Resale-Roboter ‘Vnyx’ fotografiert und bepreist Secondhand-Kleidung

Auf dem 25.000 Quadratmeter großen Gelände von Milieuwerk in der Nähe von Sloterdijk in Amsterdam hat sich eine Gruppe von Markeninhaber:innen, Textilverarbeiter:innen und Investor:innen versammelt. Sie sind für die Einführung von Vnyx zusammengekommen. Dieser Roboter soll den Wiederverkauf in einen attraktiven Markt verwandeln.

Eiskaffee und hausgemachtes Gebäck stehen für die Teilnehmer:innen bereit. Von einem zwei Meter hohen Berg aus Kleidung, der aus ausrangierten Stücken der Metropole besteht, erzählen die Gründer:innen Vincent van der Holst und Romy Goedhart ihre Geschichte. Sie sind die Gesichter hinter Vnyx. „Alle drei Sekunden wird weltweit eine LKW-Ladung Textilien deponiert oder verbrannt. Wir haben dafür eine Lösung gefunden.“

Das gesamte Team hinter Vnyx besteht aus sechs Personen: den Initiator:innen Romy Goedhart und Vincent van der Holst, Balazs Kosa (COO), Guus Balkema (CFO), Ramesh Kumar (CTO) und Hugo Honijk (Chief Robotics).

Vnyx ist der Name einer Reihe innovativer Roboter. Sie sollen dem Wiederverkaufsmarkt in den kommenden Jahren zu mehr Dynamik verhelfen. Derzeit kostet es rund elf Euro pro Kleidungsstück, gesammelte Kleidung aus Ballen zu entnehmen, zu sortieren, zu reinigen und zu fotografieren. Anschließend muss sie bepreist, neu etikettiert und in einem Webshop angeboten werden, erklärt Goedhart später gegenüber FashionUnited. Der erste Bot, an dem das sechsköpfige Start-up-Team zwei Jahre lang gearbeitet hat, kann dies schneller und zu einem Bruchteil der Kosten erledigen.

„Die Robotik hat sich schon immer darauf konzentriert, neue, in Massenproduktion hergestellte Mode schneller und billiger zu machen“, erklärt Van der Holst. „Vnyx wendet die Technologie in großem Maßstab auf Secondhand-Artikel, Überbestände und Retouren an.“ Zudem kann die KI die Produktfotografie und Preisgestaltung übernehmen. Das sind normalerweise zeitaufwändige und präzise Aufgaben.

Fleece in zwei Minuten zum Verkauf

Über die Vnyx-Maschine könne nicht zu viel verraten werden, sagt Van der Holst, während er die neueste Version vorführt. Kürzlich wurden zwei Patente angemeldet. Eines für das Aufhängesystem und ein weiteres für die gesamte Montagelinie, auf der die Secondhand-Artikel mit Hilfe von Robotern und KI verarbeitet werden.

Stellen Sie sich eine hohe Einschienenbahn mit Stationen vor. In einer Sekunde klickt Van der Holst einen Fleecepullover mit Lava-Print auf einen ‚smarten‘ Kleiderbügel, der sich automatisch öffnet. Der Artikel durchläuft ein Fotostudio, danach kann der Computer beginnen, seinen Wert zu bestimmen. Kurz darauf erscheint der Webshop von Boas auf einem großen Bildschirm. Boas ist die Secondhand-Marke, mit der alles begann. Der Fleece kostet 25,99 Euro. Er ist bereits im Verkauf.

Vnyx ist kein Sortierunternehmen. Dafür gibt es andere etablierte Namen, wie die nahegelegene Textilfabrik von Brightfiber Textiles, wo alle Textilien der Stadt getrennt werden können. Vorsortierte Kleidungsstücke gelangen an den Anfang des Vnyx-Systems. Dabei handelt es sich um Artikel mit einer hohen Wiederverkaufswahrscheinlichkeit. In Zukunft könnte dies bei einem Zeeman oder Vestiaire der Fall sein, wobei die Maschine in deren Vertriebszentren steht.

