Die Start-up-Fabrik Rocket Internet sitzt nach den Börsengängen einiger wichtiger Beteiligungen auf einem üppigen Finanzpolster von gut zwei Milliarden Euro. Mit einem größeren Investment will sich Vorstandschef Oliver Samwer jedoch weiter Zeit lassen, er wartet auf die richtige Gelegenheit. Die habe sich bislang noch nicht geboten, deutete er am zur Vorlage der Zwischenbilanz in einer Telefonkonferenz am Freitag an. "Kurzfristig ist nichts geplant."

Die Kursturbulenzen an den Aktienmärkten bescherten Rocket Internet unterdessen Bewertungsverluste der Beteiligungen im dritten Quartal. Rocket Internet wies deswegen für die ersten neun Monate einen Konzerngewinn von 296 Millionen (Vorjahr: minus 44 Mio) Euro aus, nachdem bereits im ersten Halbjahr hier 297 Millionen Euro zu Buche gestanden hatten. An der Börse bröckelten die anfänglichen Gewinne am Morgen schnell auf ein moderates Kursplus von rund einem halben Prozent ab.

Dennoch gibt sich Samwer "sehr zufrieden" mit dem bisherigen Jahresverlauf. Die wichtigsten Beteiligungen des Unternehmens kommen nach den ersten neun Monaten auf ein Erlösplus und konnten ihre Margen überwiegend verbessern - arbeiten jedoch weiterhin nicht profitabel. Hierzu gehören etwa der Kochboxenversender Hellofresh und die in der Gobal Fashion Group (GFG) zusammengefassten Modeunternehmen. Die afrikanische E-Commerce-Plattform Jumia konnte auch dank deutlich mehr Kunden ebenfalls zulegen.

Rocket Internet gründet Firmen und investiert in junge Unternehmen. Die aus der Sicht des Managements vielversprechendsten wurden bislang an die Börse gebracht: Nach Zalando, der inzwischen zu Europas größtem Modehändler anvanciert ist, sind nun auch die beiden Online-Möbelhändler Home24, Westwing, Hellofresh und der Essenslieferant Delivery Hero aktiennotiert.

Allein der im vergangenen Monat erfolgte Börsengang von Westwing spielte 122 Millionen Euro ein. Medienberichten zufolge bereitet sich als nächstes die Global Fashion Group auf ihr Börsendebut im kommenden Frühjahr vor. Samwer lehnte hierzu einen Kommentar ab. Die GFG-Unternehmen sind ausschließlich in Wachstumsmärkten wie Osteuropa, Asien und Brasilien tätig.

Rocket Internet hatte zuletzt bei der Suche nach neuen Startups auch andere Bereiche ins Auge gefasst, etwa Fintechs, Software-Unternehmen oder Firmen, die sich mit künstlicher Intelligenz befassen. Ein neues Juwel hat sich bislang aber noch nicht gefunden. Die neuen Unternehmen hätten noch nicht die notwendige kritische Masse erreicht, so Samwer.

Seine gute Kapitalausstattung hat Rocket Internet in den vergangenen Monaten deshalb für Aktienrückkäufe verwendet. Vor zwei Monaten hatte das Unternehmen angekündigt, bis September kommenden Jahres eigene Aktien im Wert bis maximal 150 Millionen Euro zurückzukaufen. Bis zum 23. November waren bereits Papiere im Wert von gut 46 Millionen Euro zurückgekauft. (dpa)

 

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