Treffer! Neue Sourcing-Plattform Foursource bringt Einkäufer und Produzenten zusammen

Bei der Suche nach einem Hotelzimmer muss man nur auf eine Website gehen und seine Präferenzen in Bezug auf Lage, Preis und Ausstattung auswählen. Diese werden dann mit einer Liste von Optionen, die den ausgewählten Kriterien entsprechen, abgeglichen und man erhält ein passendes Ergebnis. Gleiches gilt für diejenigen, die eine Wohnung, einen Job oder sogar ein Date suchen. Warum also gibt es in der Bekleidungsindustrie nicht etwas Ähnliches für das Sourcing?

Foursource, ein deutsches Startup, das 2016 gegründet wurde, will genau das anbieten. Die Plattform ermöglicht es Einkäufern und Herstellern, Profile zu erstellen, die ihr Geschäft, ihr Sortiment, ihre Länder, Zertifizierungen, Zielgruppen und weitere Parameter zusammenfassen. Dann paart ein Algorithmus die Käufer mit ihren idealen Herstellern und umgekehrt. Benutzer können auch die jeweiligen Updates des anderen verfolgen und sich gegenseitig benachrichtigen. Kurz gesagt, Linkedin trifft Match.com für die Bekleidungsindustrie.

Obwohl Foursource erst vor sechzehn Monaten offiziell lanciert wurde, ist es bereits gelungen, Hersteller aus über 60 Ländern für die Plattform zu gewinnen, und die Zahl der Produzenten soll bis Ende des Jahres 20.000 erreichen. Was die Käufer betrifft, so sagt das Unternehmen, dass seine Mitglieder ein Gesamtvolumen von 40 Milliarden US-Dollar haben, dank prominenter Early Adopters wie Mango, Hugo Boss, S. Oliver, Tom Tailor und Debenhams.

FashionUnited sprach mit Louise Leuchtenberger, Mitbegründerin und Leiterin Marketing & PR, um mehr über das Geschäftsmodell und die Pläne des Unternehmens zu erfahren.

Wie funktioniert Foursource?

Das, was unsere Plattform so einfach macht ist, dass die Profile standardisiert sind. Jeder Käufer und Hersteller hat das gleiche Profil, alles folgt den gleichen Standards. Die Verallgemeinerung der Profilformulierung war eigentlich eine der kniffligsten Aufgaben, die wir anfangs zu erledigen hatten, denn Hersteller in Indien können andere Begriffe verwenden als beispielsweise Hersteller in den USA. Also wollten wir sicherstellen, dass jeder den anderen verstehen kann.

Man kann sich das wie Hashtags vorstellen. Käufer können sagen: "Ich will dies und das und jenes" und dann können Sie Hersteller finden, die dem entsprechen, was sie suchen, ohne die umständlichen Prozesse der Einstellung eines Agenten, der Reise zu Sourcing-Destinationen, des Besuchs von Messen und so weiter.

Hersteller können das Tool auch nutzen, um herauszufinden, woran Einkäufer interessiert sind. Wir sind der Meinung, dass viele Hersteller noch lernen müssen, wie man Einkäufer gezielt anspricht: Sie wollen nicht Tausende von E-Mails pro Tag erhalten, und die meisten Anfragen bleiben unbeantwortet, weil sie einfach nicht relevant für sie sind. Damit kann unsere Plattform helfen. Je mehr Informationen Sie uns zur Verfügung stellen, desto mehr sind wir in der Lage, Ihre Suchergebnisse so relevant wie möglich zu gestalten.

Wie stellt Foursource sicher, dass das, was Unternehmen auf ihren Profilen behaupten, wahr ist?

Wir überprüfen die Profile. Zum Beispiel stehen wir in Kontakt mit Zertifizierungsorganisationen, um sicherzustellen, dass die Zertifizierungen, die Hersteller vorgeben zu haben, tatsächlich legitim sind. Benutzer können auch Profile melden, wenn sie der Meinung sind, dass ihre Informationen ungenau sind.

Darüber hinaus planen wir, in Zukunft ein Empfehlungssystem, ähnlich wie bei Linkedin, einzuführen. Leute, die zusammengearbeitet haben, werden füreinander bürgen können. So können wir die Suchergebnisse noch weiter verfeinern: Wenn ein bestimmter Hersteller mit einer Brand gearbeitet hat, das der Größe eines Käufers, den Mindestbestellmengen, dem Preis und dem Qualitätsniveau sehr ähnlich ist, wissen wir, dass es eine gute Übereinstimmung ist.

Wie wird sichergestellt, dass Marken nicht herausfinden können, was ihre Konkurrenten kaufen?

Die Plattform erlaubt es Marken oder Lieferanten nicht, Informationen über ihre Konkurrenten zu verfolgen oder zu finden. Einkäufer können die Profile anderer Einkäufer nicht sehen.

Wie genau macht Foursource den Sourcing-Prozess einfacher?

