Schweiz: Fabric Loop legt Roadmap für die Textil-Kreislaufwirtschaft bis 2035 vor

Mit der Veröffentlichung der Roadmap 2035 präsentiert die branchenübergreifende Initiative der Schweizer Textil- und Bekleidungsindustrie, Fabric Loop, erstmals einen konkreten Fahrplan für den Aufbau einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft in der Schweizer Textilbranche.

Initiiert wurde Fabric Loop von Swiss Textiles, dem Verband der Schweizer Textil- und Bekleidungsindustrie. Die vorgestellte Strategie wurde gemeinsam mit Vertreter:innenn aus Industrie, Sammelorganisationen, Recyclingunternehmen und der öffentlichen Hand entwickelt und soll den Übergang von einem linearen zu einem zirkulären Textilsystem ermöglichen. Im Zentrum steht der Aufbau von Strukturen, die künftig Reuse, Repair und Recycling koordiniert und die gesamte Wertschöpfungskette miteinander vernetzt.

Transparenz als Grundlage eines neuen Systems

Ein zentrales Anliegen der Initiative ist maximale Transparenz. Fabric Loop will von Beginn an offenlegen, wie das neue System aufgebaut wird, welche Herausforderungen bestehen und wie Material- und Finanzströme künftig nachvollziehbar dokumentiert werden. „Denn Transparenz ist die wichtigste Währung für ein glaubwürdiges und sinnvolles Kreislaufsystem für Textilien“, betont Simone Alabor, Geschäftsführerin von Fabric Loop.

Der Aufbau erfolgt in drei Phasen: Zunächst stehen die rechtlichen Rahmenbedingungen sowie organisatorische und technische Vorbereitungen im Fokus. Mit der operativen Inbetriebnahme soll das bestehende Sammelsystem in das neue Modell überführt werden. Anschließend folgt die Skalierung, in der Innovationen umgesetzt und gesammelte Textilien vermehrt in hochwertige Verwertungskanäle geschleust werden sollen, so dass 2035 die hoch gesteckten Ziele erreicht werden können.

Ambitionierte Ziele bis 2035

Die Roadmap definiert vier messbare Kernziele: Bis 2035 sollen 100 Prozent der gesammelten Textilien in der Schweiz sortiert und 60 Prozent wiederverwendet oder recycelt werden. Es sollen zudem keine Textilien mehr auf Deponien landen und jährlich ein transparenter Bericht über Material- und Finanzströme veröffentlicht werden.

Dabei setzt Fabric Loop auf einen deutlichen Ausbau der Infrastruktur. Heute findet die Textilsortierung in der Schweiz nur in geringem Umfang statt und ist überwiegend auf den Secondhand-Markt ausgerichtet. Künftig sollen automatisierte Sortiertechnologien, robotergestützte Systeme und Faser-zu-Faser-Recycling den Aufbau einer regionalen Kreislaufwirtschaft ermöglichen.

Neue Chancen für Recycling und Secondhand

Für die Branche eröffnet die Roadmap neue Geschäftsmöglichkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Geplant sind Investitionen in Sortierzentren, digitale B2B-Plattformen für Secondhand, Repair-Angebote sowie neue Recyclingkapazitäten. Gleichzeitig sollen Pilotprojekte dazu beitragen, bestehende Lücken zwischen Sammlung, Sortierung und hochwertiger Verwertung zu schließen.

Ein zentrales Ziel ist die Sicherung verlässlicher Materialströme für Recyclingunternehmen. Samantha Anderson, CEO des Cleantech-Unternehmens DePoly, sieht darin einen entscheidenden Hebel: „Fabric Loop unterstützt unsere Skalierung auf vielfältige Weise, indem es für Rohstoffsicherheit sorgt, auf unsere Bedürfnisse abgestimmte Rohstoffe bereitstellt und Investitionssicherheit für Anlagenbetreiber in der gesamten Kette schafft.“

Einführung eines vorgezogenen Kreislaufbeitrags

Fabric Loop macht deutlich, dass die Transformation nur gelingen kann, wenn sämtliche Marktteilnehmer - von Produktionsbetrieben über Händler:innen bis hin zu Online-Plattformen - das neue System finanziell mittragen. Geplant ist ein sogenannter vorgezogener Kreislaufbeitrag (vKB), der ähnlich dem bekannten Recyclingbeitrag bereits beim Verkauf eines Textilprodukts erhoben werden soll. Mit den Einnahmen sollen künftig nicht nur Recycling, sondern auch Repair- und Reuse-Angebote finanziert werden.

Voraussetzung für die Umsetzung bleibt allerdings die Schaffung entsprechender politischer Rahmenbedingungen. Dazu gehört etwa die Schaffung einer Textil-Recycling-Verordnung, die alle Marktteilnehmer gleichermaßen einbindet. Fabric-Loop-Präsidentin Nina Bachmann betont, dass der Wandel nur gemeinsam zu bewältigen ist: „Die Herausforderung, und somit auch die Lösung, ist systemischer Natur. Deshalb haben wir von Swiss Textiles Fabric Loop initiiert, und setzen uns dafür ein, dass alle gemeinsam mitziehen.“


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