels-Ökosystem umgebaut. Bereits im Mai 2017 verkündete die Otto Gruppe ihr Ziel, sich künftig komplett auf eine Plattform-Strategie auszurichten und ihr kontinuierlich wachsendes Ökosystem an Plattformen, Ressourcen und Dienstleistungen nach außen zu öffnen. Bis zum Geschäftsjahr 2022/23 will 17 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften, in der jüngsten Bilanz brachte es Otto auf 12,5 Milliarden Euro.

Foto: Otto

 

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