Schwaches Halbjahr: Gerry Weber gibt Gewinnwarnung ab

Schlechte Nachrichten kamen am späten Dienstnachmittag aus Halle in Westfalen: Der Textilkonzern Gerry Weber International musste in einer Ad-Hoc-Mitteilung einräumen, dass er nach unerwartet schlechten Zahlen in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres seine Ziele für 2014/15 nicht mehr erreichen kann. Das Unternehmen rechnet nun nicht mehr mit einem etwas höheren, sondern mit einem deutlich niedrigeren Betriebsgewinn als im Vorjahr. Trotzdem will es an seinen Expansionsplänen festhalten.

Mit 432,7 Millionen Euro lag der Halbjahresumsatz zwar um 4,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Das war aber lediglich Neueröffnungen und dem Zukauf der Textilkette Hallhuber zu verdanken. Die erwies sich als Lichtblick im insgesamt ernüchternden Zahlenwerk: Ihr Umsatz stieg auf vergleichbarer Fläche immerhin um ein Prozent. Im Retail-Segment Gerry Weber, zu dem neben der gleichnamigen Marke auch die Konzepte Taifun und Samoon gehören, gingen die Erlöse hingegen flächenbereinigt um 4,6 Prozent zurück und verfehlten die Erwartungen damit klar. „Saisonal ungünstige Wetterbedingungen sowie niedrige Kundenfrequenzen in den Innenstädten und Geschäften wirkten sich ebenso negativ auf die Abverkäufe der stationären Verkaufsflächen aus, wie das Konsumverhalten der Verbraucher“, erklärte das Unternehmen.

Neue Filialen und der erstmals konsolidierte Umsatzanteil von Hallhuber sorgten dafür, dass die Einzelhandelserlöse auf Konzernebene um 6,7 Prozent auf 201,3 Millionen Euro wuchsen. Im Großhandelsgeschäft sank der Umsatz 11,8 Prozent auf 197,7 und blieb damit nach Angaben des Unternehmens „deutlich hinter den Erwartungen zurück“. Der Konzern machte namentlich schwache Geschäfte in Russland und anderen osteuropäischen Märkten für den Rückgang verantwortlich.

Der Vorstand rechnet nun damit, dass der Betriebsgewinn im laufenden Geschäftsjahr deutlich sinken wird

Beim Ergebnis machten sich im ersten Halbjahr nicht nur die unerwartet niedrigen Umsätze sondern auch die „überdurchschnittliche Rabattierung von Saisonware in den letzten Monaten“ sowie „expansionsbedingt höhere Fixkosten“ und im Rahmen der Flächenexpansion und der Hallhuber-Übernahme notwendige Abschreibungen in Höhe von 16,3 Millionen Euro negativ bemerkbar. Der operative Gewinn (EBIT) sank daher gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 26,8 Prozent auf 36,2 Millionen Euro.

Die bisherigen Prognosen waren damit nicht mehr zu halten. Nun rechnet der Vorstand für das laufende Geschäftsjahr nur noch mit einem Umsatzanstieg „im hohen einstelligen Prozentbereich“. Zuvor hatte er aufgrund der Hallhuber-Übernahme ein Wachstum um 14 bis 17 Prozent erwartet. Beim operativen Gewinn (EBIT) wird jetzt statt einer Verbesserung um acht bis 16 Prozent ein deutlicher Rückgang um zwanzig bis 25 Prozent prognostiziert.

Ein umfassendes Maßnahmenpaket soll Gerry Weber wieder auf Erfolgskurs bringen

Mit einer Reihe von Initiativen will das Unternehmen nun wieder in die Erfolgsspur zurückkehren. Dazu zählen die Fortsetzung der internationalen Expansion im Einzelhandel, die stärkere Vertikalisierung der Vertriebskanäle und Reformen in den Beschaffungsstrukturen, die einerseits die kurzfristige Produktion und Lieferung aktueller Kollektionsteile und andererseits „eine größere saisonale Flexibilität bei der Warensteuerung“ gewährleisten sollen. Ziel ist zudem die „Implementierung eines strikten Kostenmanagements bei den Sach- und Personalkosten“.

Im Fokus steht außerdem die weitere Integration von Hallhuber, die positive Synergieeffekte zur Folge haben wird. Die Expansion der im Winter übernommenen Kette will Gerry Weber sogar gegenüber den anfänglichen Planungen beschleunigen: „Bereits im laufenden Geschäftsjahr wird die ursprünglich geplante Anzahl von dreißig Hallhuber-Flächeneröffnungen durch die Nutzung des Gerry-Weber Netzwerkes verdoppelt werden können“, erklärte das Unternehmen.

Mit dem Maßnahmenpaket will Gerry Weber auch aufkommenden Zweifeln entgegentreten: Es zeige, dass das Management „schnell und umfassend auf die nicht zufriedenstellende Umsatz- und Ertragsentwicklung der Gesellschaft reagiert hat, um wieder zur ursprünglich geplanten Profitabilität zurückzukehren“, hieß es aus Halle.

 

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