Prada wächst um 16 Prozent

Die italienische Prada S.p.A. erzielte im ersten Halbjahr, das am 30. Juni endete, einen Nettoumsatz von 3,05 Milliarden Euro. Zu konstanten Wechselkursen entspricht das einem Wachstum von 16 Prozent, zu tatsächlichen Wechselkursen von elf Prozent. Organisch, also ohne den Beitrag von Versace und zu konstanten Kursen, betrug das Plus fünf Prozent. Im zweiten Quartal beschleunigte sich das organische Wachstum auf sieben Prozent, nach drei Prozent im ersten Quartal.

Die Differenz zwischen den beiden Wachstumsraten geht fast vollständig auf Versace zurück. Die Marke wurde im Dezember 2025 von Capri Holdings übernommen und ist seither konsolidiert, im Vergleichshalbjahr gehörte sie noch nicht zur Gruppe. Alle Prozentangaben der Mitteilung beziehen sich auf konstante Wechselkurse.

Die Einzelhandelsumsätze beliefen sich laut der Mitteilung vom Donnerstag auf 2,63 Milliarden Euro, ein Plus von zwölf Prozent beziehungsweise drei Prozent organisch. Gemessen wurde das an einer zweistelligen Vergleichsbasis von zehn Prozent im ersten Halbjahr 2025. Im zweiten Quartal verbesserte sich das organische Wachstum im Einzelhandel auf fünf Prozent, nach einem Prozent im ersten Quartal. Der Großhandel legte um 40 Prozent auf 299 Millionen Euro zu, organisch um 20 Prozent. Die Lizenzerlöse stiegen um 73 Prozent auf 116 Millionen Euro, organisch um zwölf Prozent.

Konzernvorsitzender Patrizio Bertelli verwies in der Mitteilung auf 22 Quartale ununterbrochenen organischen Wachstums in Folge. Handwerkskunst und Kreativität seien für die Gruppe unverhandelbare Grundpfeiler. Das Umfeld dürfte nach seiner Einschätzung volatil bleiben. Zur Gruppe gehören die Marken Prada, Miu Miu, Church's, Car Shoe, Versace, die historische Pasticceria Marchesi und Luna Rossa.

Bei den einzelnen Marken verzeichnete Prada im ersten Halbjahr ein Wachstum der Einzelhandelsumsätze von 3,3 Prozent. Im zweiten Quartal verstärkte sich dieses Wachstum auf 6,3 Prozent, getragen von flächenbereinigtem Wachstum und Verkäufen zum vollen Preis. Verbesserungen zeigten sich nach Unternehmensangaben in allen Regionen, besonders in Nord- und Südamerika, in Japan und im asiatisch-pazifischen Raum.

Die Einzelhandelsumsätze von Miu Miu stiegen im ersten Halbjahr um 2,5 Prozent. Das zweite Quartal wuchs mit 2,6 Prozent auf dem Niveau des ersten, obwohl die Marke stärker als der Gruppendurchschnitt vom Nahen Osten abhängig ist und sich zudem an einem Vorjahresquartal messen musste, in dem sie 40 Prozent zugelegt hatte. Nach Darstellung von Konzernchef Andrea Guerra hätten die über Jahre gelegten Grundlagen Relevanz und Begehrlichkeit der Marke gegen diese Vergleichsbasis getragen. Robust blieb die Entwicklung in Nord- und Südamerika, im asiatisch-pazifischen Raum und in Japan, während Europa nach Unternehmensangaben verhalten blieb, sich aber verbesserte.

„Der Eintritt von Pieter Mulier markiert den Beginn eines neuen kreativen Wegs“

Versace erzielte im Halbjahr einen Nettoumsatz von 305 Millionen Euro und entwickelte sich damit nach Angaben der Gruppe wie erwartet. Der strategische Fokus liege auf einer höheren Qualität des Umsatzes und einer besseren Umsetzung im Einzelhandel.

„Der Eintritt von Pieter Mulier bei Versace markiert den Beginn des neuen kreativen Wegs der Marke, und wir freuen uns, sein Talent und seine Vision in unserer Gruppe willkommen zu heißen", sagte Guerra. Mulier trat die Position im Juli an, seine Ankunft markierte nach Angaben der Gruppe den Beginn der kreativen Neupositionierung.