KI

Beim Scannen der Kleidung liest die KI viele Daten aus. Dazu gehören ein angemessener Verkaufspreis, die Marke und die Zusammensetzung. Diese Daten werden sofort in das System der Marke integriert. Van der Holst: „Früher war der Wiederverkauf unrentabel, weil man all diese Schritte selbst herausfinden musste und es billiger war, die Artikel einfach zu verbrennen. Wir haben es geschafft, die Kosten so weit zu senken, dass der Wiederverkauf profitabel ist.“

Jedes Produkt wird im System mit fünf KI-generierten Fotos geliefert, die auf einem attraktiven KI-Model präsentiert werden. Zusätzlich werden zwei echte Fotos des Produkts selbst zur Verfügung gestellt. „In Zeiten von Fake News und KI will der:die Kund:in auch etwas Greifbares sehen“, sagt Van der Holst.

Aus eigener Erfahrung

Ohne Boas hätte es Vnyx nicht gegeben. Während der zwei Jahre, die es dauerte, das Secondhand-Kleidungslabel zu starten, machten die Gründer:innen alles von Hand. Aus dieser Erfahrung haben sie viel gelernt. Sie lernten zum Beispiel, wie wichtig eine flexible Schaufensterpuppe ist, die für verschiedene Silhouetten und Größen geeignet ist. Andernfalls dauert das Fotografieren zu lange. Diese Erkenntnis kam von Balazs Kosa, der heute COO bei beiden Start-ups ist. Er entwickelte die flexible ‚E-Mannequin‘, eine dehnbare Puppe, die im Studio wie ein Fotomodell in hoher Geschwindigkeit ‚eingekleidet‘ werden kann. So können die Kleidungsstücke zügig durch die Maschine laufen. Wiederverkauf am Fließband.

We R

Bei Milieuwerk wird die Vnyx100 ausgestellt. Die erste kommerzielle Version kann bis zu einer viertel Million Artikel pro Jahr auf die Websites von Kundenmarken hochladen. Vnyx behält das Eigentum an der Hardware und rechnet dann pro verarbeitetem Produkt ab. Auf diese Weise amortisiert sich die Maschine schnell und die Marken müssen nicht selbst Millionen aufbringen, erklärt Van der Holst. „Wir betreiben dieses System bereits für Boas, Decathlon und Bever. Mit dem größten System zielen wir auf internationale Fulfillment-Zentren, große Modemarken und Wiederverkaufsplattformen ab. Auch Sortierzentren wie das hier in Amsterdam gehören zur Zielgruppe.“ Ein Pilotprojekt läuft auch in einem der größten Vertriebszentren Europas, das 400 Modemarken als Kund:innen hat. Den Namen kann er vorerst nicht nennen.

Hinter den Kulissen ist die nächste Version, die Vnyx3000, fast fertig. Sie wird 2027 ausgeliefert. Milieuwerk hat dafür unterschrieben: Nächstes Jahr werden an diesem Standort drei Millionen Kleidungsstücke verarbeitet. Ein Name für die Zusammenarbeit wurde bereits gewählt: ‚We R‘. Van der Holst: „Der Roboter nimmt die mühsame Arbeit ab und macht den Wiederverkauf endlich rentabel. So bleibt mehr wertvolle Arbeit für die Menschen bei Milieuwerk.“ Er bezieht sich auf Aufgaben wie das Glattstreichen des Stoffes oder das Ausbügeln einer Falte. Das wird bald in weniger als einer Minute erledigt sein, verspricht der Gründer. „Wir haben mit 20 Minuten für den gesamten Prozess begonnen, jetzt sind es nur noch zwei.“

‚Ohne Automatisierung werden wir es nie schaffen‘

Eine Million Euro wurde in die Forschung und Entwicklung für die Vnyx100 investiert. Das Wachstumskapital stammt von einer Mischung aus Angel-Investor:innen, darunter Baltic Business Angels; Impact-Partner:innen wie Stichting DOEN und Earthstar; Squads und Spark Design als Engineering-Investor. Hinzu kommen Subventionen der niederländischen Regierung (RVO).

Für die nächste Runde sind rund drei Millionen Euro an VC-Wachstumskapital und weitere zwei Millionen an europäischen Subventionen geplant. Damit sollen drei große Systeme aufgebaut werden, von denen das erste bereits vergeben ist.

Van der Holst ist überzeugt, dass die Maschine zur europäischen Wende beitragen kann. „Ohne Automatisierung werden wir das europäische Mandat, 55 Prozent der Textilien zu verkaufen und zu recyceln, niemals erfüllen.“ „Die Stärke Chinas – die Auslagerung in eine Gigafactory – funktioniert hier nicht. Secondhand ist lokal, man transportiert eine einzigartige Jacke nicht um die halbe Welt.“

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