US-Studie zum Secondhand-Markt: Schlechte Retourenerfahrungen kosten Marken ihre Loyalität

Die Gen Z ist die treibende Kraft hinter dem Secondhand-Handel in den Vereinigten Staaten. Eine wachsende Zahl jüngerer Konsument:innen ist jedoch bereit, sich nach einer schlechten Erfahrung mit Rückgaben oder Rückerstattungen vollständig von einer Marke abzuwenden. Damit rückt das Vertrauen nach dem Kauf in den Mittelpunkt der nächsten Wachstumsphase des Wiederverkaufs.

60 Prozent der Gen Z haben nach einer negativen Retourenerfahrung aufgehört, bei einer Marke zu kaufen. Dies geht aus dem neuen ‘2026 Gen Z Shopping Report’ der Post-Purchase-Plattform Seel hervor. Die Ergebnisse des Berichts basieren auf einer Umfrage unter 1.100 US-Verbraucher:innen und deren Online-Kaufverhalten in den letzten zwölf Monaten. Sie kommen zu einem entscheidenden Zeitpunkt für die Resale-Branche.

Der US-amerikanische Markt für Secondhand-Bekleidung wird bis 2030 voraussichtlich 78,8 Milliarden US-Dollar (67,6 Milliarden Euro) erreichen. Dies geht aus Daten hervor, die von GlobalData für den ‘2026 Resale Report’ von ThredUp zusammengestellt wurden. Der Markt wächst jährlich um 7,3 Prozent und damit fast viermal schneller als der gesamte Bekleidungseinzelhandel. Da die Gen Z den größten Teil dieses Wachstums vorantreibt, verlagert sich der Wettbewerb im Wiederverkauf. Er bewegt sich weg von Lagerbestand und Preis hin zu Vertrauen und Loyalität.

Loyalität ist nicht selbstverständlich

Die Generationsdaten aus dem Bericht zeigen, dass die Kluft im Secondhand-Bereich weiter wächst. 57,4 Prozent der befragten Gen Z-Angehörigen kauften in den letzten zwölf Monaten online Secondhand- oder Resale-Artikel. Im Vergleich dazu waren es 52,8 Prozent der Millennials und nur 26,2 Prozent der Gen X. Dieser Vorsprung führt jedoch nicht automatisch zu sofortiger Loyalität.

61,2 Prozent der befragten Gen Z-Angehörigen gaben an, aufgrund einer Rückgaberichtlinie auf einen Online-Kauf verzichtet zu haben. 57,1 Prozent haben nach einer schlechten Erfahrung mit einer Rückgabe oder Rückerstattung den Einkauf bei einer Marke komplett eingestellt. Obwohl dies bei älteren Generationen ein geringeres Problem darstellt, sind die Auswirkungen dennoch erheblich. 54,1 Prozent der Millennials und 42,4 Prozent der Gen X gaben an, eine Marke aus demselben Grund den Rücken gekehrt zu haben.

Mit steigender Kaufkraft der Gen Z werden die Kosten für eine umständliche Retourenabwicklung weiter steigen. Diese Spannung ist wichtiger, als Marken vielleicht denken. Die Gründe, warum jüngere Käufer:innen Secondhand-Mode bevorzugen, sind praktischer, als es einige Branchennarrative oft vermuten lassen.

Gründe für den Secondhand-Kauf

Über alle Altersgruppen und aktiven Secondhand-Käufer:innen hinweg waren die Hauptgründe für den Kauf von gebrauchten Waren ein niedrigerer Preis (54,8 Prozent); ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bei Premium- oder Markenartikeln (39,9 Prozent); und eine positive frühere Erfahrung in dieser Kategorie (38,1 Prozent). Nachhaltigkeit war zwar weiterhin ein wichtiger Faktor, aber für viele mit 27,8 Prozent von geringerer Bedeutung.

Diese praktische Sichtweise überträgt sich auch auf die Gründe, warum Nicht-Käufer:innen die Kategorie meiden. Die größten Hürden waren laut dem Bericht die Unsicherheit über die Zuverlässigkeit der Verkäufer:innen oder der Plattform (24 Prozent); die Vorliebe für neue Artikel (24,5 Prozent); und Bedenken hinsichtlich der Produktqualität oder des Zustands (23,2 Prozent). Einfach ausgedrückt, hängt die Kluft zwischen Secondhand-Käufer:innen und Nicht-Käufer:innen hauptsächlich mit einer Vertrauenslücke zusammen. Und für die Resale-Plattformen, denen es gelingt, diese Lücke zu schließen, ist der Erfolg beträchtlich.

Post-Purchase wird zum Wachstumstreiber

Dieselbe Vertrauensdynamik spielt sich auch nach dem Verkauf ab. Für 35 Prozent der befragten Gen Z-Angehörigen gehören Kund:innenbewertungen zu den wichtigsten Faktoren, um Vertrauen in einen Secondhand-Kauf aufzubauen. Diese Bewertungen werden fast ausschließlich von der Erfahrung nach dem Kauf geprägt.

Die Erwartungen an die Geschwindigkeit bei Kommunikation und Lieferung sind hoch. 86,3 Prozent der Gen Z-Befragten erwarten, dass ein Problem innerhalb von zwei bis drei Tagen gelöst wird. Nur 1,1 Prozent sind bereit, länger als eine Woche zu warten. Die Nachfrage nach einem Käufer:innenschutz beim Checkout ist ebenfalls hoch. 76,5 Prozent aller Befragten geben an, dass sie dadurch eher zum Kauf bereit sind. Es überrascht nicht, dass Mode und Unterhaltungselektronik die beiden Kategorien sind, in denen diese Nachfrage am stärksten ist.

„Die Gen Z kauft bereits in Rekordzahlen Secondhand-Artikel“, sagte Laura Huddle, Chief Revenue Officer bei Seel, in einer Erklärung. „Aber die nächste Wachstumsphase der Kategorie wird von Plattformen und Einzelhändler:innen gewonnen, die in Vertrauen investieren. Die Marken, die langfristig die Loyalität ihrer Kund:innen gewinnen, werden nicht nur die mit der besten Produktauswahl sein. Es werden diejenigen sein, die eine einfache Rückgabe oder einen Umtausch ermöglichen.“

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