Textilindustrie 'weit entfernt' von Nachhaltigkeit

Die Bekleidungs- und Textilindustrie hat einen „ökologischen Fußabdruck, der weit von nachhaltig entfernt ist“. Dies sei vor allem den 1,7 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid geschuldet, die die Industrie jährlich erzeuge, so ein Report des Schweizer WWF.

In dem Report mit dem Titel ‘Changing fashion: The clothing and textile industry at the brink of radical transformation’ berichtet der WWF, dass die Modeindustrie Auswirkungen auf die Umwelt habe, die „weit von Nachhaltigkeit entfernt“ seien, diese reichten von Kohlenstoffdioxid-Ausstoss über beträchtlichen Wasserverbrauch und Umweltverschmutzung bis hin zu 2,1 Milliarden Tonnen Abfall, die jährlich produziert würden.

Der weltweite Konsum von Bekleidung hat sich zwischen 2000 und 2014 verdoppelt. Heute kauft durchschnittlich jeder Mensch 5 Kilogramm Kleidung pro Jahr, wobei die reelle Zahl in Europa und den USA um die 16 Kilogramm liegt. Diese Zahl soll weiter zulegen: Laut Vorhersage des WWF soll sie von 62 Millionen Tonnen 2015 auf 102 Millionen Tonnen im Jahr 2030 steigen. Dabei weist der WWF darauf hin, dass die Verringerung der Umweltbelastung bei Modemarken und Händlern an erster Stelle stehen sollte.

Weiter erklärt der WWF: „‚Business as usual’ kann auf lange Sicht weder eine Option für die Industrie noch für den Planeten sein. Um finanziell erfolgreich zu bleiben, müssen Unternehmen ihren negativen Einfluss auf die Umwelt verringern und die ökologischen Grenzen unseres Planeten anerkennen.”

Um ihrer Besorgnis weiter Ausdruck zu verleihen, vergab die Organisation ein Umwelt-Rating an zwölf große Modemarken - basierend auf Daten der Oekom research AG. Dabei wurden Themen wie Klimawandel, Wassernutzung und -verschmutzung, Rohstoffe und das Engagement der Stakeholder berücksichtigt. So wurden die Unternehmen in die Kategorien visionär, ambitioniert, oberes Mittelfeld, unteres Mittelfeld, Spätzünder/intransparent eingeteilt. .

Textilindustrie 'weit entfernt' von Nachhaltigkeit

WWF stellt Ranking der Top-Modemarken nach Umweltbewusstsein auf

Die Ergebnisse zeigten, dass keine der untersuchten Marken es in die höhste Klassifikation, ‚visionär’ schaffte. Dennoch gab es für den schwedischen Moderiesen H&M das Prädikat ‚ambitioniert‘.

Nike, Adidas und Mammut wurden als ‚oberes Mittelfeld’ klassifiziert, während Hugo Boss, Odlo, Calida und die VF Corporation, zu der Timberland und The North Face gehören, im unteren Mittelfeld landeten. Die Marken Triumph, Chicorée, PKZ und Tally Weijl wurden als Spätzünder/intransparent eingestuft, was bedeutet, dass sie sehr wenig Ambition zeigen, sich in Sachen Umweltschutz zu engagieren, oder diese Informationen nicht preisgeben.

Der Report deckte auch auf, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen bisher keinerlei Schritte unternommen hat, dem Klimawandel entgegenzuwirken. Der WWF wies auch darauf hin, dass es „signifikante Lücken“ bei der Nutzung von nachhaltigen Rohstoffen, dem Wasserverbrauch, der Vermeidung von Wasserverschmutzung und der Nutzung gefährlicher Substanzen gebe.

Als Antwort auf diese Ergebnisse fordert der WWF Unternehmen auf, verschiedene Verbesserungen umzusetzen. Sie sollen Strategien entwickeln die es ihnen ermöglichen, innerhalb der ökologischen Grenzen des Planeten zu agieren, insbesondere im Hinblick auf den Klimawandel, Wasserverbrauch und -verwaltung, Rohstoffe, ein gemeinsames Umweltmanagement bezüglich der Lieferketten, die Verwendung von Chemikalien, Investments, Engagement der Stakeholder und Verantwortlichkeit für die öffentliche Ordnung sowie neue Businessmodelle, die Konsum vom Umgang mit Ressourcen loslösen.

Der WWF hat darüber hinaus Konsumenten aufgefordert, ihren Teil zur Reduzierung dieser Probleme beizutragen. Sie sollen weniger Kleidung kaufen, ihre Garderobe vereinfachen, ihre Kleidung waschen, sorgsam behandelt und reparieren, Second-Hand-Kleidung kaufen, ihre alten Kleider tauschen oder verleihen, zu einer Recycling-Stelle bringen, und organische, ökologische und andere qualitativ hochwertige Kleidung kaufen.

Außerdem ermutigt der WWF Konsumenten dazu, „ihre Stimme zu nutzen“ und Freunde zu informieren, sowie ihren Lieblingsmarken Feedback zu geben, bei öffentlichen Abstimmungen mitzumachen und NGOs zu unterstützen.

Foto's: courtesy of H&M

 

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