Schuhfachhandel: Krise beschleunigt Strukturwandel

Der stationäre Schuhfachhandel in Deutschland muss weiter mit sinkenden Umsätzen rechnen. Zu den aktuellen Corona-bedingten Einbußen kommen strukturelle Veränderungen hinzu, die sich schon länger abzeichnen. Fazit des aktuellen Branchenbericht Schuhe des IFH Köln: Der Umsatzverlust des stationären Schuhfachhandels ist nicht aufzuhalten.

Schuhmarkt mit zweistelligem Minus

Für 2020 muss im Schuhmarkt mit einem Umsatzminus im zweistelligen Prozentbereich gerechnet werden. Zwar könne der Fachhandel seine Position online ausbauen, „jedoch dürften die Onlineaktivitäten in der Summe nicht ausreichen, um den Anteilsverlust des Fachhandels insgesamt aufzuhalten“. Zu diesem Ergebnis kommt der neue „Branchenbericht Schuhe“ des Marktforschungsinstituts IFH Köln und der BBE Handelsberatung. Für 2020 ist im Schuhmarkt mit einem Umsatzminus im mehr oder weniger deutlich zweistelligen Prozentbereich zu rechnen. Der Einzelhandel mit Schuhen verlor allein im April fast 70 Prozent des Umsatzes.

Onlinehandel steigt stärker als erwartet

„Der stationäre Schuhfachhandel wird seit Jahren zunehmend von anderen Vertriebskanälen bedrängt. Die Coronakrise beschleunigt nun diesen Strukturwandel. Der Anteil der Versender und Internet-Pure-Player wächst dieses Jahr besonders, da sie vom Shutdown im Frühjahr nur bedingt betroffen waren“, so Hansjürgen Heinick, Senior Consultant am IFH Köln. Auch im Online-Schuhhandel stiegen die Zuwachsraten beachtlich. Die Autoren der Studie gehen deshalb davon aus, dass „ein Teil der Konsumenten, die sich dieses Jahr an den Onlinekanal gewöhnt haben, auch in Zukunft vermehrt online einkaufen werden.“ Der Anteil des Onlinehandels werde daher voraussichtlich deutlich stärker ansteigen als zuvor erwartet und Onlinemarktplätze werden zunehmend als digitale Schnittstelle zur Kundschaft dienen.

Neue Segmente greifen Marktanteile ab

Doch nicht nur der Onlinekanal kann immer mehr Anteile gewinnen: Auch Anbieter aus anderen Bereichen wie Mode oder Sport greifen die Nachfrage ab. Hinzu kommen nachlassende Frequenzen in den Innenstädten. Dies wirkt sich auch auf die Entwicklung der Filialisten aus. Zalando, Amazon, einzelne Schuh-Spezialisten oder auch größere Onliner mit Bekleidungsschwerpunkt gewinnen deutlich und anhaltend Marktanteile im Schuhmarkt hinzu.

Chance: Konsument will lokal kaufen

Auch eine entgegengesetzte Entwicklung wurde im Zuge der Pandemie stärker: Die Rückbesinnung auf den lokalen Handel. „Die teilweise beobachtete Hinwendung der Konsumenten zum lokalen, kleinbetrieblichen Fachhandel könnte zumindest eine Chance darstellen“, heißt es in dem Bericht weiter. Inwieweit diese Tendenz langfristig Bestand hat, ist jedoch völlig ungewiss.

Die komplette Studie mit detaillierten Ergebnissen zum Einkaufs- und Konsumverhalten der Konsumenten kann über den IFH Shop bezogen werden.

Foto: FashionUnited

 

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