„Schneller als je zuvor“: Warum Zalando auf KI setzt
Ein Thema stellte der Berliner Online-Modehändler Zalando SE besonders in den Vordergrund, als er am vergangenen Donnerstag seine aktuellen Jahresresultate sowie die Marschroute für die Zukunft präsentierte: den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Davon verspricht sich das Management zukünftige Wachstumsimpulse. Es konnte aber auch bereits konkrete positive Effekte beziffern. „Für uns bei Zalando ist KI mehr als ein Werkzeug. Sie ist ein starker Katalysator für Innovationen, die Wachstum und Effizienz steigern“, betonte Co-CEO David Schröder im Rahmen der Präsentation.
Erfolge beim Einsatz von KI erzielte der E-Commerce-Spezialist demnach in ganz verschiedenen Bereichen – vom digitalen Auftritt über den Verkaufsprozess bis zur Logistik. Sie demonstrierten die umfassende Integration von KI-Lösungen in das Geschäftsmodell und erhöhten nach Angaben des Konzerns bereits im vergangenen Jahr „die Effizienz und Produktivität im gesamten Unternehmen“. Dabei stützt sich Zalando auf einen gewaltigen Datenbestand, der über Jahre aufgebaut wurde und nun die Grundlage für neue, differenziertere Anwendungen bildet.
Massive Ausweitung der KI-basierten Content-Produktion
Besonders tiefgreifend waren die Auswirkungen auf das Marketing. 2025 habe das Unternehmen „seine KI-generierten Produktinhalte innerhalb eines Jahres von fast Null auf 90 Prozent“ skaliert, erklärte Zalando und benannte die konkreten Vorteile: „Dies reduzierte die Erstellungszeit für Kampagnen von sechs Wochen auf wenige Tage und steigerte die Anzahl der erstellten Inhalte um 70 Prozent.“ Die Geschwindigkeits- und Produktivitätsvorteile seien ohne eine Erhöhung der entsprechenden Kosten erzielt worden, betonte das Management.
Graduelle Verbesserungen konnte der Onlinehändler auch in anderen Anwendungsbereichen präsentieren: Durch die präzise Personalisierung der Angebote sei die Anzahl der Artikel in den Warenkörben der Kund:innen um 13 Prozent gestiegen, gleichzeitig sei die Zahl der „größenbedingten“ Retouren durch datenbasierte, KI-gestützte Größenempfehlungen um acht Prozent verringert worden. Hoffnungen setzt das Unternehmen auch in die weitere Optimierung seines KI-gesteuerten Discovery-Feeds, mit der die Personalisierung des Such- und Einkaufserlebnisses weiter vertieft werden soll.
Fortschritte in der Logistik und IT-Entwicklung
Fortschritte machte Zalando auch bei der Planung seiner Lieferprozesse. Durch den Einsatz von KI-Modellen sei die Echtzeit-Präzisierung von Lieferterminen im Laufe des vergangenen Jahres um 22 Prozentpunkte verbessert worden, erklärte das Unternehmen. Dies sei ein signifikanter Fortschritt in einem Bereich, der bei den Kund:innen hohe Priorität habe.
Auch in der IT-Entwicklung, für die bei Zalando 3.000 Mitarbeiter:innen zuständig sind, führte der Einsatz von KI-Tools zu einer erheblichen Beschleunigung. Das Unternehmen habe im vergangenen Jahr „einen Zuwachs von über 20 Prozent bei Code-Änderungen“ registriert, erklärte das Management.
„Wir bewegen uns schneller als je zuvor“, betonte Co-CEO Robert Gentz im Rahmen der Präsentation. Projekte, die früher Jahre in Anspruch genommen hätten, könnten nun innerhalb von Wochen realisiert werden.
Zalando will Vorreiter beim „Agentic Commerce“ werden
Die nächsten Schritte hat das Management schon im Visier. So setzt Zalando darauf, in Europa eine Vorreiterrolle im Agentic Commerce einzunehmen. Dies sei „ein Zukunftsmarkt, der bis 2030 voraussichtlich einen Anteil von 15 Prozent am Online-Einzelhandel erreichen wird“, erklärte das Unternehmen.
„Als einer von nur zwei europäischen Startpartnern für Googles Universal Commerce Protocol baut Zalando das Fundament für die Entdeckung und den Kauf von Mode- und Lifestyle-Produkten direkt über KI-Chatbots wie Gemini“, heißt es in einer Mitteilung. „Da Zalando von Conversational-AI-Systemen schon heute bevorzugt als Modeplattform empfohlen wird, sichert sich das Unternehmen durch diese frühe Integration den Zugang zu neuen Zielgruppen.“
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