Shein investiert 500 Millionen Euro in Polen und baut Logistik-Hub aus

Shein baut seine Logistikbasis in Europa aus. Wie der chinesische Ultra-Fast-Fashion-Riese am Mittwoch mitteilte, investiert er in diesem Jahr 500 Millionen Euro in die Erweiterung seines Europäischen Logistik-Hubs im polnischen Breslau (Wrocław). Damit steigt das Investitionsvolumen des Unternehmens in Polen seit 2022 auf insgesamt eine Milliarde Euro.

Eine Million Quadratmeter und 6.500 Roboter

Nach der Erweiterung umfasst der Hub laut Shein rund eine Million Quadratmeter Lagerfläche, ein Plus von 25 Prozent. Das entspricht etwa 140 Fußballfeldern. Das Unternehmen arbeitet dabei mit dem Logistikimmobilienentwickler Logicor zusammen. Für Sortierung, Bestandsauffüllung und Kommissionierung setzt Shein mehr als 6.500 autonome Roboter ein. Der stärkere Einsatz von Automatisierungstechnik soll die Verarbeitungskapazität und die Effizienz in der Auftragsabwicklung erhöhen. Ziel ist es, mehr Ware näher an den europäischen Kund:innen zu lagern. In einigen Märkten sind Lieferungen aus dem Hub nach Unternehmensangaben bereits innerhalb von 48 Stunden möglich.

Die Belegschaft am Standort soll bis Ende 2026 auf mehr als 10.000 Mitarbeitende wachsen, die in Logistik, Lieferkettenmanagement, Technologie und Lagerbetrieb tätig sind. Shein wäre damit einer der größten Arbeitgeber in der Region Niederschlesien. Nach eigenen Angaben unterstützt das Unternehmen in Breslau zudem mehr als 230 polnische kleine und mittlere Unternehmen, etwa aus den Bereichen Transport, Verpackung und professionelle Dienstleistungen. Auch der Marketplace spielt eine Rolle. Seit dem Start des integrierten polnischen Marktplatzes im April 2025 haben sich laut Shein über 500 polnische Marken und Händler:innen angeschlossen. Die erweiterten Logistikkapazitäten sollen es generell mehr europäischen Marken und Händler:innen erleichtern, Kund:innen in der Region zu erreichen.

Reaktion auf neue Zollregeln

Die Investition fällt in eine Phase regulatorischer Umbrüche. Seit dem 1. November gilt in der EU eine neue Bearbeitungsgebühr für Importe kleiner Pakete aus Drittländern, mit der Brüssel die Flut an Billigsendungen eindämmen will. Zuvor war bereits die Zollfreigrenze von 150 Euro für Sendungen mit geringem Warenwert abgeschafft worden. Für Plattformen wie Shein, Temu oder AliExpress verliert damit das Modell einzelner Pakete direkt aus Asien an Attraktivität. Ware, die bereits innerhalb der EU verzollt und gelagert wird, umgeht diese zusätzlichen Kosten.

Wie FashionUnited berichtete, hatte Shein erst Mitte Oktober einen kooperativen Logistikdienst für Marktplatzverkäufer:innen in Spanien gestartet. Er arbeitet mit GLS, FedEx und CTT zusammen und deckt Routen nach Deutschland, Frankreich, Italien und Portugal ab. Spanien ist das erste europäische Land mit dem Angebot. Zusammen mit dem Ausbau in Breslau zeichnet sich ab, dass Shein seine europäische Infrastruktur und das Marktplatzgeschäft gezielt stärkt.

Betriebsergebnis halbiert, Aktie unter Druck

Zugleich steht das Unternehmen wirtschaftlich unter Druck. Bei den ersten Zwischenzahlen seit dem Börsengang in Hongkong am 1. September meldete Shein für das erste Halbjahr einen Rückgang des Betriebsergebnisses um rund 53 Prozent. Als Gründe nannte das Unternehmen geopolitische Komplexität, eine sich wandelnde Handelspolitik und die höhere Inflation, mit der Verbraucher:innen konfrontiert seien. Shein-Gründer Chris Xu betonte, dass Bestellungen und Erlöse dennoch gestiegen seien. Die Aktie gab nach der Veröffentlichung zeitweise um rund zwölf Prozent nach und erreichte ein Tief seit dem Börsendebüt.

Für die zweite Jahreshälfte rechnet Shein weiter mit Belastungen durch Zölle und schwankende Frachtkosten. Im vierten Quartal erwartet das Unternehmen wieder mehr Bestellungen, unter anderem durch das Weihnachtsgeschäft und den Black Friday.


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