Tankrabatt drückt Inflation im Oktober auf 2,8 Prozent

Tankrabatt drückt Inflation im Oktober auf 2,8 Prozent

Die Teuerung in Deutschland sinkt deutlicher als erwartet. Ökonom:innen rechnen jedoch nicht mit einer dauerhaften Entspannung, denn die Energiepreise bleiben hoch.

Der Tankrabatt hat bei den Verbraucherpreisen in Deutschland im Oktober für deutliche Entlastung gesorgt. Die Inflationsrate fiel auf 2,8 Prozent nach 3,3 Prozent im September, wie das Statistische Bundesamt auf Basis vorläufiger Daten errechnet hat.

„Dass die Inflation unter die Marke von drei Prozent fällt, liegt vor allem am Tankrabatt“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Für eine Entwarnung sei es jedoch zu früh. Die massiv gestiegenen Energiepreise dürften schrittweise andere Güter und Dienstleistungen verteuern. „Um die Jahreswende wird die Inflation wohl wieder über drei Prozent liegen.“

Für Kraftstoffe und Haushaltsenergie mussten Verbraucher:innen im Oktober 12,2 Prozent mehr zahlen als ein Jahr zuvor, wie das Bundesamt mitteilte. Im Vormonat hatte der Preisauftrieb noch bei knapp 15 Prozent gelegen. Nahrungsmittel waren auch im Oktober 0,4 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Dienstleistungen, zu denen unter anderem Pauschalreisen und Restaurantbesuche zählen, verteuerten sich um 2,5 Prozent und damit erneut weniger als in den Vormonaten.

Kaufkraftverlust bleibt hoch

„Der Rückgang der Inflationsrate ist etwas stärker als erwartet“, sagte Michael Heise, Chefökonom beim Vermögensverwalter HQ Trust. „Dennoch wird bei den Verbrauchern keine große Freude aufkommen, denn mit 2,8 Prozent liegt der Kaufkraftverlust immer noch auf sehr hohem Niveau.“ Sprit sei trotz Tankrabatt erheblich teurer als vor einem Jahr, das gelte ebenso für den Energieverbrauch insgesamt.

Kein schnelles Nachlassen der Inflation erwartet

Volkswirt:innen erwarten, dass die Inflation vorerst erhöht bleibt. Der Konflikt zwischen den USA und Iran, der die Energiepreise seit Ende Februar treibt, ist weiterhin ungelöst. „Die Verteuerung von Energie dürfte trotz der befristeten Wiedereinführung des Tankrabatts für die Monate Oktober bis Dezember auf sehr hohem Niveau verbleiben“, heißt es im Monatsbericht der Bundesbank. Zudem könnten infolge des Energiepreisschocks nach und nach andere Preise anziehen, weil Transport und Lagerung teurer werden oder sich Rohstoffe verteuern.

Zweiter Tankrabatt trotz Kritik

Um an der Tankstelle für etwas Entlastung zu sorgen, hatte die Bundesregierung trotz Kritik vieler Expert:innen zum zweiten Mal in diesem Jahr einen Tankrabatt auf den Weg gebracht. Vom 1. Oktober bis Ende 2026 wird die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um rund 14 Cent je Liter gesenkt. Mit Mehrwertsteuer ergibt sich nach Angaben der Koalition aus Union und SPD eine Entlastung von bis zu 17 Cent pro Liter.

EZB dürfte erneut gegensteuern

Energie ist seit Monaten Haupttreiber der Inflation, nicht nur in Deutschland. Im September war die Inflationsrate in Europas größter Volkswirtschaft auf den höchsten Stand seit Dezember 2023 geklettert. Im Euroraum wurde mit 3,8 Prozent der höchste Wert seit drei Jahren erreicht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt für den Euroraum mittelfristig eine Inflation von 2,0 Prozent an, um einen stabilen Euro zu sichern und die Kaufkraft der Menschen zu erhalten. Um den Preisauftrieb zu bremsen, hat sie im laufenden Jahr bereits zweimal die Leitzinsen angehoben. „Verändert sich die Lage nicht, wird die EZB im Dezember aller Voraussicht nach mit einer weiteren Zinsanhebung gegensteuern“, sagte Stephanie Schoenwald, Ökonomin bei KfW Research, der Volkswirtschaftsabteilung der Förderbank KfW.

Nach Einschätzung der EZB müssen sich die Menschen im Euroraum bis mindestens 2027 auf eine erhöhte Inflation einstellen. Für Deutschland rechnen führende Wirtschaftsforschungsinstitute damit, dass die Teuerung von 2,8 Prozent in diesem Jahr auf 3,2 Prozent im Jahr 2027 steigt.


ODER ANMELDEN MIT
Inflation