Nord- und Südamerika mit plus 37 Prozent, Naher Osten mit minus 24 Prozent

Der asiatisch-pazifische Raum blieb mit 922 Millionen Euro die größte Region und wuchs um 15 Prozent, organisch um sechs Prozent. Prada machte dort im zweiten Quartal nach Unternehmensangaben weitere Fortschritte, Miu Miu wuchs über den gesamten Zeitraum robust.

Europa kam auf 752 Millionen Euro und ein Plus von fünf Prozent, verzeichnete organisch jedoch einen Rückgang von vier Prozent. Im zweiten Quartal verbesserte sich der organische Wert auf minus zwei Prozent, gestützt von einer Erholung der touristischen Ausgaben und der lokalen Nachfrage.

Nord- und Südamerika setzten ihren Wachstumskurs mit einem Plus von 37 Prozent auf 572 Millionen Euro fort, organisch mit 17 Prozent. Das zweite Quartal beschleunigte sich dank gestiegener lokaler Nachfrage. Sowohl Prada als auch Miu Miu profitierten weiterhin von gestärkten Organisationen und den Investitionen der vergangenen Jahre.

In Japan lag das Wachstum bei sechs Prozent und organisch bei zwei Prozent. Zu tatsächlichen Wechselkursen ging der Umsatz dort allerdings um sieben Prozent auf 288 Millionen Euro zurück. Eine Verbesserung im zweiten Quartal war dem soliden lokalen Konsum und einer gestiegenen Nachfrage von Reisenden zu verdanken.

Der Nahe Osten verzeichnete einen Rückgang von 24 Prozent auf 98 Millionen Euro, organisch ebenfalls von 24 Prozent, weil der Konflikt das gesamte zweite Quartal überdauerte. Die Region war damit die einzige, die sich nicht gegenüber dem Vorquartal verbesserte. Der lokale Konsum blieb nach Unternehmensangaben relativ widerstandsfähig und legte im Quartalsvergleich zu.

Marge sinkt auf 17,4 Prozent

Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank auf 530 Millionen Euro von 619 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Die entsprechende Marge fiel auf 17,4 Prozent von 22,6 Prozent. Verantwortlich dafür sind nach Angaben der Gruppe die Einbeziehung von Versace und Wechselkurseffekte. Organisch gemessen sei die unterliegende Profitabilität auf Vorjahresniveau geblieben. Das unbereinigte EBIT lag bei 523 Millionen Euro nach 607 Millionen Euro. Die Bruttomarge gab auf 78,3 Prozent von 80,1 Prozent nach.

Der Nettogewinn der Gruppe belief sich auf 327 Millionen Euro, gegenüber 386 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der operative Cashflow erreichte 627 Millionen Euro nach 696 Millionen Euro.

Die Bilanz veränderte sich binnen eines Jahres grundlegend. Zum 30. Juni 2026 wies die Gruppe eine Nettoverschuldung von 693 Millionen Euro aus, ein Jahr zuvor hatte sie noch über eine Nettoliquidität von 352 Millionen Euro verfügt. Ursache sind die Übernahme von Versace sowie eine Dividendenzahlung von 403 Millionen Euro und Investitionen von 226 Millionen Euro im Berichtszeitraum. Das Nettoumlaufvermögen stieg auf 956 Millionen Euro von 819 Millionen Euro. Die Mittelzuflüsse und die Bilanz bezeichnet die Gruppe selbst als gesund.

Eine Prognose mit Zahlen für das Gesamtjahr enthält die Mitteilung nicht. Guerra kündigte an, die Gruppe werde diszipliniert und agil bleiben und ihr Ziel verfolgen, ein über dem Markt liegendes Wachstum zu erzielen.

Zum 30. Juni 2026 verkaufte die Gruppe in mehr als 70 Ländern über 832 eigene Geschäfte sowie über E-Commerce, ausgewählte Onlinehändler und Kaufhäuser. Sie betreibt 24 eigene Fabriken und beschäftigt 17.816 Menschen.


ODER ANMELDEN MIT
Miu Miu
Prada Group
Versace