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Schuhmarkt: Automatisierung, Konsolidierung als Erfolgsgaranten?

Von Prachi Singh

6. Okt. 2017

Business

Allein im Jahr 2016 wurden mehr als 21 Milliarden Paar Schuhe weltweit produziert. Das bedeutet, für jede Person weltweit wurden etwa drei Paar Schuhe hergestellt. Laut der Marktforschung von IndexBox soll der globale Schuhmarkt, getrieben vom weltweiten Bevölkerungswachstum, in den nächsten neun Jahren weiter anwachsen. Dementsprechend wollen Schuhmarken mit einem schnellen Auslieferungs-Konzept die Nachfrage stillen. Sind Vollautomatisierung der Schuherstellung und Konsolidierung die richtigen Mittel, auf die erhöhte Nachfrage zu reagieren?

Ist Automatisierung in der Schuhproduktion die Zukunft?

Die Herstellung modischer Schuhwaren basiert zum großen Teil auf Handwerk und von Hand hergestelltem Schuhwerk. Diese zeitaufwendige Fertigung kann nun von Spezialmaschinen unterstützt oder sogar ersetzt werden, um eine Massenfertigung von Schuhen zu erreichen. Nichtsdestotrotz verlässt sich die Schuhindustrie bisher hauptsächlich auf Handarbeit.

Das ändert sich jedoch: Laut Zahlen, die von der International Labour Organization im Juli vergangenen Jahres veröffentlicht wurden, könnten 137 Millionen asiatischer Arbeiter wegen der Automatisierung ihre Arbeitsplätze an Roboter verlieren. Im Januar diesen Jahres mahnte das US Census Bureau, dass selbst in den USA bis 2020 etwa fünf Millionen Arbeiter wegen der Automatisierung ihre Arbeit verlieren könnten.

Marken wie Adidas betreiben bereits vollautomatisierte Fabriken, zum Beispiel im fränkischen Ansbach, und Nike hat laut Fortune in ein Start-Up namens Grabit investiert, das Elektroadhäsion für die automatisierte Fertigung nutzt. So füllt die Brand ihre Fabriken mit Maschinen, die 20 Mal schneller arbeiten als menschliche Arbeiter. Bis Jahresende will Nike etwa ein Dutzend dieser Roboter in China und Mexiko im Einsatz haben.

Bis 2020 erwartet Adidas, etwa die Hälfte aller Umsätze mit automatisiert hergestellten Produkten zu generieren. So sollen auch die Läden von dem schnelleren Warenwechsel profitieren und besser mit der Nachfrage Schritt halten können. Die im Dezember 2015 in Deutschland eröffnete “Speedfactory” setzt ‘Intelligent Robotic Technology’ ein, um Schuhe zu produzieren. Im April gab das Unternehmen bekannt, dass es ab Herbst/Winter 2017 5.000 seiner Futurecraft 4D Schuhe mit 3D-gedruckter Sohle anbieten will.

Morgan Stanley sagt voraus, dass 20 Prozent des Produktionsvolumens für Nike Inc. und Adidas AG bis 2023 von automatisierten Fabriken übernommen werden könnte, eine Entwicklung, die durch ein sogenanntes ‚Buy now Wear now‘-Shoppingerlebnis unterstützt werden soll, das durch den Wandel hin zum E-Commerce begünstigt wird.

Das bedeutet, dass Arbeiter in den Hauptproduktionsländern in Asien, wie Vietnam, Kambodscha oder Bangladesch zum großen Teil ihre Jobs verlieren werden. Auch wenn Unternehmen ihre Schuhproduktion in die Heimatländer wie die USA oder Deutschland zurückholen, entstehen dadurch vor Ort kaum neue Jobs. Die Schuhherstellung der Zukunft läuft mehr oder weniger ohne menschliche Handarbeit ab. Ein Report der International Federation of Robotics, den Morgan Stanley zitiert, geht von 1,3 Millionen neuen Robotern aus, die in den kommenden drei Jahren in den Fabriken installiert werden.

Doch auf industriellem Maßstab haben die Roboter noch Nachholbedarf, so Adidas CEO Kasper Rorsted gegenüber der Financial Times: „Die größte Herausforderung für die Schuhindustrie ist es, einen Roboter zu entwickeln, der Schnürsenkel einfädeln kann. Dafür gibt es noch keine Technologie.”

Konsolidierung - der Schlüssel zum Erfolg?

