„Strategische Transformation“: Lenzing gibt zwei Produktionsstandorte auf

Der österreichische Faserproduzent Lenzing AG hat im Zuge seiner laufenden Reformbemühungen zusätzliche einschneidende Maßnahmen beschlossen.

Am Montagabend verkündete der Konzern, dass er zwei weitere Standorte aufgeben wird. Betroffen sind die Fabriken im österreichischen Heiligenkreuz sowie im britischen Grimsby. In Heiligenkreuz soll die Faserproduktion demnach zum Ende dieses Jahres beendet werden, in Grimsby bis Ende 2027. Das Unternehmen prüfe derzeit noch „strategische Optionen für die betroffenen Standorte, einschließlich eines möglichen Verkaufs oder anderer werterhaltender Lösungen“, heißt es in einer Mitteilung. Zuvor war bereits ein Verkaufsprozess für den Standort PT South Pacific Viscose in Indonesien eingeleitet worden.

Lenzing legt den Fokus auf Vliesstoffe

Hintergrund der nun beschlossenen Maßnahmen sei eine „strategische Transformation des Unternehmens“ mit dem Ziel, angesichts von Veränderungen im Marktumfeld „den Fokus auf Vliesstoffanwendungen zu verstärken und gleichzeitig das Textilgeschäft neu auszurichten“, erklärte Lenzing. Beabsichtigt sei, das Vliesstoffgeschäft „bis 2030 deutlich auszubauen“. Unter anderem sollen dazu Investitionen in die Produktionskapazitäten am Standort Lenzing beitragen.

CEO Georg Kasperkovitz kommentierte die nun verkündeten Schritte. „Wir sind uns bewusst, dass das geplante Auslaufen der Produktion an einzelnen Standorten eine schwierige, aber notwendige Entscheidung ist, die unsere Mitarbeitenden betrifft“, erklärte er in einem Statement. „Mir ist es wichtig, dass wir auch in dieser Situation verantwortungsbewusst gegenüber unseren Mitarbeitern handeln. Derzeit führen wir konstruktive Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über die notwendigen Maßnahmen im Rahmen der bestehenden Sozialpläne und geltenden lokalen Rahmenbedingungen.“

Im Zuge der Standortschließungen rechnet der Konzern mit Wertminderungen im Umfang von bis zu 150 Millionen Euro. Diese würden voraussichtlich „das Konzern-EBIT sowie das Konzernergebnis 2026 negativ beeinflussen“, hätten aber „keine Auswirkungen auf das EBITDA im Jahr 2026“, teilte das Unternehmen mit. „Darüber hinaus werden Restrukturierungsrückstellungen im Zusammenhang mit Personalmaßnahmen von bis zu 40 Millionen Euro das EBITDA im Jahr 2026 voraussichtlich belasten.“ Im vergangenen Jahr hatte der Konzern bereits umfangreiche Stellenstreichungen am Hauptsitz in Lenzing beschlossen.

Der Konzern plant eine umfassende Refinanzierung

Gleichzeitig kündigte der Konzern ein umfassendes Refinanzierungsprogramm an. Dieses sieht eine Kapitalerhöhung um 300 Millionen Euro, neue Finanzierungsvereinbarungen im Volumen von 300 Millionen Euro sowie eine „Verlängerung der Laufzeiten bestehender Verbindlichkeiten bis 2030“ vor.

„Der mehrstufige Finanzierungsplan ermöglicht es Lenzing, seine Finanzstruktur nachhaltig zu stärken“, erläuterte Chief Financial Officer (CFO) Mathias Breuer. „Das umfassende Maßnahmenpaket umfasst neues Eigenkapital, wodurch die Gesamtverschuldung reduziert wird, sowie eine Ausweitung der syndizierten Finanzierung.“ Dadurch entstehe „ein Fälligkeitsprofil, das optimal auf die laufende Umsetzung unserer Strategie abgestimmt ist“, betonte Breuer. An der Börse kamen die Neuigkeiten allerdings nicht gut an: Am Dienstagvormittag rutschte der Aktienkurs des Konzerns zeitweise um mehr als 17 Prozent ab.


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