Viele Einkäufer, mit denen wir zusammenarbeiten, haben früher mit Agenturen zusammengearbeitet. Im Grunde genommen gaben sie der Agentur ein Briefing und die Agentur sollte dann nach geeigneten Herstellern suchen. Ich glaube nicht, dass die Zeit der Agenturen vorbei ist. Aber der Prozess ist oft umständlich. So ist es durchaus üblich, dass Einkäufer später einen anderen Hersteller für ein anderes Projekt benötigen, und dann durchlaufen sie den gleichen Prozess wieder und wieder, nur um herauszufinden, dass sie bereits mit einem Hersteller gearbeitet haben, der dafür geeignet ist. Sie hätten einfach ein größeres Paket bei demselben Hersteller bestellen können, was in der Logistik immer besser ist. Aber sie wussten es einfach nicht, da die Agenturen nur nach dem suchen, wonach gefragt wird.

Erzählen Sie uns ein wenig mehr über die zusätzlichen Funktionen, zu denen zahlende Accounts Zugang haben.

Wir helfen Käufern und Herstellern grundsätzlich, eine langfristige Beziehung aufzubauen. Wir helfen nicht nur bei der Suche nach neuen Partnern, sondern ermöglichen es auch den Anwendern, mit ihrer bestehenden Liste von Herstellern oder Kunden in Kontakt zu bleiben. Sie können eine Liste der Unternehmen erstellen, mit denen Sie zusammenarbeiten, und Updates von diesen erhalten. Es ist wie bei Facebook, wo man über Menschen auf dem Laufenden bleiben kann, die man seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Du weißt immer noch, dass sie ein Haus gekauft und geheiratet haben und wie sie ihren Smoothie am Morgen mögen, weil sie Bilder darüber veröffentlichen. Unsere Plattform ist die gleiche: Unternehmen können Updates über ihren Betrieb austauschen, wie beispielsweise neue Maschinen oder neue Mitarbeiter.

Wir haben auch einen Messaging-Service, der WhatsApp ähnelt, wo Käufer und Hersteller Moodboards austauschen können. Hersteller können auch einen digitalen Ausstellungsraum einrichten, um ihre Design- und Verarbeitungsfähigkeiten zu demonstrieren. Das sind entscheidende Merkmale, denn wir müssen die Hersteller dazu bringen, sich in einem viel früheren Stadium am Beschaffungsprozess zu beteiligen. Unternehmen wie Inditex haben Hersteller, die ihnen ständig Ideen, Trends und Stile präsentieren. Aber kleinere, traditionellere Unternehmen arbeiten nicht so. Zuerst entscheiden sie, was zu tun ist, dann definieren sie, mit welchem Produzenten sie zusammenarbeiten wollen. Das dauert 190 bis 250 Tage, was einfach zu lang ist. Wir glauben, dass dieser Prozess einfach veraltet ist.

Sie haben bereits Mango, Hugo Boss und Debenhams in Ihrer Kundenliste. Wie haben Sie so prominente Marken so früh an Bord geholt?

Zuerst haben wir an mehreren Messen teilgenommen, um unser Unternehmen Einkäufern und Herstellern vorzustellen. Die Unternehmensgründer sind alle sehr erfahren in der Modebranche, so dass wir mit unseren Kontakten im DACH-Raum begonnen haben. Nach einer Weile wurde uns klar, dass wir nicht nur globale Hersteller, sondern auch globale Käufer brauchen, und so begannen wir, mit Verbänden wie der International Apparel Association (IAF) zusammenzuarbeiten und so viele Veranstaltungen wie möglich auf der ganzen Welt zu besuchen.

Was sind die Pläne von Foursource für die Zukunft?

Wir wollen neue Funktionen hinzufügen und unseren Kunden helfen, bessere Profile zu erstellen. Wir wollen auch Lieferanten für Garne oder Stoffe in die Plattform integrieren, was insbesondere für Hersteller und Sportbekleidungsunternehmen von Vorteil ist. Wir werden also dieses Dreieck haben, in dem die Käufer sagen können: "Ok, ich will dieses Material von dieser Firma, zum Beispiel in Bangladesch, kaufen", aber der Bekleidungshersteller wird in Europa sein. Es wird einige Zeit dauern, bis wir das ganze System live bekommen, aber ganz oben auf unserer Prioritätenliste, denn die meisten Einkäufer, die mit komplizierteren Bekleidungsprodukten arbeiten, beginnen mit der Suche nach Lieferanten von einzelnen Bestandteilen. Deshalb ist es für uns sehr wichtig, sie ebenfalls auf der Plattform zu haben.

Dieser Artikel wurde zuvor auf FashionUnited.uk veröffentlicht. Übersetzung und Bearbeitung: Barbara Russ

Wer legt die Grundsteine für die Modewelt von Morgen? In der Serie 'Fashion & Tech Start-ups' Serie stellt FashionUnited Newcomer aus dem deutschsprachigen Raum vor, die Bekleidung und Technologie verbinden.

Foto:Foursource

 

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