Was Zusammenschlüsse und Akquisitionen angeht, beweisen sich Schuhmarken als lukrative Deals. Zwei jüngere Beispiele bestätigen diesen Trend. Nachdem die Michael Kors Holdings kürzlich Jimmy Choo kaufte, folgte Aldo deren Beispiel und akquirierte die Camuto Group. Weitere Beispiele wären die komplizierten Merger und Akquisitionen wie den Steve Madden-Schwartz & Benjamin-Deal, der Erwerb von Easy Spirit durch Marc Fisher und der Kauf von Caleres an Allen Edmonds. Die Häufung dieser Käufe weist darauf hin, dass die Konzerne versuchen, mittels Vergrößerung selbst dem Gefressenwerden zu entgehen.

Wie Canaccord Genuity Inc. Analyst Camilo Lyon der Fachzeitschrift Footwear News erklärte: „Diese Zusammenschlüsse sind bezeichnend dafür, wie schwierig die Marktsituation gerade ist. Es gibt immer weniger Unternehmen, denen es gut geht und das schafft Gelegenheiten für die ohnehin schon übermächtigen Player, ihre Portfolios weiter zu stärken.“

Brachenkenner weisen auch darauf hin, dass ein Gesamtanstieg der Konsumkultur das Wachstum des Marktes begünstigt. Leichtere Verfügbarkeit, ein breites Sortiment, höhere Werbeausgaben und Marketingbemühungen der führenden Brands und Onlinehändlern werden als Faktoren für das Wachstum des Schuhmarktes genannt.

Geografischer Konsumanstieg

Laut einer Studie der Transperency Market Research soll der Konsum von Schuhwaren in den zehn Jahren zwischen 2015 und 2025 weltweit um eine CAGR-Rate von 5,1 Prozent ansteigen, was bedeuten würde, dass 2025 etwa 40 Milliarden Paare jährlich hergestellt würden.

Der Report fügt hinzu, dass der Schuhkonsum je nach Region stark schwanken wird. In den USA soll sich beispielsweise der Fitnesstrend weiter fortsetzen und so den Schuhkonsum beeinflussen. Sport- und bequeme Schuhe sollen dort weiterhin das Hauptaugenmerk bleiben.

Der europäische Schuhmarkt wird, so die Vorhersage, andere, neue Schuhvarianten und -styles bevorzugen, ebenso wie ökologische Alternativen. Aktuelle Modetrends und die weiter zunehmende Frauenbeschäftigungsrate weisen auf einen Anstieg der Nachfrage nach Schuhen hin, die nicht sportlich sind, sondern eher formell. Auch fair produzierte oder recycelte Schuhe sind in Europa auf dem Vormarsch. Abgesehen von Großbritannien soll der Konsum in Frankreich, Spanien, Italien, Deutschland und den Niederlanden weiter steigen.

Eine Studie von IndexBox zeigt auch, dass die Nachfrage in Asien weiter steigen wird. Bevölkerungswachstum, veränderter Lebenswandel und höheres verfügbares Einkommen sind alles Faktoren, die zu dieser Entwicklung beitragen.

Lederschuhe sind weiterhin die sichere Bank

Wenn es um Produkttypen geht, ist der Markt in ‚athletic‘ und ‚non-athletic‘ aufgeteilt. Non-Athletic stellt dabei den größeren Posten dar.

Lederschuhe bleiben weiterhin der größte und teuerste Markt der Welt, wenn man einem Report von Which Country glauben schenken will. Nach Exportwert gingen 54,6 Milliarden Dollar auf die Kappe von Lederschuhen, und das obwohl der Wert chinesischer Schuhwaren zwischen 2014 und 2016 um 12 Prozent gefallen ist. Während die Produktionskapazität Italiens in Sachen Schuhen gerade einmal 1,5 Prozent der Schuhe, die in 2015 in China hergestellt wurden, ausmacht, standen die Abverkäufe italienischer Schuhwaren mit 7,7 Milliarden Dollar auf dem zweiten Platz hinter China. .

Andererseits zeigt ein aktueller Report mit dem Titel “The Need for Speed Hits Athletic Wear,” von Jay Sole, dem führenden Bekleidungs- und Schuhwarenanalysten von Morgan Stanley, dass Sportschuhmarken derzeit ihre Lieferketten überarbeiten, um rivalisierende Kategorien künftig zu überholen.

Die Athleticwear-Kategorie erfreut sich seit langem eines starken Wachstums. Seit 2007, so die Studie, stiegen die weltweiten Umsätze mit Sportbekleidung um 61Prozent. Schnellere Lieferketten, so Sole, könnten helfen, dieses Wachstum auf Jahre auszubauen. Morgan Stanley erwartet für die Kategorie einen Wertanstieg auf 355 Milliarden Dollar in 2021, von aktuellen 290 Milliarden Dollar.

Während die gesamte Sportswearbranche wächst, sollen laut Sole die großen Marken am meisten von Optimierungen in den Lieferketten profitieren können. So werden sie 68 Prozent des Umsatzwachstums der nächsten fünf Jahre abbekommen.

Nordamerika zeigt sich als der größte Schuhwarenprofiteur

Der gleiche Report von IndexBox zeigt auch, dass nach Regionen Nordamerika den meisten Umsatz macht. 2016 gingen 35,6 der gesamten Umsätze der Marktes an diese Region. Die zunehmende Anzahl an Sporttreibenden hilft natürlich den Abverkäufen von Sportschuhen.

Insgesamt war das vergangene Jahrzehnt geprägt von starken Schuhexporten weltweit. Das Volumen stieg um 25 Prozent auf 13,9 Milliarden Paar und der Wert stieg um 78 Prozent auf 122 Milliarden Dollar. Allerdings sind in den vergangenen beiden Jahren die Exporte um sechs Prozent gefallen und das Exportvolumen um 8 Prozent. Asien verlor seit 2012 zwei Prozentpunkte seines weltweiten Exportanteils. Europa hingegen konnte im gleichen Zeitraum 3 Prozentpunkte zulegen und somit den Abwärtstrend der Jahre zuvor umkehren.

China bleibt weiterhin führend wenn es im weltweite Exporte geht. Mit einer Quote von 67,3 Prozent 2016 führt China vor Vietnam. China produzierte 2016 12,6 Milliarden Schuhe oder 66 Prozent der weltweit hergestellten Schuhe mit einem Exportwert von 47,8 Milliarden Dollar. Das Land stillt damit nicht nur die riesige Nachfrage auf dem eigenen Markt, sondern trägt damit auch den Löwenanteil an den internationalen Schuhexporten.

An zweiter Stelle der weltweiten Schuhproduktion steht Indien: Mehr als 2.1 Milliarden Schuhe wurden dort produziert, zu einem Wert von 2.7 Milliarden Dollar. Danach folgt Brasilien, dessen Output von 900 Millionen im Jahr 2014 auf 895 Millionen Paar im vergangenen Jahr fiel. Dennoch exportierte das Land Schuhe im Wert von 1,2 Milliarden Dollar.

Indonesien hat im vergangenen Jahr eine Milliarde Schuhe hergestellt und Schuhe im Wert von 4.6 Milliarden Dollar exportiert. Die niedrigen Löhne und gute Qualität der Schuhe lockt aktuell internationale Schuhhersteller in das Land.

Vietnams Schuhproduktion war ebenfalls erwähnenswert: 760 Millionen Paar Schuhe wurden im vergangenen Jahr hergestellt und Exportware im Wert von 16,2 Milliarden US-Dollar in Form von Leder und Schuhen exportiert. Laut des vietnamesischen Ministeriums für Industrie und Handel sollen 2017 17,88 Milliarden US-Dollarerzielt werden und für 2020 liegt das Ziel bei 24 bis 26 Milliarden US-Dollar.

Mit 295 Millionen Paar Schuhen muss Pakistan einen Rückgang seiner Schuhproduktion hinnehmen. Thailand ist unter Schuhherstellern ein Newcomer, das Land stellte noch vor einem Jahrzehnt weniger als 150 Millionen Schuhe her. Heute ist es mit 245 Millionen Paar unter den wichtigsten Schuhherstellern weltweit und einer der führenden Exporteure in die USA. Insgesamt exportierte das Land im vergangenen Jahr Schuhe im Wert von 622.5 Millionen Dollar.

Auch Mexiko hat einen beständigen Aufstieg als Schuhhersteller hinter sich. 2016 produzierte das Land 245 Millionen Paar und erzielte einen Exportwert von 517,5 Millionen Dollar. Italien stellte im vergangenen Jahr mit 2015 Millionen Paar Schuhen weniger her als in 2015. Der Exportwert lag bei 10,7 Milliarden Dollar. Die Türkei produzierte 175 Millionen Paar Schuhe und erzielte damit einen Wert von 704,4 Millionen Dollar. Das Land verfügt über 6.800 schuhherstellende Unternehmen.

Zusammenfassung: Mit einer zunehmend entspannteren Kleiderordnung auch in Großunternehmen werden bequeme, sportliche und wandelbare Schuhe den Markt zukünftig gemeinsam mit ‚non-athletic‘-Schuhen bestimmen. .

Foto's:Adidas,Nike,Aldo,Michael Kors,Jimmy Choo

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